SPLITTER AUS DER LANDESHAUPTSTADT

Stephan Weil sticht die Kanzlerin aus, CDU-Minister kümmern sich um Bienen

Insektenhotel am Amtssitz: Die CDU-Minister Barbara Otte-Kinast und Björn Thümler.
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Insektenhotel am Amtssitz: Die CDU-Minister Barbara Otte-Kinast und Björn Thümler.

Unser Korrespondent in Hannover, Peter Mlodoch, hat wieder genau hingeschaut und -gehört.

Hannover - Das Ergebnis: Die Splitter der Woche aus der Landeshaupstadt.

Ober sticht Unter. Dieser Grundsatz aus dem bayrischen Kartenspiel Schafkopf passt in der Politik nicht immer: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte nach der Corona-Konferenz mit den Ministerpräsidenten ein 50-Euro-Bußgeld für Gästelisten-Schummelei verkündet und als Adressaten die Wirte genannt. Niedersachsens Regierungschef Stephan Weil (SPD) bezog die Sanktion aber kurze Zeit später auf mogelnde Gäste, die sich mit Fantasienamen – ganz beliebt: Merkel – eintragen.

Ein Bund-Länder-Konflikt? Nein, Weil blieb ohne eigenes Zutun Sieger. Am späten Abend stellte das Bundespresseamt klar, dass dieses Bußgeld „von den Gästen zu entrichten ist“.

Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast und ihr Wissenschaftskollege Björn Thümler (beide CDU) betreiben jetzt einen Beherbergungsbetrieb. Sie eröffneten auf dem Blühstreifen, der vor den beiden benachbarten Amtssitzen verläuft, ein schickes Insekten-Hotel. Das von Azubis der Landesforsten gebaute Holzhaus soll künftig Hummeln, Wildbienen und Ohrwürmern eine artgerechte Unterkunft gewähren.

„Das ist eines der schönsten Gebäude in ganz Hannover“, schwärmte Otte-Kinast und lud Schulen sowie öffentliche Institutionen zum Nachahmen ein. Dass ein paar Meter der Blumenwiese für die Errichtung des Hotels gemäht werden mussten, sei nicht so schlimm, beruhigte Thümler. „Das wird schnell wieder einwachsen.“ Da schmeckte der zum Festakt gereichte Bienenstich umso besser.

Auch unter seinem neuen Grünen Oberbürgermeister Belit Onay verliert Hannover nicht den roten Faden. Aktuell bessern Azubis mit Pinsel und Farbe das Pflasterband aus, das in der Innenstadt Sehenswürdigkeiten und historische Orte verbindet. Der vor fast 50 Jahren entwickelte „Rote Faden“ samt dazugehörigem Drei-Euro-Büchlein ist bei Bewohnern Kult und bei Touristen beliebt.

Allerdings gibt es wegen der Kosten für farbliche Auffrischungen der 4,2 Kilometer langen Strecke immer wieder Ärger. Dass 500 Meter jetzt gratis neues Rot erhalten, ist der Maler- und Lackiererinnung zu verdanken. Deren Chef Friedrich Stöter betont, der Faden sei ein „hervorragendes Angebot“. Der Verwaltung ist das Geschenk nun offenbar peinlich. Man werde „eine langfristige Lösung und die entsprechende Finanzierung“ prüfen, so das Rathaus.

Von Peter Mlodoch

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