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Streikwoche angekündigt: Verdi-Sprecher ruft zum Boykott der Göttinger Uniklinik auf

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Von: Melanie Zimmermann

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Die Uniklinik in Göttingen aus der Luft.
Einen fünftägigen Streik der Beschäftigten der UMG-Klinikservice GmbH kündigte die Gewerkschaft Verdi nun an. Eine neue Verhandlungsrunde begann indes am Montag, 16. Januar. (Archivbild) © Michael Mehle

Der Tarifkonflikt zwischen Verdi und der UMG-Klinikservice geht in die nächste Runde. Verdi kündigt kommende Woche einen fünftägigen Streik an.

Göttingen – Es geht weiter: Im Tarifkonflikt mit dem Klinikservice der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) kündigt die Gewerkschaft Verdi nun für die kommende Woche einen fünftägigen Streik der Service- und Reinigungskräfte der Uniklinik an. Die Geschäftsführung der UMG-Klinikservice GmbH (KSG) reagiert indes mit Unverständnis auf das Vorgehen.

Die Ankündigung des durchgehenden Streiks erfolge ungeachtet des seit dem 15. November vergangenen Jahres vorliegenden Angebots der UMG-Klinikservice GmbH, teilt die KSG in einer Stellungnahme mit.

Tarifkonflikt: Verdi kündigt Streikwoche für die Göttinger Uniklinik an

Ein umfassendes Angebot (siehe Infokasten) habe Verdi abgelehnt und fordert eine Tariferhöhung um 20 Prozent. Der Streikaufruf der Gewerkschaft trotz dieses Angebots, verbunden mit einer Boykottempfehlung gegenüber der UMG, belaste die Verhandlungsbereitschaft erheblich, so die KSG.

Unterdessen kommt es zu einem weiteren vereinbarten Treffen zwischen der KSG-Geschäftsführung und der Verdi-Tarifkommission. Komme es zu keiner Einigung und sollte Verdi an dem angekündigten Streikaufruf festhalten, werde mit Nachdruck über die Konsequenzen aufgrund der Verantwortungslosigkeit der Tarifkommission gesprochen werden müssen, heißt es seitens der KSG.

Tarifverhandlungen für UMG-Klinikservice-Beschäftigte gehen weiter

Verdi kündigt für Montag, 23. bis Freitag, 27. Januar einen fünftägigen Streik der Service- und Reinigungskräfte an. Bereits im Dezember hatten sich rund 200 Beschäftigte der Kliniktochter-GmbH an einem zweitägigen Ausstand beteiligt.

Die Beschäftigten erwarten laut Gewerkschaft einen Angleich ihrer Arbeitsbedingungen an die regulären, für nahezu alle UMG-/Uni-Beschäftigten geltenden Konditionen des Tarifvertrags der Länder (TV-L).

Sie fordern als Zwischenschritt aber mindestens eine 20 prozentige Lohnerhöhung sowie Verbesserungen bei anderen Tarifbestandteilen. Bereits vor Weihnachten habe man der UMG die Streikwoche angekündigt, um zu ermöglichen, das gemachte Angebot deutlich nachzubessern oder sich frühzeitig auf den Streik einzustellen, heißt es in einer Mitteilung seitens Verdi.

Dies hieße vor allem die Planungen der Operationen sowie die Belegung auf den Stationen an den angekündigten Streik anzupassen.

UMG-Klinikservice GmbH: Boykott-Aufruf ist „höchst fahrlässig“

Brisant: Thilo Jahn, zuständiger Gewerkschaftssekretär in Göttingen, ruft sogar zu einem Boykott der Uniklinik während der Streikwoche auf: „Es ist aus unserer Sicht unverantwortlich, wenn die UMG wie im letzten Jahr versucht, das Normalprogramm auch an den Streiktagen ohne Reduzierung durchzuziehen. Wenn ich persönlich in der Situation wäre, würde ich versuchen, die UMG in der Streikwoche zu meiden.“

„Eine Empfehlung des Verdi-Verhandlungsführers an die Bevölkerung, die UMG an den Streiktagen zu boykottieren und sich nicht an der Uniklinik medizinisch versorgen zu lassen, ist höchst fahrlässig, gefährdet das Patientenwohl und zeugt vom Fehlen jeglicher Sachkenntnis über die elementaren Grundlagen einer gesicherten medizinischen Gesundheitsversorgung für die Menschen in der Region“, zeigt sich Marcus Bühre, Geschäftsführer der UMG-Klinikservice GmbH, empört.

