Früher fuhren dort Autos

Streit um Radweg-Winterdienst in Göttingen

Wichtige Verbindung zwischen Weende und der Weststraße: Monika Dannhauer ärgert sich, dass der Radweg zwischen Gewerbegebiet Lutteranger und Maschmühlenweg nicht gestreut wird. Foto: bsc

Göttingen. Monika Dannhauer fährt täglich mit dem Rad von Weende bis in den Maschmühlenweg. Doch eine wichtige Verbindung zwischen beiden Göttinger Bereichen wird im Winter nicht geräumt.

Betroffen ist die ehemalige Straße vom Gewerbegebiet Lutteranger zur Bundesstraße 3 am Rinschenrott. Früher fuhren dort Autos. Jetzt dürfen dort nur noch Fahrradfahrer und Fußgänger unterwegs sein. Problem: Die Strecke ist nicht im Winterdienstplan der Stadt berücksichtigt. Kürzlich wurde beim Wintereinbruch dort nur einmal Splitt gestreut. „Ich habe jedesmal Angst, wenn es geschneit hat oder es über Nacht gefroren hat“, sagt Dannhauer, die bei einer EDV-Firma am Maschmühlenweg als Abteilungsleiterin arbeitet. Die 48-Jährige hat sich schon eigens spezielle Winterreifen fürs Fahrrad gekauft, um so ein wenig sicherer durch die kalte Jahreszeit zu kommen.

Täglich benutzen hunderte Radfahrer und Fußgänger die Strecke, hat Dannhauer beobachtet. Deshalb geht sie davon aus, dass auch viele andere Radler in den Wintermonaten betroffen sind. Mit ihrem Problem hat sich die Weenderin bereits an die Stadt Göttingen gewandt. Von dort kam keine befriedigende Antwort. Das Problem sei bekannt, hieß es von dort. Allerdings könne die Strecke nach wie vor nicht im Winterdienstplan berücksichtigt werden.

Hintergrund: Laut Stadt reichen die Kapazitäten derzeit nicht aus. Vielleicht könne man die Situation im Winter 2016/17 ändern. „Diese Antwort ist absolut unbefriedigend. Ich fahre jetzt schon drei Jahre auf der Strecke. Da hätte man echt was tun können.“ Außerdem ärgert sich Dannhauer darüber, dass die neue Entlastungsstraße zum Güterverkehrszentrum in unmittelbarer Nähe zu dem betroffenen Rad- und Fußweg immer geräumt und gestreut wird. „Dafür ist offenbar Geld da.“

Die Brücke über die Bahnlinie ist zu einem wichtigen Teil des Göttinger Radwegenetzes geworden. Sie verbindet Weende mit der Weststadt und dem Holtenser Berg.

Dannhauer hofft, dass das Thema Winterdienst auf Radwegen auch bei der Diskussion um das künftige Wegenetz für Zweiräder in der Uni-Stadt diskutiert wird. „Das ist längst überfällig.“´Sie hat beobachtet, dass nur wenige Radwege in Göttingen im Winter von Schnee und Eis befreit werden. Dannhauer träumt von Verhältnissen wie in den Niederlanden: „Erst werden die Radwege geräumt, dann die Straßen.“ (bsc)

Das sagen die Göttinger Entsorgungsbetriebe: Das ist eine politische Entscheidung

Die Brücke für Radfahrer und Fußgänger vom Rinschenrott zum Gewerbegebiet Lutteranger ist zurzeit nicht im Winterdienstplan der Stadt. Das bestätigt Annette Schlimme von den Göttinger Entsorgungsbetrieben (GEB).

Ob die Brücke in das Netz der Wege aufgenommen wird, sei eine politische Entscheidung der Stadt, die den Winterdienst in Auftrag gebe. Sie macht allerdings darauf aufmerksam, dass der Radweg am Rinschenrott ebenfalls nicht im Winterdienstplan enthalten ist.

Schlimme macht gleichzeitig deutlich, dass es einen mit dem Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) abgestimmten Winterdienstplan für das Göttinger Radwegenetz gibt, der erst Ende 2014 überarbeitet wurde. Dabei wird zwischen Radwegen unterschieden, die vorrangig oder erst später geräumt werden. Und: „Wir sind mit dem Radwegenetz ausgelastet“, sagt Schlimme mit Blick auf die Arbeit des Winterdienstes. „Im Winter muss man durchaus mit Einschränkungen rechnen. Nicht jede Straße und jeder Weg kann gleich morgens geräumt werden.“

Stadt will Radewegenetz überarbeiten

Im Laufe des Jahres 2016 wird das Radwegenetz der Stadt Göttingen überarbeitet. Dabei soll die Öffentlichkeit mit einbezogen werden.

Hintergrund: Nach einer Haushaltsbefragung liegt der Radverkehrsanteil bei 27 Prozent. Göttingen bietet als Studentenstadt gute Voraussetzungen für eine Steigerung dieses Wertes, heißt es aus der Stadtverwaltung.

Bislang gab es eher Einzelplanungen für den Radverkehr. Dazu gehörten das Uni-Radroutennetz, das Konzept für Fahrradabstellplätze und das Projekt E-Radschnellweg. Es fehlt aber ein Rahmenkonzept für den Radverkehr.

Dazu wird zunächst die derzeitige Situation ermittelt. Daraus soll eine Schäwchen- und Potenzialanalyse mit konkreten Vorschlägen zur Umsetzung entwickelt werden. Denkbar sind zum Beispiel folgende Punkte:

• Änderungen der Radwegeführung an bestimmten Knotenpunkten;

• Freigabe von Einbahnstraßen für Fahrräder in Gegenrichtung;

• Einrichtung eines Fahrradverleihsystems;

• Verbesserungen bei den Anschlüssen an das Radwegenetz der Nachbarkommunen.

Um die Öffentlichkeit zu beteiligen, ist ein Forum in Planung, bei denen Wünsche und Anregungen von den Teilnehmern zunächst aufgenommen werden. Bei einem zweiten Termin soll der Entwurf des Radverkehrsentwicklungsplan vorgestellt werden. Dabei können die Interessierten die Empfehlungen und Projekte bewerten.

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