Diakonie

Straßensozialarbeit Göttingen: Corona-Krise trifft Menschen in Not

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Keine Pause trotz Pandemie: Streetworker Mike Wacker hat während der Coronakrise alle Hände voll zu tun. 

Die Coronakrise hat für viele Menschen dramatische Folgen. Das spürt auch Mike Wacker, Abteilungsleiter und Streetworker der Straßensozialarbeit des Diakonieverbandes Göttingen.

„Einige Einschnitte unserer Arbeit sind erheblich“, sagt Wacker. 40 Menschen nehmen die Angebote der Straßensozialarbeit täglich in Anspruch. Die Klienten sind meistens Menschen ohne Wohnung.

Bei der Straßensozialarbeit können sich die Wohnungslosen aufwärmen, ihre Wäsche waschen und duschen. Sie erhalten ein Frühstück, ein Mittagessen und Sozialberatung. Doch während der Corona-Pandemie sind die zahlreichen Angebote fast komplett gestrichen. Die Räume sind geschlossen. „Wir öffnen nur, wenn Klienten in Lebensnot schweben“, sagte Wacker m Gespräch mit unserer Zeitung Anfang April.

Dennoch lassen die Sozialarbeiter die Menschen in Not nicht im Stich. Die Wohnungslosen erhalten ihre Post und Lunchpakete. „Wir sind für die Menschen erreichbar“, so der Streetworker. Der Bedarf der Wohnungslosen sei in Zeiten von Corona gestiegen. Unter den Klienten gebe es zahlreiche Bettler. Sie erhalten keine Unterstützung vom Staat – „manche wollen das auch einfach nicht“, erklärt Wacker. Doch da wegen des Kontaktverbotes und des stark eingeschränkten öffentlichen Lebens weniger Menschen in der Stadt unterwegs sind, erhalten die Menschen auf der Straße weniger Spenden.

Doch das Kontaktverbot führe noch zu einem weiteren Problem: zu Streitigkeiten mit Polizisten. Die Beamten müssten oftmals Verwarnungen gegen die Wohungslosen aussprechen. „Unsere Klienten sind es gewohnt, sich in größeren Gruppen aufzuhalten“, sagt Wacker.

Mittlerweile hätten die meisten Menschen auf der Straße ein Bewusstsein für die Coronakrise entwickelt. Das sei vor kurzer Zeit noch nicht so gewesen. Die Streetworker verteilen fast täglich Zettel mit Informationen über das Coronavirus - in deutsch, polnisch und rumänisch. So wolle man die Betroffenen für die Gefahren sensibilisieren. „Aber natürlich suchen wir auch das Gespräch mit den Leuten“, sagt Wacker. Fast täglich seien zwei der vier Streetworker auf Göttingens Straßen unterwegs.

Die Reaktionen der Wohnungslosen auf die Coronakrise seien sehr unterschiedlich. Manche fordern ausreichend Abstand, andere würden mit dem Coronavirus sehr locker umgehen. „Aber wenn ich ihnen erklären, dass sie mit zu großer Nähe auch mich und meine Familie gefährden, nehmen die meisten Rücksicht“, erklärt Wacker.

Der größte Geldgeber der Straßensozialarbeit ist die Stadt Göttingen. Doch das Team ist für Zusatzangebote wie die Lunchpakete auf Drittmittel angewiesen. „Die Hilfsbereitschaft ist sehr hoch. Über weitere Spenden freuen wir uns immer“, sagt Wacker.  jfw

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