Diskussion über Studie

Stickoxid-Prognose - Köhler: Göttingen ist keine Sünder-Stadt

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Messstation in Göttingen: An der Bürgerstraße steht ein Container mit Messsonden. Die Station gehört zum Lufthygienischen Überwachungssystem Niedersachsen (LÜN), das 20 Stationen in Ballungsräumen und ländlichen Raum umfasst.

Göttingen. Erstaunt reagierte Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) auf die in unserer Zeitung veröffentlichten Modellrechnungen zur Stickoxidbelastung des Gewerbeaufsichtsamts (GAA) Hildesheim. Sie basieren auf Daten von 2013 bis September 2017 und Berechnungen.

„Wir wissen von der Studie, aber sie liegt uns momentan nicht vor“, sagte Köhler am Sonntag. „Wir warten also auf die Ergebnisse.“ Lägen sie vor, dann könne man sie kommentieren und möglicherweise Schlüsse daraus ziehen.

Der Oberbürgermeister verwies darauf, dass Göttingen keineswegs als kommende „Sünder-Stadt“ bezeichnet werden kann. Denn Göttingen arbeitet seit Jahren nach einem im Stadtrat 2011 verabschiedeten „Masterplan 100% Klimaschutz“ mit konkreten Zielvorgaben. Diesbezüglich sei man weiter als einige Kommunen in Niedersachsen.

An der Bürgerstraße, also an einer viel befahrenen Straße im Zentrum, steht eine Messstation, die nun Umweltminister Stefan Wenzel als Reaktion auf die GAA-Studie für die genannten 43 Kommunen mit schlechten Prognosen fordert, darunter Hann. Münden, Bovenden und Gleichen.

Erstaunt: Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler.

2015 gab es, wie Köhler sagt, im Hochsommer und Winter Grenzwertüberschreitungen. „2016 und 2017 lagen wir unter 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft“. Gleichwohl sieht der OB Handlungsbedarf. „Wir müssen etwas tun, um die Luft zu verbessern.“ Als Beispiel nennt er die Reduzierung des Stickoxid-Ausstoßes durch die Diesel-Stadtbusse. Eine stetige Modernisierung der Flotte soll helfen, die Emissionen zu senken. Der Umstieg auf E-Busse, der Ziel der Stadt ist, liegt aber noch in der Ferne. „Die Technik muss erst so weit sein. Die Göttinger Verkehrsbetriebe werden aber bald drei Hybrid-Busse einsetzen, die in der Kernstadt per E-Antrieb fahren werden.“

Auch die blaue Plakette ist für Köhler ein „mögliches Mittel“, um die Stickoxid-Belastung zu senken. Der SPD-Mann ist damit weitaus offener als andere Sozialdemokraten im Land, wie der im VW-Aufsichtsrat sitzende Wirtschaftsminister Olaf Lies, der die Plakette strikt ablehnt.

Der Oberbürgermeister gibt aber zu Bedenken, das viele andere Faktoren eine Rolle bei Stickoxidwerten in Innenstädten spielen: so die klimatischen Bedingungen und die Belüftung der Innenstadt. Gleiches gelte für Maßnahmen, die die Stickoxide binden können, wie Asphaltbeschaffenheit und Farben.

In Stadtteilen oder bei Neubauprojekten sollen durch die Verringerung von Individual-Autoverkehr Emissionen vermieden werden. „Beispiel dafür sind Stadtteilpläne, wie für die Südstadt“, sagt Köhler.

Verwundert: Bovendens Bürgermeister Thomas Brandes

Verwundert über die GAA-Studie ist auch Bovendens Bürgermeister Thomas Brandes (SPD). Konkret will er dazu erst etwas sagen, wenn die GAA die Gemeinde informiert hat. Maßnahmen wie Fahrverbote im Kern von Bovenden seien aber nicht effektiv und nicht mit denen in größeren Städten wie Göttingen zu vergleichen.

Göttingen und Klimaschutz bis 2050

Der Rat der Stadt Göttingen hat im April 2011 den Mastplan 100 % Klimaschutz beschlossen. Zielvorgabe ist, dass die Stadt Göttingen bis 2050 klimaneutral werden will. Die Treibhausgasemissionen sollen fast auf Null und der Energiebedarf um mindestens die Hälfte reduziert werden. Die Restenergie soll vollständig aus erneuerbaren Energien kommen. Das geschaffene Leitbild bis 2050 wird in Fünf- bis Zehnjahresschritten gegliedert.

Bis 2020 sollen zudem die CO-2-Emissionen um 40 Prozent gesenkt werden, das wurde bereits 2010 in einem Klimaschutzkonzept formuliert. Hintergrund des Masterplans ist das gleichnamige Projekt und Förderprogramm des Bundes: Dafür hatte sich die Stadt mit der Universität und den Stadtwerken Göttingen beworben. Göttingen wurde als eine von 19 Kommunen bundesweit ausgewählt.

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