Versorgung erfordert lange Transportwege

Studie von Göttinger Wissenschaftlern: Regionale Produkte decken Bedarf nicht

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Prof. Dr. Stefan SiebertLeiter Abteilung Pflanzenbauan der Universität Göttingen

Göttingen – Regional erzeugte Nahrungsmittel können einer aktuellen wissenschaftlichen Studie zufolge noch nicht einmal ein Drittel der Weltbevölkerung ernähren.

Fast überall auf der Erde müssten Nahrungsmittel über große Entfernungen transportiert werden, um die Versorgung der Bevölkerung bei den heutigen Ernährungsgewohnheiten sicherzustellen, sagte der Leiter der Abteilung Pflanzenbau an der Universität Göttingen, Stefan Siebert.

Die Hochschule beteiligt sich an einem internationalen Forschungsverbund unter Leitung der Universität Aalto in Finnland, der Daten zur Produktion und zum Konsum von Nahrungsmitteln ausgewertet hat. Anhand der Analyse soll gezeigt werden, wie hoch der Anteil an regional erzeugten Produkten überhaupt sein kann. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Nature Food erschienen.

Die Wissenschaftler konnten den Angaben zufolge zeigen, dass bei den Feldfrüchten je nach untersuchter Art elf bis 28 Prozent der Weltbevölkerung ihren Bedarf regional in einem Radius von 100 Kilometern decken könnten. Dagegen betrage für 26 bis 64 Prozent der Weltbevölkerung die Entfernung zum Ort der Nahrungsmittelproduktion mehr als 1000 Kilometer.

Den Bedarf an Getreidearten wie Weizen, Gerste oder Hafer könnte die Hälfte aller Menschen durch Transporte mit einer Entfernung von weniger als 900 Kilometern decken, hieß es. Für ein Viertel der Weltbevölkerung betrage die Entfernung mehr als 5200 Kilometer. Beim Mais liege der globale Mittelwert der Entfernung zwischen Produktion und Konsum bei 1300 Kilometern.  ana/pug/epd

Originalveröffentlichung: Pekka Kinnunen et al. Local food crop production can fulfil demand for less than one-third of the population. Nature Food (2020). 

Freie Leseversion: rdcu.be/b3C3K

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