Giftskandal kostete Steuerzahler mehr als 200.000 Euro

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Spektakuläres Bild: Nach dem Brand in einer Industrie-Lagerhalle am 2. März 2012 im Göttinger Stadtteil Grone hatte sich das Wasser im Bach Grone in Göttingen grün gefärbt.

Göttingen. Wer trägt die Kosten für die Entsorgung? Diese Frage muss das Verwaltungsgericht drei Jahre nach dem Großbrand im März 2012 in einer Industriehalle in Göttingen demnächst klären. In der Halle lagerten damals giftige und entzündliche Stoffe.

Der einstige Pächter der Halle, ein Chemiker aus Einbeck, klagt gegen zwei Kostenbescheide der Stadt Göttingen über etwa 186.000 Euro. Der Chemiker war vor einigen Jahren schon einmal in einen Umweltskandal verwickelt. Dieser ist, wie eine Anfrage beim Staatlichen Gewerbeaufsichtsamt in Göttingen ergab, die Allgemeinheit teuer zu stehen gekommen.

Der Chemiker hatte als Geschäftsführer einer Recyclingfirma ein illegales Giftmülllager in Fredelsloh (Kreis Northeim) betrieben, das 2007 geräumt wurde. Weil die Firma danach in die Insolvenz ging, konnten die Behörden nur einen Bruchteil der Kosten wieder eintreiben. Der weitaus größte Teil – mehr als 200.000 Euro – blieb an den Steuerzahlern hängen.

Die Räumung des Giftmülllagers in Fredelsloh, in dem sich mehrere hundert Tonnen giftiger explosionsgefährlicher und hochentzündlicher Stoffe befanden, hat nach Angaben der Aufsichtsbehörde 220.000 gekostet.

Aufräumarbeiten: Nach dem Großbrand im Chemielager in Göttingen Grone Anfang März 2012.

Die Behörden waren dabei in Vorleistung getreten und hatten dann der Recyclingfirma des Chemikers die Kosten in Rechnung gestellt. Nachdem die Firma in Insolvenz gegangen war, habe man diese Kosten gegenüber dem Insolvenzverwalter geltend machen müssen, sagte die Leiterin des Gewerbeaufsichtsamtes, Dagmar Schomaker. Da es auch andere Gläubiger gegeben habe, habe man nur 9500 Euro zurückbekommen. Inzwischen sei das Insolvenzverfahren beendet. Folge: Für die Behörden ist nichts mehr zu holen. Der Fall hatte strafrechtliche Konsequenzen. Das Amtsgericht Northeim verurteilte den Chemiker zu 24.000 Euro.

Der Brand der Industriehalle in Göttingen war gewissermaßen eine Fortsetzung des damaligen Umweltskandals, da ein großer Teil der in Göttingen gelagerten Chemikalien aus dem früheren Lager in Fredelsloh stammte. Daneben lagerten dort weitere Stoffe, auch mehr als 180 Liter hochgiftige Flusssäure.

Vor zwei Jahren verurteilte das Amtsgericht Göttingen den Chemiker wegen vorsätzlichen unerlaubten Umgangs mit gefährlichen Stoffen und fahrlässiger Gewässerverunreinigung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung. Eine Auflage verpflichtet den Chemiker dazu, mit dem möglichen Erlös aus dem Verkauf von Materialien der Stadt Göttingen die Kosten der Ersatzvornahme zu erstatten. Die Erfüllung der Auflage steht wegen des anhängigen Rechtsstreits noch aus. Das Gericht hatte in seinem Urteil die Dauer der Bewährungszeit auf drei Jahre festgelegt.

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