Ehrgeizige Klimaschutzziele

Studentenwerk Göttingen: „Turm-Mensa“ ist ab Montag vegan-vegetarisch

Riesenfreude, dass es wieder lost geht: Das Team der Mensa am Turm ist bereit und hat das Speiseprogramm komplett auf vegan/vegetarisch umgestellt. Von links oben nach unten: Küchenleiter Markus Lanze, Sven Wiechmann, Karola Lappe, Maureen Bührmann, Trinh Bui, Thea Lüdicke, Lilli Nickel, Jennifer Schäfers, Dagmar Schebela, Monika Schneemann und Sven Grote.
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Riesenfreude, dass es wieder lost geht: Das Team der Mensa am Turm ist bereit und hat das Speiseprogramm komplett auf vegan/vegetarisch umgestellt. Von links oben nach unten: Küchenleiter Markus Lanze, Sven Wiechmann, Karola Lappe, Maureen Bührmann, Trinh Bui, Thea Lüdicke, Lilli Nickel, Jennifer Schäfers, Dagmar Schebela, Monika Schneemann und Sven Grote.

Das ist ein historischer Schritt, den das Studentenwerk geht: Als erste Menas in Göttingen wird die Mensa am Turm an der Goßlerstraße rein vegetarische und vegane Speisen anbieten.

Göttingen – Los geht es mit der Wiedereröffnung – unter 2-G-Regeln – nach elfmonatiger Zwangspause am Montag, 18. Oktober. Eingebettet ist dieser Umbruch in einen Klimaschutzplan.

„Da musste ich ganz schön schlucken, als mein Chef sagte, wir werden komplett vegetarisch und vegan“, sagt der Mann so treffend, der für das Speisenangebot und den Betrieb der Mensa am Turm verantwortlich ist: Markus Lanze. Der stammt noch aus der „Fleisch-Generation“ und hat „seiner“ Mensa zu Ansehen verholfen, weil er auch auf hochwertiges Fleisch aus regionaler Erzeugung gesetzt hat. Und das sollte nun auf einmal und Ansage von Studentenwerk-Geschäftsführer Prof. Jörg Magull vorbei sein?

Es ist vorbei, denn nach viel Vorbereitung und dem Umkrempeln des Speisen-Plans durch Markus Lanze und seinen knapp 20 Mitarbeitenden heißt das Konzept in der Mensa am Turm nun „pur/vegan/vegetarisch. Und Lanze, der Freund des guten Fleisches, steht mittlerweile voll dahinter. „Letztlich kommt es doch auf den Geschmack an – und dabei spielen das Würzen und vor allem die guten Saucen eine Hauptrolle.“ So will sich das Team auch die alten Stammgäste nach der langen Pause sichern und neue Mensagänger hinzugewinnen.

„Ich glaube, dass einige neu kommen werden und, dass unser vegan-vegetarisches Angebot einfach in die heutige Zeit passt.“ Eine Vermutung, die sich im positiven Sinne bewahrheiten könnte: Fleischvermeidung auch im Sinne eines klimafreundlichen Verhaltens ist zunehmend angesagt bei jungen Menschen.

Und das wird von den Studentenwerk-Verantwortlichen unterstützt. Denn das Studentenwerk Göttingen hat einen auf mehrere Jahre ausgelegten Plan zur Senkung des CO2-Ausstoßes beschlossen, auf den Weg gebracht und intern kommuniziert“, wie Jörg Magull sagt. Das beinhaltet für die Mensen konkret: Bis 2025 soll die Basis der Menüs vegan sein. „Wir wollen das Angebot von Fleisch, Butter, Käse und Sahne spürbar reduzieren, sowie das Tierwohl im Speisenangebot sichtbar verankern“, sagt Magull. Der Leuchtturm und Vorreiter dabei ist die Mensa am Turm, wo ja ohnehin das Tierwohl wichtig war. „Wir kennen unsere Lieferanten aus der Region, wissen, wie sie ihre Tiere halten und ernähren“, sagt Chef Lanze.

