Der Videoclip soll genau 99 Sekunden dauern

99 Stunden Zeit: Göttinger bei Kurzfilmwettbewerb

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In seinem Studio: Thomas Klawunn dreht zu Hause eigene Filme. Im Hintergrund ist eine weiße Wand zu erkennen, die auch in seinem neuen Kurzfilm „Auf Draht“ auftaucht. 

Göttingen. Der Göttinger Thomas Klawunn nimmt zum dritten Mal am Kurzfilmwettbewerb "99Fire-FIlms" teil. Klawunn muss einen Videoclip produzieren, der exakt 99 Sekunden dauert - und hat dafür nur 99 Stunden Zeit.

Mitten in der großen, hohen Halle steht eine weiße Wand. Um sie herum reihen sich Lampen, Stative und Kameras. In der einen Ecke hängen Kostüme, in der anderen liegen unmengen technischer Geräte. Was zunächst nach dem Equipment eines etablierten Fernsehstudios klingt, ist das Set von Thomas Klawunn. Doch auch die Filmproduktionen des Göttingers können sich sehen lassen. Der Industrie- und Werbefotograf nimmt dieses Jahr zum dritten Mal am Kurzfilmwettbewerb „99Fire-Films“ teil - dabei hat die Sache mit dem Filmen eigentlich relativ spontan begonnen.

„Ich sammle und liebe einfach Filme“, sagt der 53-Jährige. „Als ich beruflich bei einem Filmprojekt hinter den Kulissen fotografiert habe, dachte ich mir: ‘Ich könnte ja auch mal versuchen, etwas zu filmen’“. Kurzerhand zückte er seine Kamera und drehte erste kleinere Filme. Klawunn knüpfte Kontakte zum Göttinger Filmnetzwerk und gewann 2014 den Kulturpreis des Landkreises Göttingen. „Dann wurde ich auf den Filmwettbewerb ‘99 Fires’ aufmerksam und nahm daran teil“.

2016 auf Platz 25

2015 erreichte sein Film „How to beat your brother“ Platz 65 - bei über 3000 Konkurrenten. Im vergangenen Jahr konnte Klawunn sich mit dem Kurzfilm „Der Clown“ sogar auf Platz 25 hieven. „Aber ich setze mir kein Ziel. Ich warte das Urteil der Jury und des Publikums ab und freue mich einfach, wenn ich wieder eine so gute Platzierung erreichen sollte“, sagt er. „Bei den vielen guten Teilnehmern ist es nicht immer einfach“.

„Auf Draht“ heißt der Film, den Klawunn in diesem Jahr als Beitrag zum Wettbewerb eingereicht hat.

„Die Zeit ist die große Herausforderung“

„Für den 99-sekündigen Film hatte er genau 99 Stunden Zeit, ihn zu drehen. Das Motto „Da gibt’s doch was...“ und die Aufgabe, eine Person oder einen Gegenstand doppelt erscheinen zu lassen, wurden am Donnerstag vergangener Woche um Punkt 10 Uhr bekanntgegeben. „Dann ging die Arbeit auch sofort los, denn die Zeit ist der große Gegner“, berichtet Klawunn.

Am ersten Tag wurde die Idee gesucht. „Ein guter Film steht und fällt mit einer guten Idee“, sagt Klawunn. Danach begannen die Dreharbeiten. Spätestens Samstagabend, also zwei Tage nach dem Startschuss, sollte alles im Kasten sein, ehe dann die letzten Schliffe getätigt werden. „Da kann es schonmal hektisch werden“.

Einsam beim Stricken: Die Hauptdarstellerin soll auf das Problem der zunehmenden Anonymisierung hinweisen.

Klawunn setzt bei seinem Film auf starke Bilder. „Meine Filme haben selten lange Dialoge. Ich will meine Geschichten mit starken Bildern erzählen“. „Auf Draht“ handelt von einer alten Dame, die sichtlich einsam ist. Sie stößt auf ein junges Pärchen, dem sie aus einer prekären Lage hilft.

Die Schauspieler und Mitwirkenden waren größtenteils Bekannte oder Verwandte von Thomas Klawunn. „Es hat allen viel Spaß bereitet“. Gedreht wurde vor der Haustür und natürlich im eingangs erwähntem Studio. „Nach den Dreharbeiten haben wir uns vergangenes Jahr die besten 99 Filme des Wettbewerbs nacheinander angesehen - die dreieinhalb Stunden haben sich gelohnt“, erzählt er.

YouTube-Kanal 

Klawunn kann die Teilnahme am „99Fire-Films-Festival“ jedem empfehlen. Auch Laien haben, mit ein wenig Vorbereitung und der nötigen Begeisterung, gute Chancen. „Man kommt nicht weiter, wenn man nichts probiert“. Weitere Informationen zum Festival sind im Internet unter www.99fire-films.de zu finden. Die Beiträge von Thomas Klawunn aus den Vorjahren finden sich auf seinem YouTube-Kanal Studio Thomas Klawunn.

Hintergrund: Die Abstimmung beginnt nächste Woche 

Der „99Fire-Films-Award“ ist ein Kurzfilm-Wettbewerb, der seit 2009 stattfindet. Die Teilnehmer müssen innerhalb von 99 Stunden einen Kurzfilm produzieren, der genau 99 Sekunden dauert. Das jeweilige Thema sowie eine spezielle Aufgabe werden bei Beginn des Wettbewerbs bekannt gegeben. Eine Jury aus Schauspielern, Produzenten und anderen Filmschaffenden kürt die Sieger in den vier Kategorien beste Idee, bester FIlm, beste Kamera und Publikumspreis. Das Preisgeld für den besten Film beträgt 9999 Euro. Teilnehmen kann jeder, der in Deutschland, Österreich oder der Schweiz wohnt und 18 Jahre alt ist. Der diesjährige Wettbewerb endete am vergangenen Montag um Punkt 13 Uhr. Am Donnerstag, 9. Februar, startet das Publikumsvoting. Alle Filme können angesehen werden und die Zuschauer stimmen für ihren Favoriten ab. Das Voting findet auf der Internetseite des Awards, www.99fire-films.de, statt. Dort sind auch weitere Informationen zur Jury und den Teilnahmebedingungen zu finden.

Der Kurzfilm "How to beat your Brother" von 2015

Der Kurzfilm "Der Clown" von 2016

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