Stoppt Vogelschutz die Drachenboote auf dem Kiessee?

Drachenboote für den Kiessee: Mit einem Drachenboot aus Hannover konnten Vorstandsmitglieder des Stadtsportbundes und der Sparkasse Göttingen sowie weitere Interessierte schon einmal ein Runde auf dem Kiessee drehen. Archivfoto: Schröter

Göttingen. Der Stadtsportbund, die Wassersportvereine und das Sportzentrum der Universität Göttingen sehen sich in ihrer Existenz bedroht. Grund ist die Kiesseeordnung. Die städtischen Gremien wollen im neuen Jahr über die Regelung diskutieren.

Mitte Oktober gab es einen Testlauf für Drachenboote auf dem Kiessee (wir berichteten) Nach der Vorstellung der Pläne und dem Testlauf hat ein Göttinger Vogelschützer dieses Vorhaben kritisiert und droht mit einer Strafanzeige, da die Kiesseeordnung vorsieht, dass der See nur mit „…Booten, die nicht mehr als die übliche Größe eines Vierer-Bootes aufweisen“, befahren werden dürfe. Ferner sei der Lebensraum der Brut- und Rastvogelarten gefährdet, so der Tenor der Gegner.

Derzeit planen die Universität Göttingen und der Stadtsportbund Göttingen mit Unterstützung von Sponsoren das neues Wassersportangebot „Drachenbootsport“. Mit der Anschaffung von zwei Booten wollen die beiden größten Sportinstitutionen in der Stadt der Bevölkerung Göttingens eine neue sportliche Betätigungsmöglichkeit anbieten. „Die Stadt Göttingen hat nach unserem Kenntnisstand die Absicht, die bestehende Kiesseeordnung zu ändern“, heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme von Stadtsportbund, den Wassersportvereinen und dem Sportzentrum der Uni. Sie befürchten, ihre Sportangebote auf dem Kiessee nicht in der bisherigen Form aufrechterhalten zu können.

Hinweise aus dem Naturschutz haben die Wassersportler nach eigenen Angaben schon in der Vergangenheit ernst genommen und konsequent umgesetzt. „Schilf- und Uferbereiche werden von den Wassersportlern gemieden. Ein Trainingsbetrieb findet zumeist in Seemitte oder direkt vor den Vereinshäusern statt“, heißt es in der Pressemitteilung.

Diskussion im neuen Jahr 

Die Stadt gibt zunächst Entwarnung: Eine Diskussion über eine neue Kiesseeordnung werde es erst im neuen Jahr geben, sagte Pressesprecher Detlef Johannson. Zu der Diskussion seien dann alle eingeladen - Wassersportler und Naturschützer gleichermaßen. (bsc)

Vereine:  Vogelwelt wird durch Wassersport nicht beeinträchtigt

Die Beeinträchtigung der Vogelwelt durch die Wassersportangebote sehen die Vereine vom Göttinger Kiessee nicht nicht. Das geht aus einer Mitteilung hervor.

Im Gegenteil: Die Wassersportvereine am Kiessee beobachten seit Jahrzehnten eine stete Zunahme der Artenvielfalt und der Populationsdichte. „Es gibt also ein sehr gutes Miteinander von Fauna und Wassersport, die Populationen haben sich trotz Sportbetriebes erfreulich entwickelt“, sagen die Vereine. Pro Jahr wird das gesamte Kiesseeareal von über 20 000 Menschen als Sportstätte genutzt.

Drachenboote sind nach Angaben der Vereine nicht länger als ein Ruder-Vierer - jeweils etwa 12,5 Meter lang. Deshalb würde die Kiesseeordnung die Nutzung der Drachenboote erlauben, sagen die Vereine.

Sie weisen zudem darauf hin, dass in der Vergangenheit der Kiessee auch mit 10er-Kanadiern befahren wurde und sogar Regatten mit sechs bis acht Booten stattfanden, „ohne dass es zu Beeinträchtigungen oder Klagen“ kam. (bsc)

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