Gericht: Sex im Bad war strafrechtlich nicht relevant

Göttingen/Bad Grund. Das Landgericht Göttingen hat am Mittwoch einen 23-jährigen Mann aus dem Landkreis Osterode vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen.

Die Staatsanwaltschaft hatte den 23-Jährigen angeklagt, im April 2014 in seiner Wohnung in Bad Grund eine damals 17 Jahre alte Bekannte im Badezimmer vergewaltigt zu haben. Der Angeklagte hatte jeglichen sexuellen Kontakt bestritten. Nach Ansicht der Kammer ist es allerdings sehr wohl zu einem Geschlechtsverkehr gekommen. Man habe aber nicht feststellen können, dass dies gegen ihren Willen geschehen sei. Die 17-Jährige habe sich nicht gewehrt und den Geschlechtsverkehr zugelassen. Somit sei das, was sich im Badezimmer abspielte, strafrechtlich nicht relevant.

Das Gericht folgte mit seinem Urteil den Anträgen der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung, die beide auf Freispruch plädiert hatten. Der Vertreter der Nebenklage hielt dagegen den Vorwurf der Vergewaltigung aufrecht.

Nach Ansicht des Gerichts hat der Angeklagte bewusst den sexuellen Kontakt gesucht und sich mit der 17-Jährigen im Bad eingeschlossen, um nicht von seiner Freundin sowie zwei weiteren Freunden gestört zu werden, die ebenfalls im Haus übernachteten. Die 17-Jährige sei von den sexuellen Avancen überrascht und möglicherweise auch situativ überfordert gewesen, sagte der Vorsitzende Richter Ralf Günther. Sie habe aber keinen erkennbaren Widerstand geleistet und das Bad nicht verlassen. Da der Schüssel in der Tür steckte, wäre ihr dies ohne Weiteres möglich gewesen.

Die 17-Jährige hatte nach dem Vorfall noch mehrfach mit dem Angeklagten über Facebook kommuniziert. Erst einige Wochen später gab es eine Strafanzeige, allerdings nicht von ihr, sondern von einer Lehrerin. An diese hatte sich die 17-Jährige gewandt, nachdem in der Schule über HIV-Infektionen gesprochen worden war. Nach Ansicht des Richters hatte die 17-Jährige vermutlich Angst bekommen, weil der Angeklagte kein Kondom benutzt hatte. Gegenüber der Lehrerin habe sie angegeben, dass der Geschlechtsverkehr gegen ihren Willen stattgefunden habe. Diese hatte sich daraufhin verpflichtet gesehen, Anzeige zu erstatten.

Der Vorsitzende Richter verwies darauf, dass das Gericht „von relativ vielen Personen angelogen“ worden sei, unter anderem von der Freundin des Angeklagten. Diese habe als Zeugin in wesentlichen Teilen die Unwahrheit gesagt. Auch dem freigesprochenen Angeklagten gab er etwas mit auf den Weg: Dieser möge sein Verhalten in Bezug auf das Selbstbestimmungsrecht anderer Menschen überdenken. (pid)

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