Betrug mit manipuliertem Kassensystem

Steuern hinterzogen: Gastronom aus Göttingen soll fast drei Jahre in Haft

+
Betrügerische Software für Kassensysteme: Ein Göttinger Gastronom hat eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten erhalten.

Weil er in seinem China-Restaurant in Göttingen eine Betrugssoftware für das Kassensystem verwendet hat, wurde ein Gastronom jetzt verurteilt. 

  • Der Betreiber eines Asia-Restaurants wurde zu einer Haftstrafe von fast drei Jahren verurteilt.
  • Er hat Steuern mithilfe eines manipulierten Kassensystems hinterzogen.
  • Das Gericht liegt mit der Strafe über dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

Weil er mithilfe einer betrügerischen Software für Kassensysteme mehr als eine halbe Million Euro an Umsatzsteuern hinterzogen hat, soll ein Betreiber eines China-Restaurants in Göttingen eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten erhalten. Das hat am Donnerstag das Landgericht Göttingen entschieden. 

Steuerbetrug: Angeklagter räumt Vorwürfe ein

Das Gericht befand den 41-Jährigen der Steuerhinterziehung in 19 Fällen für schuldig. Der Angeklagte hatte in dem Prozess die Vorwürfe eingeräumt. 

Mit dem bundesweit an China-Restaurants vertriebenen Kassensystem war es möglich, nachträglich Buchungen wieder zu löschen, sodass diese Umsätze nicht dem Finanzamt übermittelt wurden.

Manipuliertes Kassensystem: Urteil deutlich über dem Antrag der Staatsanwaltschaft

Das Gericht ging mit seinem Urteil deutlich über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinaus. Der Vertreter der Strafverfolgungsbehörde hatte eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren beantragt, die zur Bewährung ausgesetzt werden könnte. 

Die Verteidigung hatte dagegen auf eine Geldstrafe plädiert. Der Vorsitzende Richter Carsten Schindler begründete das höhere Strafmaß damit, dass es keinen Anlass gebe, „Steuerhinterziehung geringer zu bestrafen als andere Vermögensdelikte“.

Die Kammer halte dem Angeklagten zugute, dass er ein Geständnis abgelegt habe und bislang unbestraft sei. Außerdem habe er bereits eine freiwillige Zahlung von 100 000 Euro geleistet, um den Schaden wieder gutzumachen

Steuerbetrug: Verfahren führte zur Insolvenz

Das Strafverfahren habe auch erhebliche Folgen für ihn gehabt, so habe er zwischenzeitlich Insolvenz anmelden müssen. Zu seinen Lasten seien allerdings die hohe Schadenssumme und die professionelle Tatbegehung zu werten. 

Hierbei spielten auch generalpräventive Aspekte eine Rolle, sagte der Vorsitzende Richter: „Die Rechtsordnung muss klarstellen, dass Steuerhinterziehung kein Kavaliersdelikt ist.

Mann aus Frankfurt verkaufte Betrugssoftware

Es ist bereits das zweite Verfahren um den Einsatz von Betrugssoftware in China-Restaurants. Seit November muss sich ein 38-jähriger Geschäftsmann aus Frankfurt wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung vor dem Landgericht Göttingen verantworten. 

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, als faktischer Geschäftsführer eines in Frankfurt ansässigen Unternehmens die Software für Kassensysteme in Restaurants entwickelt zu haben, mit der sich Buchungen nachträglich manipulieren lassen

3,8 Millionen Steuern mit Betrugssoftware hinterzogen

Zwischen 2008 und 2017 sollen mehr als 100 Kunden die deutschlandweit vertriebenen Kassensysteme gekauft und eingesetzt haben. Insgesamt sollen durch den Einsatz der Software Steuern in Höhe von rund 3,8 Millionen Euro hinterzogen worden sein.

Eines der Restaurants, in dem die betrügerische Software zum Einsatz kam, war der Betrieb des 41-Jährigen. In dem jetzigen Prozess ging es um Buchungsmanipulationen im Zeitraum zwischen März 2016 und November 2017.

Steuerbetrug mit manipulierten Kassen kein Einzelfall 

Auch in Vellmar wurde der Betreiber eines Asia-Imbisses zu einer Haftstrafe verurteilt. Er musste allerdings nur für ein Jahr und sechs Monate ins Gefängnis.  

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.