Protesttag der Landwirte

Landwirte protestieren: Sie fahren mit dem Traktor bis nach Hannover 

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Machen auf die Probleme vieler Landwrte aufmerksam: (von links) Ulrich Jerebic aus Langenholtensen, Christian Frohme aus Hollenstedt, Henning Timmermann aus Güntersen und Arne Röttcher aus Lagershausen.

Um auf ihre Nöte aufmerksam zu machen, nehmen 150 Landwirte aus Südniedersachsen am Protesttag in Hannover teil. Wir haben mit vier Betroffenen gesprochen.

„Wir haben Angst, dass das Agrarpaket der Bundesregierung zu stark in unsere Betriebe eingreift“, sagt Ulrich Jerebic aus Langenholtensen bei Northeim. Er ist Mitglied des Landesorganisationsteams Niedersachsen von „Land schafft Verbindung“, die den Aktionstag- und Protesttag am Dienstag organisiert.

Thema Düngen

Ein Riesenproblem, das das Fass zum Überlaufen brachte, sind die aus seiner Sicht angedachten Änderungen bei den Verordnungen für die Düngemittel. „Wir sollen den Pflanzen deutlich weniger Dünger geben. Das wird unserem Boden langfristig schaden“, befürchtet der 35-Jährige, der seit acht Jahren einen Familienhof führt.

Der Landwirt erklärt: Er bringe so viel Nährstoffe auf Äcker und Felder, wie sie die Pflanzen zum Wachstum brauchen. Achim Hübner, Geschäftsführer des Landvolk-Kreisverbandes Göttingen, ergänzt: Die Landwirte verfügen über das notwendige Wissen und Können, um genau die richtige Menge Nährstoffe auf den Acker zu bringen.

Weniger Ertrag

„Viele Menschen kämpfen mit Übergewicht. Wir sollen unsere Pflanzen hungern lassen“, bringt Christian Frohme aus Hollenstedt bei Northeim seine Kritik auf den Punkt. Er befürchtet, dass neben den langfristigen Bodenschäden auch die Erträge und die Qualitäten der Feldfrüchte deutlich nach unten gehen.

„Beim Weizenanbau können wir wahrscheinlich nur noch Futterweizen erzeugen. Bislang haben wir oft Brotgetreide vom Feld geerntet.“

Angespannte Lage

Arne Röttcher aus Lagershausen bei Northeim geht auf die wirtschaftliche Situation vieler Landwirte ein: „Die Lage bei den Betrieben ist inzwischen so stark angespannt, dass wir auf jeden Cent bei den Einnahmen angewiesen sind.“ Ein weiteres Problem: Zwei Drittel der landwirtschaftlichen Flächen werden von den Bauern in der Regel gepachtet.

„Die Verpächter wollen aber trotz sinkender Erträge weiter den vollen Pachtzins.“ Landvolk-Geschäftsführer Hübner erklärt die Situation an einem Beispiel: „Das wäre so, als ob die Regierung anordnen würde, dass von Wohnräumen zehn Prozent der Fläche nicht mehr genutzt werden dürfen – allerdings ohne Mietminderung.“

Schlechte Bezahlung

Landwirt Jerebic macht deutlich, dass die Landwirte schon jetzt das liefern, was die Verbraucher wollen: In den Supermärkten sind immer bessere Qualitäten gefragt. „Wir erzeugen so gute Lebensmittel, wie es sie in den vergangenen Jahrzehnten nicht gab“, stellt Henning Timmermann aus Güntersen bei Adelebsen klar.

„Deshalb ist es für mich unverständlich, dass die Verbraucher so unzufrieden sind.“ Insbesondere sind die Landwirte unzufrieden, dass viele Verbraucher nicht bereit sind, mehr für gute Lebensmittel auszugeben.

Landwirte haben die "Schnauze voll"

In den Landkreisen Göttingen und Northeim gibt es aktuell etwa 2000 landwirtschaftliche Betriebe, davon die Hälfte im Nebenerwerb. „Viele Betriebsinhaber haben einfach die Schauze voll, weil immer wieder neue Auflagen und Restriktionen hinzu kommen, die die unternehmerische Freiheit einschränken. Es gibt keine Verlässlichkeit in der Politik“, sagt der Göttinger Landvolk-Geschäftsführer Achim Hübner.

Weiterer Ärger: „Wir sollen immer höhere Standards im Stall und auf dem Acker erfüllen. Gleichzeitig schließt die EU ein Freihandelsabkommen mit Südamerika, wo wir Pflanzenschutzmittelreste von Mitteln akzeptieren, die bei uns seit 30 Jahren verboten sind“, sagt Hübner

150 Traktoren fahren nach Hannover

Der Aktionstag wird von der Basisinitiative „Land schafft Verbindung“ organisiert – eine reine Bauerninitiative ohne Partei- oder Verbandshintergrund. Die zentrale Veranstaltung findet am Dienstag in Bonn statt. Zu einer dezentralen Aktion am Maschseeufer in Hannover fahren 150 Traktoren aus Südniedersachsen. Start ist um 5 Uhr an der Rosdorfer Biogasanlage.

Per Polizeieskorte geht es von dort in die Landeshauptstadt. Deutschlandweit sind bei der Protestaktion über das Internet mehr als 100.000 Unterstützer dabei, allein über 700 aus Südniedersachsen. Das Landvolk unterstützt die Aktion in der Region organisatorisch.

Einschränkungen beim Pflanzenschutz

Das Agrarpaket der Bundesregierung sieht verschiedene Maßnahmen vor – insbesondere für den Insektenschutz. Enthalten ist ein nationales Verbot des umstrittenen Pflanzenschutzmittels Glyphosat ab Ende 2023 und eine Verringerung des Einsatzes dieses Mittels bereits ab 2020. Außerdem geht es um weitere Einschränkungen bei Pflanzenschutzmitteln.

In Südniedersachsen stören sich viele Landwirte massiv an den möglichen Beschränkungen beim Düngen. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hatte auf Drängen der EU-Kommission weitere Verschärfungen der Düngeregeln zum Schutz des Grundwassers vorgeschlagen. mit dpa

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