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Streik: Küche in der Göttinger Uni-Medizin bleibt für zwei Tage kalt

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Von: Bernd Schlegel

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Rückblick: Im November gab es einen Warnstreik bei der Universitätsmedizin. In dieser Woche gehen Beschäftigte der UMG-Gastronomie in den Ausstand.
Rückblick: Im November 2021 gab es einen Warnstreik bei der Universitätsmedizin. In dieser Woche gehen Beschäftigte der UMG-Gastronomie in den Ausstand. (Archivfoto) © Bernd Schlegel

Die Gewerkschaft Verdi ruft Beschäftigte der UMG-Gastronomie GmbH, der Tochter der Universitätsmedizin Göttingen, für Mittwoch und Donnerstag, 19. und 20. Januar, zu einem zweitägigen Streik ein. Die Beschäftigten gehen für mehr Geld und die Anwendung des Tarifvertrags der Länder auf die Straße.

Göttingen – Die Positionen beider Seiten liegen in den Tarifverhandlungen weit auseinander. Während Verdi fordert, auf die Beschäftigungsverhältnisse mittelfristig wieder den regulären Tarifvertrag der Länder anzuwenden, besteht die UMG auf Niedriglöhnen.

Das Angebot der Arbeitgeberseite sieht nach Angaben von Verdi für den ganz überwiegenden Teil der Beschäftigten vor, in einem Zeitraum zwischen April 2020 und März 2025 das Entgelt in vier Schritten um insgesamt fünf Prozent zu erhöhen. „Das läge voraussichtlich noch unterhalb der Preisentwicklung, so dass die Beschäftigten real noch Einkommenseinbußen erleiden würden auf Basis jetzt schon sehr niedriger Löhne“, kritisiert Verdi.

Ein Rechenbeispiel: Eine Küchenhilfe (Entgeltgruppe E1) bekommt als Einstiegsgehalt laut Entgelttabelle des Tarifvertrages der Länder 2037 Euro monatlich als Angestellte der UMG. Die etwa 250 Beschäftigten der UMG-Tochter bekommen laut Verdi hingegen 30 bis 40 Prozent weniger als Beschäftigte, die dieselbe Arbeit verrichten, aber direkt bei der UMG angestellt sind. Ein Großteil der Angestellten bekommt damit einen Stundenlohn unterhalb von 12 Euro und ist unfreiwillig nur in Teilzeit beschäftigt.

„Solche Beschäftigungsverhältnisse sind nur möglich, weil die Leute entweder schon jetzt oder spätestens mit der Rente Sozialtransfers bekommen“ kritisiert Thilo Jahn, zuständiger Verdi-Sekretär. Jahn findet es zudem unangemessen, dass die UMG gleich mit dem ersten Angebot den Beschäftigten mit der kompletten Fremdvergabe und der Entlassung drohe. Das Szenario habe man diskutiert, aber die Betroffenen haben sich laut Verdi trotzdem zum Streik entschlossen, weil ihre finanzielle Situation angesichts der Preisentwicklung bei Gütern der Grundversorgung extrem zugespitzt ist.

Zum Auftakt der zweitägigen Aktion findet am Mittwoch um 9 Uhr eine Kundgebung vor dem UMG-Haupteingang statt. Teilnehmen sollten nur Geimpfte beziehungsweise Genesene. Voraussetzung für die Teilnahme ist zudem das Tragen einer FFP2-Maske. Außerdem lädt auch Teilnehmer zu der Streikaktion ein, die sich mit den Beschäftigten der UMG-Gastronomie solidarisch zeigen wollen.

Die Verhandlungen für den bundesweiten Tarifvertrag der Länder, der für die meisten UMG-Beschäftigten gilt, wurden Ende 2021 abgeschlossen. Verdi kündigt an, dass nun für die Beschäftigten von zwei UMG-Tochterfirmen Verbesserungen gefordert werden. Verdi bedauert, dass es durch den Streik zu Einschränkungen für die Patienten, Beschäftigte und Bürgern kommt. Zu verantworten habe dies die UMG-Leitung: „Wenn die UMG wieder für alle die gleichen Bedingungen anwenden würde, statt Billiglöhne durchsetzen zu wollen, gäbe es diese Tarifrunde gar nicht.“

Nach Angaben der Universitätsmedizin ist die „Grundversorgung“ für die Patienten gesichert. Die Mitarbeiter müssen bei der Kantinenversorgung jedoch mit einigen Einschränkungen rechnen.

Von Bernd Schlegel

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