Gebäude ist marode

Studentenwohnheim Rote Straße in Göttingen: Zoff um Finanzierung der Sanierung

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Die Wohnheime an der Roten Straße: Bewohner und Studentenwerk streiten sich darüber, wer die Kosten für die Sanierung am Ende tragen soll. 

Göttingen. Das Studentenwohnheim Rote Straße in Göttingen muss dringend für etwa 5,5 Millionen Euro saniert werden. Doch wer soll am Ende für die Kosten aufkommen? Darüber ist ein Streit entbrannt –

Hier Fragen und Antworten zu dem Thema.

Warum muss das Wohnheim so dringend saniert werden?

Durch Zufall fielen die massiven Schäden an den Häusern durch einen Wasserschaden vor etwa drei Jahren auf. Dabei wurde festgestellt, dass das Fachwerk zum Teil total marode ist. Außerdem müssen die Versorgungsleitungen im Haus (Wasser, Strom und Abwasser) dringend erneuert werden. Ein Keller ist so marode, dass er abgestützt werden muss. Eine eingehende Untersuchung hat ergeben, dass das Gesamtprojekt etwa 5,5 Millionen Euro kostet. Damit ist die Sanierung der etwa 60 Wohnheimplätze genauso teuer wie ein Neubau, sagt das Studentenwerk.

War das Wohnheim Rote Straße schon einmal saniert worden?

Ja, in den 1970er-Jahren. Damals waren die Räume innen mit Sperrholzplatten saniert worden. Allerdings bildete sich dahinter Feuchtigkeit, was zur Schädigung des Fachwerks führte. Das Haus selbst ist deutlich älter: Es wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gebaut.

Warum gibt es Streit um die Finanzierung?

Das Studentenwerk ist bereit, mehr als fünf Millionen Euro in die Sanierung zu finanzieren. Allerdings bekommt es derzeit dafür keine Unterstützung vom Bund oder Land. Deshalb muss das Projekt hinterher aus Mieten oder aus dem Verkauf des Gebäudes refinanziert werden. Durch die neue Große Koalition auf Landesebene könnte es aber Bewegung bei der Finanzierung geben.

Was sagen die betroffenen Mieter dazu?

Sie stehen auf dem Standpunkt, dass das Studentenwerk dafür aufkommen muss und wehren sich gegen zu hohe Mietsteigerungen beziehungsweise einen aus ihrer Sicht zu hohen Preis bei einem Verkauf. Die fünf Hausnummern an der Roten Straße und eines an der Burgstraße sind als Gesellschaften Bürgerlichen Rechts organisiert, die gegenüber dem Studentenwerk als Mieter auftreten. Wegen des Streits um die Finanzierung haben die Bewohner die Verhandlungen abgebrochen. Sie sagen, dass das Studentenwerk kein großes Interesse am Erhalt des Wohnprojekts hat.

Wie hoch ist die Miete, die derzeit pro Bewohner bezahlt wird?

Die Bewohner selbst sprechen von 200 Euro im Monat. Das Studentenwerk hat eine Brutto-Miete (mit Wasser/Abwasser und Internet) von durchschnittlich knapp 80 Euro monatlich ausgerechnet.

Wie geht es jetzt eigentlich weiter?

Die Sanierung, die mehrere Jahre in Anspruch nehmen wird, muss nach Ansicht des Gutachters schnell beginnen – allerspätestens bis 2020. Um die Meinungsverschiedenheiten zu schlichten, hat das Studentenwerk Göttinger Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler als Vermittler vorgeschlagen. Er will sich mit beiden Seiten zunächst einzeln treffen, um sich ein Bild machen zu können. 

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