Wenn ich persönlich in der Situation wäre, würde ich versuchen, die UMG in der Streikwoche zu meiden.

Thilo Jahn, Gewerkschaftssekretär Göttingen

Für besonders unverantwortlich hält es die KSG, dass seitens der Gewerkschaft keinerlei Einsicht besteht, für besonders sensible Bereiche wie OP, Intensivmedizin und Kinderklink zu vernünftigen und notwendigen Verabredungen zu kommen.

Bei den Verhandlungen über eine Notdienstvereinbarung ignoriere die Gewerkschaft zum wiederholten Mal, dass die Aufgaben der KSG-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weit über eine Wochenendreinigung hinausgehen.

Gewerkschaft: Notdienst reicht für Notfälle aus, jedoch nicht für das normale Versorgungsniveau

Die Gewerkschaft kündigt an, einen Notdienst einzurichten. Verdi werde sich dabei an dem Niveau des Notdienstes aus dem Streik 2018 orientieren oder die niedrigste tatsächlich vorgekommene Besetzung des letzten Jahres zur Grundlage nehmen, heißt es in der Mitteilung.

Der Notdienst reiche, um tatsächliche Notfälle zu versorgen, nicht aber, um das normale Versorgungsniveau aufrecht zu erhalten.

Laut Verdi sei der Tarifvertrag der Beschäftigten der UMG-Klinikservice GmbH bereits Ende Januar 2022 ausgelaufen. Nach Angaben der KSG habe die Geschäftsführung die Initiative ergriffen, um im Frühjahr 2022 Tarifverhandlungen mit der Gewerkschaft zu starten. Verdi habe diesen Vorstoß als unbegründet zurückgewiesen.

Damit hat die Gewerkschaft einen erheblichen Zeitverzug bei den Verhandlungen zum klaren Nachteil der Beschäftigten in der KSG bewusst in Kauf genommen und die Aufnahme der Verhandlungen bis nach den Sommerfreien 2022 verzögert.

Das bisherige Angebot der UMG-Klinikservice GmbH an die Gewerkschaft

Im November machte die UMG-Klinikservice GmbH (KSG) ein Angebot an die Verdi-Tarifkommission. Dies umfasst insgesamt 14,79 Prozent mehr Lohn für zwei Drittel der rund 780 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für zwei Jahre. Für etwa 200 Beschäftige liegt die Tariferhöhung nach dem Vorschlag der Geschäftsführung der KSG sogar bei 16,67 Prozent in zwei Jahren.

Ursache dieser deutlichen Entgelterhöhung ist der von der Geschäftsführung vorgeschlagene Wegfall der mittleren von drei Entgeltstufen des Haustarifvertrages, zudem verbunden mit einem vorgezogenen Stufenaufstieg.

Im Angebot der KSG sind zudem 1.500 Euro steuerfreie Einmalzahlungen enthalten. Laut Geschäftsführung der KSG habe man nach Rückmeldungen von Beschäftigten feststellen müssen, dass Teile des Angebotes der KSG seitens der Verdi-Tarifkommission in keiner Weise an die Belegschaft weiter kommuniziert wurden.

Aufgrund der Unflexibilität der Gewerkschaft bei ihren Forderungen und der Auswirkungen der bisherigen Tarifauseinandersetzung sieht die Geschäftsführung der KSG den Fortbestand der KSG erstmals als gefährdet an.

Die Gewerkschaft lehnt das Angebot aus dem November 2022 bisher ab, fordert eine Tariferhöhung um 20 Prozent. (mzi)

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