Hilfe für kranke Teddys

Stofftier-Krankenhaus soll Kindern Angst vor Ärzten nehmen

Göttingen. Ein Stofftier-Krankenhaus in Göttingen ist ein Projekt der Medizinstudierenden der Universitätsmedizin. Zweimal im Jahr wollen sie den Kindern mit Kuscheltieren zeigen, dass sie vor Ärzten und Krankenhäusern keine Angst haben brauchen.

Martin ist durcheinander. Sein pilzähnliches Kuscheltier namens Weiß nicht hat Bauchschmerzen. Zwar hat er Weiß nicht mit vielen Gummibärchen gefüttert, dass die aber schuld an den Schmerzen seines Kuscheltieres sind, glaubt er nicht. Deshalb bringt der Fünfjährige sein Kuscheltier lieber in das Teddybär-Krankenhaus. Die Ärzte dort sollen mal „gucken, was er hat“.

Auch die Zähne müssen gesund bleiben: In der Teddybärklinik in Göttingen werden Kuscheltiere von Kindern behandelt. Die Schildkröte von dem vierjährigen Jules hatte Panzerschmerzen, die Zähne sollen aber gar nicht erst krank werden. Deshalb putzt er sie seiner Schildkröte unter Anleitung von Medizinstudentin Manuela Ehle. Kleines Bild: eine Operation am Bein einer Puppe.

Das Stofftier-Krankenhaus ist ein Projekt der Medizinstudierenden der Universitätsmedizin Göttingen. Zweimal im Jahr wollen sie den Kindern damit zeigen, dass sie vor Ärzten und Krankenhäusern keine Angst haben brauchen, erklärt Mitorganisatorin Stefanie Naas: „Den Kindern sollen erleben, dass einem im Krankenhaus überhaupt nichts Schlimmes passiert.“

Ob das tatsächlich so ist, davon muss sich Martin erst noch überzeugen. Zaghaft bettet er seinen Weiß nicht auf einen Tisch, damit ihn eine Medizinstudentin untersuchen kann. Die schließt die Gummibärchen als Ursache für die Schmerzen zwar nicht aus, vorsichtshalber durchleuchtet sie den Stoffkörper aber doch nochmal: Zum Vorschein kommt ein Löffel im Bauch. „Das ist der von Mama“, erzählt Martin. Denn einen Löffel von ihm hätte Weiß nicht garantiert nicht verschluckt.

Um den Löffel aus Weiß nichts Bauch wieder herauszubekommen, wird er operiert. Genau wie Anna, das kleine weiße Kuscheltier der fünfjährigen Lioba: „Ein Arm und ein Bein sind gebrochen“, erzählt sie, „sie ist mir runtergefallen.“ Zwar sei sie traurig, dass es Anna nicht gut geht, trotzdem findet sie es spannend im Teddybärkrankenhaus.

„Jetzt kann ich zugucken, wie das wieder heile gemacht wird.“ Und auch wenn ihre beiden Freundinnen Mathilda und Mina nicht so überzeugt scheinen, sich das auch ansehen zu wollen, werden sie von Lioba energisch an den Händen gepackt und mit zum OP genommen.

„Genau das ist das Ziel: Die Kinder sollen sehen, dass einem hier geholfen wird“, erklärt Naas. Und wie in einem echten Krankenhaus gibt es in der Teddybärklinik verschiedene Abteilungen wie den OP, eine Zahnarztabteilung und eine Apotheke. Dort bekommen die Kuscheltiereltern die notwendige Medizin, um ihren Nachwuchs zuhause vollkommen gesund zu pflegen.

„Meiner Schildkröte tut der Panzer noch weh“, sagt der vierjährige Jules, „aber nur noch ein bisschen.“ Denn Ärzte und ein Pflaster haben schon dazu beigetragen, dass es der Schildkröte schon besser geht als noch am Morgen.

Die Teddybärklinik ist in der Osthalle des Universitätsklinikums, Robert-Koch-Straße 40, zu finden. Dort werden auch noch am Mittwoch, 29. Mai, von 8 bis 16 Uhr die kranken Kuscheltiere von Kindern behandelt.

Von Constanze Wüstefeld

Rubriklistenbild: © Wüstefeld

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