Der führte nun mit den treuen Fleisch-Lieferanten auch Gespräche, wie man für Fleischersatz sorgen könnte. Und siehe da: „Wir werden Ackerbohnen und Erbsen beziehen.“ Daraus lassen sich vegetarische Schnitzel und andere Produkte zaubern.

Ausprobiert, probiert und ausgewählt hat das Mensa-Team bereits. Anregungen für vegan/vegetarische Produkte hat sich Lanze dabei aus den Speisekarten aller Göttinger Mensen geholt. „Es gab ja schon einiges, ich habe das Beste herausgepickt.“

Mensaleiter Lanze jedenfalls ist ein wenig aufgeregt, ob und wie die „neue“ vegan-vegetarische Mensa am Turm angenommen wird. Dennoch: Ihn umschleichen aber ein wenig die Zweifel, vor allem, ob die einstigen Stammgäste, die auch wegen des prima „Strohschwein-Fleisches“ kamen, auch jetzt wieder an der Ausgabetheke stehen werden. „Ich bin gespannt.“ Die so heiß geliebte Currywurst jedenfalls wird es geben, aber als veganes Modell, hergestellt aus Fleischersatz, geliefert vom Strohschwein-Züchter, der genau so offen für Neues war, wie Küchenchef Lanze. Und wie sagte der doch? „Wichtig ist, dass es schmeckt.“ Wenn die Turm-Mensa-Gäste ab Montag nach dem Essen genau dieses Gefühl haben, dann dürften auch die Zweifel des Markus Lanze verflogen sein.

Übrigens: Die Caféteria bleibt zu, dafür wird es mehr Sitzplätze, nämlich 380 geben – und 60 Plätze im Freien. Noch etwas ist neu: Die Gäste können sich nun kostenlos Leitungswasser zapfen. Damit hat das Studentenwerk einen Wunsch der Gäste wahr werden lassen. Einen Überblick über den Speisenplan aller Göttinger Mensen gibt es hier. (Thomas Kopietz)

Hintergrund: Leitungswasser zapfen, Basic-Salat und Premium Rindfleisch als Mensa-Neuigkeiten

Neuigkeiten, ganz im Sinne des Vorhabens Klimaneutralität, gibt es auch in der Zentralmensa, wo es bereits am 4. Oktober, also drei Wochen vor Start des Wintersemesters, losging: Das 2020 von einigen vermisste Salatangebot kehrte zurück – nun als Baukastensystem. Eine Schüssel beinhaltet nun einen fertigen Basic-Salat. Die Gäste wählen einen dieser 450 Gramm „schweren“ Salate an der „Salat-Insel“ samt Toppings und Dressing aus. Auch die Desserts wurden von den Menüs entkoppelt, wie das Studentenwerk mitteilt. Es ist nicht mehr im Menüpreis enthalten, kann aber als Zusatz gewählt werden – zu „gewohnt fairen Preisen“, wie es heißt. Kostenlos und neu ist aber das Zapfen des Leitunswassers an einer Anlage, wie Frank Sager, Abteilungsleiter CampusGastronomie/Zentraleinkauf sagt. Und für die Freunde des Fleisches gibt es gute Nachrichten: Nachdem es seit 2019 „Strohschwein-Qualität“ aus der Region gibt, kommt nun auch das „Leinetaler Premium Rindfleisch hinzu. Ab Anfang November kommt es von einem Hof aus Hohenhameln in die Zentralmensa. Das wiederum passt für Studentenwerk-Chef Jörg Magull passgenau in die Philosophie des Göttinger Studentenwerks: „Unter Berücksichtigung von Regionalität und Saisonalität wird der Fokus künftig noch stärker auf ein qualitativ hochwertiges Speisen- und Getränkeangebot gelegt“, verspricht er. (tko)

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