Strampeln für den Erhalt der Wälder

Göttinger Verein: Mit fahrradbetriebenem Kino durch Madagaskar

Arbeit für einen Film: Der Göttinger Verein „Chance for Nature“ macht Umweltschutzaufklärung in Madagaskar, bietet dort auch Workshops an. Der gebürtige Witzenhäuser, Dr. Matthias Markolf, ist dort engagiert. Foto: Privat/nh

Göttingen. Wissenschaftler und Mitglieder eines Verein in der Uni-Stadt sind mit einem fahrradbetriebenen Kino auf Madagaskar unterwegs.

Es geht darum, die Madagassen für den Schutz ihrer fantastischen Umwelt zu sensibilisieren. Denn auf Madagaskar sind 60 Prozent der Wälder der Raubbewirtschaftung und Ackerlandgewinnung zum Opfer gefallen. Die Einheimischen wissen wenig darüber, für sich und den Naturschutz nachhaltig zu wirtschaften. Das will der Verein „Chances for Nature“ ändern.

Ihr selbstgedrehter Kurzfilm in der Landessprache Malagasy läuft auf einem fahrradbetriebenen Projektor – stromunabhängig und kann so überall gezeigt werden. Die Idee für das mobile Kino hatte der aus Witzenhausen stammende Dr. Matthias Markolf, Diplom-Biologe und Mitbegründer von Changes for Nature. Bislang jedenfalls kam das fahrradbetriebene Kino bei den Madagassen prima an.

„Das mobile Kino habe ich erstmals in London gesehen“, berichtet der 33-Jährige. In einem Hörsaal haben Studenten in die Pedale getreten, um über den Schutz von Orang-Utans in Indonesien zu informieren. „Daraus entstand die Idee, das fahrradbetriebene Kino auch auf Madagaskar einzusetzen.“ Denn dort wird ohne Rücksicht auf Tiere und Pflanzen eine Wanderfeldwirtschaft betrieben. Warum? Das wüssten die Madagassen selbst nicht genau, sagt Markolf. „Es war einfach schon immer so, also wird es weiter so gemacht.“ Aber die nährstoffarmen Böden werfen wenig Ertrag ab, zwingen die Bauern so dazu, neue Felder anzulegen und immer mehr Wald abzuholzen.

Zwei Monate lang reiste Markolf mit Ehrenamtlichen des Vereins umher, führte Interviews über Naturschutz, alternative Ernährung durch Fischzucht im Reisfeld und zum Einsatz von ökologischen Öfen. „Die verbrauchen bis zu 80 Prozent weniger Holzkohle und stoßen sehr viel weniger giftige Gase aus, als traditionelle Kochstellen.“

Das wichtigste sei, dass das Video von Madagassen für Madagassen sei. „Im Film berichten Einheimische, die erfolgreich mit ökologischen Öfen und alternativen Anbaumethoden wirtschaften, von ihren Erfahrungen und geben Neueinsteigern wertvolle Tipps“, sagt der 33-Jährige.

Ende 2014 gab es die ersten Filmvorführungen in der westlichen Region Menabe: 200 Dorfbewohner kamen zur Premiere. Und der Sohn des Dorfältesten trat selbst in die Pedale, um den Projektor anzutreiben.

Mittlerweile gibt es Anfragen für das Mobile Umweltkino aus dem Osten und Nordosten. „Das ist ein großer Erfolg“, freut sich Matthias Markolf. Doch da Madagaskar zu weiten Teilen kaum über befestigte Straßen zu erreichen ist, muss Chances for Nature zunächst das Geld für einen Geländewagen auftreiben. „Mein Ziel für 2015 ist es, das Auto anzuschaffen und mit dem Kino mehrmals pro Monat umherfahren zu können“, hofft Matthias Markolf.

Hintergrund: Mobiles Kino und Workshops

Der Verein „Chances for Nature“ aus Göttingen ist mit einem mobilen Kino auf Madagaskar unterwegs, um den Einwohnern und Bauern dort Informationen über alternativen Landbau und nachhaltiges Bewirtschaften zu geben. Parallel zum Zeigen des Filmes laufen auch Workshops in den Dörfern, wo der Film in Landessparache gezeigt wird. Zwölf Madagassen, darunter vier Frauen, nahmen auch nach der Filmpremiere in der Region Manabe an einem Workshop teil, der durch den Göttinger Verein „Longon’i Kirindy“ mitfinanziert wurde. Innerhalb von vier Wochen lernten die Dorfbewohner dabei, wie man selbst mit Erde und Lehm vor der Haustür ökologische Öfen baut und damit umgeht. Ihr Wissen geben sie dabei an andere Dorfbewohner weiter. So soll es sein: Denn ein Aufdrücken der Ideen helfe wenig, beschreibt Matthias Markolf von „Chances for Nture“. Die Bewohner müssten sich selbst eine Meinung bilden und sich dann für oder gegen Nachhaltigkeit entscheiden. (tko)

• Informationen: www.chancesfornature.org oder E-Mail: info@chancesfornature.org; Spenden: IBAN: DE15 2605 0001 0056 0235 18, BIC: NOLADE21GOE, Sparkasse Göttingen.

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