Amtsgericht verurteilte 27-Jährigen wegen Urkundenfälschung zu 600 Euro Geldstrafe

Mit gefälschtem Abi-Zeugnis zum Studienplatz

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Kassel. Weil er mit einem gefälschten Abschlusszeugnis zu einem Studienplatz an der Universität Kassel kam, soll ein 27-Jähriger 600 Euro Geldstrafe zahlen.

Das Kasseler Amtsgericht verurteilte den jungen Mann am Mittwoch wegen Gebrauchs einer unechten Urkunde im Rechtsverkehr zur Zahlung von 60 Tagessätzen à zehn Euro. Der 27-Jährige war bislang nicht vorbestraft.

Der Kasseler hatte die Schule abgebrochen, ohne die Hochschulreife zu erlangen: Zuvor war er im Frühsommer 2012 durch die Abschlussprüfungen einer Fachoberschule im Landkreis Göttingen gerasselt. Er hätte das Schuljahr wiederholen dürfen, brach aber nach einigen Wochen ab.

Schule erstattete Anzeige

Andere Schüler hätten damals berichtet: „Der muss nicht mehr kommen, der studiert“, sagte der Schulleiter gestern als Zeuge aus. Die Schule ging der Sache nach, kontaktierte die Universität, bekam das angebliche Abschlusszeugnis zu sehen – und erstattete schließlich Anzeige.

Ihr ehemaliger Schüler allerdings beteuerte gestern, er habe das gefälschte Zeugnis noch nie gesehen. Er wisse nicht, wer in seinem Namen gehandelt habe – wer eine für die Einschreibung an der Uni nötige Krankenkassenbescheinigung besorgte, wer ein Zeugnis für ihn herstellte und bei der Kasseler Stadtverwaltung eine Kopie davon beglaubigen ließ. Er könne auch nicht sagen, wer ein Interesse an solchem Tun haben könnte: „Ich würde es selbst gern wissen.“

Er selbst habe sich lediglich online um einen Studienplatz beworben, noch bevor die Schulprüfungen vorbei waren, erklärte der 27-Jährige dem Gericht. Dann aber habe er die Sache nicht weiter verfolgt.

Eines Tages, kurz vor Semester-Start habe ihn die Universität telefonisch darüber informiert, dass er einen Studienplatz habe. „Ich war total baff“, beschrieb der 27-Jährige. Die Freude sei so groß gewesen, dass er das Studium angetreten habe.

Verteidiger wollte Freispruch

Während die Verteidigung gestern Freispruch forderte, kommentierte der Vertreter der Staatsanwaltschaft die Einlassung des Angeklagten schon früh mit: „Das glaubt Ihnen kein Mensch.“ Für unglaubwürdig hielt dann auch die Richterin das Ganze.

Der Schulleiter der betroffenen Schule sagte am Rande der Verhandlung, er wünsche sich dass solche Fälle mehr publik gemacht würden: „Damit die zukünftige Generation weiß, was sie erwartet – und solche Taten nicht begeht.“ Die Schule versuche alles, um jungen Leuten einen Schulabschluss zu ermöglichen, betonte er. Leider sei der jetzt verhandelte Fall schon der zweite, in dem jemand versucht habe, ein Zeugnis der Schule zu fälschen.

Von Katja Schmidt

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