Neues Praxis-Seminar für Studenten

Zum Studieren für drei Tage ins Kittchen

Göttingen/Oldenburg. Studieren mit Praxisbezug: Teilnehmer eines Seminars zum Strafvollzug an der Universität Göttingen lernen in dieser Woche den Alltag in einem deutschen Gefängnis kennen.

Antreten im Gefängnis: Drei Tage lange studieren Nathalie Bilz und Christoph Pahl (2.v.l.) im Gefängnis. Sie wurden von Dienstleiter Thomas Gerdes (Mitte), Prof. Dr. Jörg-Martin Jehle (2.v.r.), dem Leiter Fakultät für Kriminologie/Strafvollzug der Universität Göttingen, sowie Gerd Koop, dem Chef des Justizvollzugsanstalt Oldenburg, begrüßt.

Drei Tage und Nächte verbringen die 15 Studierenden gemeinsam mit ihrem Seminarleiter Prof. Dr. Jörg-Martin Jehle in der knapp 160 Jahre alten Abteilung „Gerichtsstraße“ der Justizvollzugsanstalt Oldenburg.

Die Abteilung wird seit März nicht mehr belegt, ist jedoch unverändert: Die Studierenden bekommen sechs bis acht Quadratmeter große Zellen zugewiesen, erhalten dieselbe Ausstattung und – für einen Tagessatz von fünf Euro – dasselbe Essen wie die Gefangenen vor ihnen.

Sie schlafen in den Original-Betten und benutzen dieselben Waschräume – jeweils 30 Personen teilen sich einen Duschraum mit drei Duschen. Um 22 Uhr ist „Nachteinschluss“. Alkohol, Handys und das Rauchen sind während des Aufenthaltes verboten.

Erste Veranstaltung

Die Veranstaltung „Jurastudium hinter Gittern“ ist die erste dieser Art in einem deutschen Gefängnis. Ziel ist es, den künftigen Richtern, Staatsanwälten und Strafverteidigern das Leben und die Arbeit „hinter Gittern“ näher zu bringen und sie spüren zu lassen, wie es sich anfühlt, eingesperrt zu sein.

Zum Aufenthalt gehört auch ein Besuch der neuen Justizvollzugsanstalt Oldenburg an der Cloppenburger Straße, einem modernen Gefängnis der höchsten Sicherheitsstufe, sowie der Kontakt zu Inhaftierten. Insgesamt rund 80 Studenten der Universitäten Göttingen, Münster, Hamburg und Greifswald an dem Projekt teil. (bsc)

Rubriklistenbild: © dpa

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