Planungen werden am Donnerstag Bauausschuss vorgestellt

Fragen und Antworten zum Streit um den Göttinger Volksgolfplatz

Geplanter Golfplatz im Süden von Göttingen auf 72 Hektar: Am Ortsrand von Geismar soll nach den Vorstellungen der Stadt, von Vereinen und Schulen eine Volksgolfplatz entstehen – weitgehend auf landwirtschaftlichen Flächen und um das Gebiet der ehemaligen Deponie, das ein Rückzugsort für Tiere geworden ist. Foto: Rampfel

Göttingen. Die Idee ist nicht neu: Am südlichen Ortsrand von Geismar soll ein ganz besonderer Golf-Platz entstehen. Das Projekt hat die Göttinger Sport- und Freizeit GmbH (GöSF) um Geschäftsführer Alexander Frey wieder ins Gespräch gebracht. Es gibt Planungen, die am Donnerstag im Bauausschuss vorgestellt werden.

Seit wann gibt es Planungen und wo soll der Golf-Platz entstehen?

Erste Überlegungen gab es schon vor der Jahrtausendwende, auf dem Areal rund um die ehemalige Bauschuttdeponie und die angrenzenden Felder südlich vom oberen Ortsrand Geismars einen Golf-Platz zu planen. Geplant ist eine 18-Loch-Anlage auf einer Fläche von 75 Hektar. „Man könnte auch mit einer 9-Loch-Anlage starten“, sagt Alexander Frey.

Was ist das besonderen an dem Projekt?

Geplant ist ein Volks-Golf-Platz. Gespielt werden soll nach dem Prinzip „Pay and Play“. Das heißt, der Spieler muss kein Vereinsmitglied sein, er muss keine Aufnahmegebühren bezahlen, er kommt und zahlt für seine Runde. „Wir wollen möglichst vielen Menschen das Golfspielen ermöglichen, wie es auch in anderen Ländern häufig möglich ist“, sagt Frey und betont: „Wir wollen kein elitäres Golf-Angebot machen“. Man wolle das wohnortnahe Sport- und Freizeit-Angebot in Göttingen erweitern. Vor allem auch für ältere Menschen.

Welche Schultern sollen den Golfplatz tragen?

Mit im Boot sollen Schulen und Vereine sitzen: Nach Gesprächen haben viele Partner Interesse: Als Vereine haben der ASC Göttingen, der SC Hainberg und der MTV Geismar Interesse signalisiert. Auch Schulen wie die IGS Geismar, das Felix-Klein-Gymnasium sowie auch das GDA-Wohnstift könnten kooperieren – und der Hochschulsport der Universität, deren Golfabschlagplatz am Klinikum verschwinden wird. Mit dabei wäre auch ein Investor, das Unternehmen „No.9 Golfdesign“ aus Rostock um den Ex-Göttinger, Andreas Lukasch. An diesem Miteinander von privatem Investor und Stadt sowie Vereinen stören sich die Kritiker des Projekts.

Wie weit ist die Planung vorangeschritten? 

Was jetzt im Gespräch ist, ist ein Entwurf, „der in die politische Diskussion geht. „Mehr nicht“, betont Alexander Frey, auch um Druck aus dem Kessel zu nehmen. Der Entwurf geht jetzt in den Ortsrat Geismar und den Bauausschuss. Benötigt würde ein Ratsbeschluss und ein komplettes Planungsverfahren wie bei einem Hausbau mit Flächennutzungsplan, Bebauungsplan, Bauantrag. Das würde noch Jahre dauern. Auch müssten Teile des Areals aus dem Landschaftsschutzgebiet entlassen werden.

Was sagen die Naturschützer? 

Sie laufen Sturm gegen die Planung. Das Gebiet um die ehemalige Deponie sei zu einem kleinen Naturparadies, geworden, sagt der Arbeitskreis Göttinger Ornithologen. Tierarten hätten hier eine Rückzugszone, Menschen finden wohnortnah einen Erholungsraum und Ruhe. Kritik kommt auch an dem „Biotop“ Golfplatz: Der sei ein intensiv genutzter Raum mit hohem Wasserbedarf und Spritzmitteleinsatz. „Die Artenvielfalt wäre sogar größer als jetzt in einer landwirtschaftlichen, intensiv genutzten Zone“, sagt Frey. Auch könnten auf dem Areal Zonen für Tierarten wie das Rebhuhn geschaffen werden. Die Kritiker sagen auch, dass das Areal wichtig für die Landwirtschaft sei.

Was sagen die Planer?

Auch auf den jetzt dort konventionell bewirtschafteten Feldern ist der Einsatz von Spritzmitteln hoch: mehr als sechs Tonnen Stickstoff-Dünger pro Jahr. Der Golfplatz käme mit 350 Kilogramm aus, weil dort nur ein geringer Teil intensiv „gepflegte“ Greens und Abschläge sind. Sie machen 2,7 Prozent der Gesamtfläche aus. „Wir würden nicht gegen die Landschaft planen“, sagt Frey. Viele Zonen mit Hecken, Bäumen und Wegen würden integriert. Auch seien nur wenige Erdarbeiten nötig. 60 Prozent der Fläche sind als Wiesen oder Gehölzareale geplant.

Besteht eine Gefahr für Spaziergänger?

Die Kritiker sagen: Ja. Denn auch die Wege an den Spielbahnen vorbeiführen. Die Planer sagen: Nein. Denn zur Anlage von Golfplätzen gelten Sicherheitsvorschriften, auch dafür, wie Wege und Mountain-Bike-Strecken integriert werden müssen. Laut Planer würden sogar mehr Wege für Erholungssuchende als jetzt zur Verfügung stehen.

Was ist mit dem An- und Abfahrt-Verkehr?

Kritiker und Naturschützer befürchten etwa 1000 Autos pro Tag mehr, die durch die ohnehin schon stark belastete Ortslage von Geismar rollen würden. Das sei nicht verkraftbar. Die GöSF widerspricht: Auf einem 18-Loch-Platz würden lediglich etwa 60 Spieler zeitgleich aktiv sein können - und das über mehrere Stunden.

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