Lage ist mehr als angespannt: 630 mehr Bewerber für Wohnplätze als vor einem Jahr

Studentenwerk: 2800 stehen in Göttigen auf Warteliste für Wohnungen

Neubau vergrößert Kapazität: Das moderne Studentenwohnhaus in der Theodor-Heuss-Straße bietet zwar 36 Plätze mehr als der abgerissene Altbau, kann aber die Wohnraumsituation für Studierende nicht deutlich verbessern. Foto: Kopietz

Göttingen. Es wird eng: Etwa 2800 Studierende und künftige Studenten in Göttingen stehen allein beim Studentenwerk auf der Warteliste für einen Wohnheimplatz. Wie Geschäftsführer Prof. Dr. Jörg Magull sagt, habe sich 630 mehr um einen Platz beworben als vor einem Jahr.

Demnach droht zum Start in das Wintersemester 2015/2016 – die Orientierungsphasen für Studienanfänger beginnen am Montag – ein akuter Wohnungsengpass.

Not-Quartiere: 2014 wurden sogar Notquartiere angeboten, so in der Alten Voigtschule und in einem Zeltlager der Wohnrauminitiative an der Humboldtallee. Die ehemalige Voigt-Schule fällt aber als mögliches Quartier für wohnungssuchende Studenten aus – dort sind aktuell mehr als 100 Flüchtlinge untergebracht.

204 neue Plätze: „Es fehlen Wohnheimplätze“, stellt Jörg Magull fest. Er verweist aber gleichzeitig darauf, dass das Studentenwerk Göttingen allein in diesem Jahr 204 neue Wohnplätze geschaffen hat: In dem neuen, von der Städtischen Wohnungsbau errichteten und vom Studentenwerk gemieteten Haus Theodor-Heuss-Straße 13 sowie in dem sanierten Wohnheim Rosenbachweg 6/8 – ebenfalls in der Nordstadt. Die Kapazität in der Theodor-Heuss-Straße wurde von 60 alten auf 96 moderne Wohnheimplätze erhöht. Insgesamt hat das Studentenwerk 750 Studierenden im September einen Wohnplatz vermittelt.

Keine Bau-Zuschüsse: Mit dem Bau Theodor-Heuss-Straße durch die Städtische Wohnungsbau GmbH gelang ein Kunstgriff, so konnten Wohnungsbau-Fördergelder vom Land fließen. Die wären dem Studentenwerk als Bauherrn verwehrt geblieben. Magull beklagt, dass „es in Niedersachsen seit 2000 keine Zuschüsse mehr für Projekte rund um das Studentischen Bauen gibt“.

Alle Sanierungen, Neubauten und sonstige Aktivitäten müsste das Studentenwerk komplett alleine leisten. „Wir brauchen ein neues Wohnungsbauprogramm – auch für Studentisches Wohnen – hatte Oberbürgmeister Rolf-Georg Köhler zur Einweihung in der Theodor-Heuss-Straße gefordert.

Neubau im Norden: Für Jörg Magull ist klar: „Wir müssen verstärkt neu bauen.“ Im Sommer/Herbst soll es endlich – das Projekt war auch durch eine Feldhamster-Population lange verzögert worden – nahe der Nordmensa mit dem Bau eines Studentenwohnheims mit 200 Plätzen losgehen.

Man müsse aber auch nach weiteren Möglichkeiten schauen, sagt Magull, der positiv auf die Anstrengungen der drei Göttinger Wohnungsgenossenschaften vor Ort blickt: „Sie haben das Schaffen von Studentenwohnungen nun wieder stärker im Blick.“ Als weitere Zukunftsprojekte hat der Geschäftsführer auch das Sartorius-Quartier im Visier, wo aber nicht nur Studenten wohnen werden.

Kampagnen mit Privaten: Kurzfristig hofft das Studentenwerk auf mehr Akzeptanz bei der Kampagne „Zimmer frei? Studi herbei!“ Dabei sollen private Anbieter und wohnungssuchende Studenten zusammengebracht werden. Auch das Projekt „Wohnen für Hilfe“, bei dem Studierende für Vermieter Aufgaben wie Kinderbetreuung übernehmen, sei noch ausbaufähig.

Wohnen in Hotels: Das Studentenwerk hat außerdem eine Kooperation mit dem Hotel „Am Papenberg“, Nähe Uni-Klinikum, geschlossen. Dort stehen zehn Doppelzimmer für 20 Studierende zur Verfügung. Kosten: 5 Euro pro Übernachtung. Frühstück kostet extra. Die Vergabe erfolgt über das Servicebüro des Göttinger Studentenwerks, Platz der Göttinger Sieben, Uni-Zentral-Campus.

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