Corona-Krise

Superintendent Friedrich Selter: Viele Angebote der Kirche im Netz

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Blick vom Göttinger Stadtwall über Dächer auf die Türme der Johanniskirche, Jacobikirche und St. Michael.

Ein Osterfest ohne Gottesdienste in den Kirchen. Das wurde in der Corona-Krise Realität.

Doch es gab alternative Angebote. Wir sprachen dazu mit Friedrich Selter, Superintendent des Kirchenkreises Göttingen.

Was machen die Pastoren im Kirchenkreis, um den Gläubigen nahe zu sein?

Die Pastorinnen und Pastoren sind unheimlich aktiv. Das gilt auch für viele Ehrenamtliche. Wir haben ganz tolle Beispiele von Angeboten, die ins Netz gestellt werden. Da gibt es Kinder- und Familiengottesdienste, aber auch ganz klassische Gottesdienste und kurze Andachten. Wir versuchen, alle Angebote im Internet zu bündeln. Vor allem nutzen viele Gemeinden ihre eigenen Internet-Seiten, die über den Kirchenkreis zu finden sind.

Wie hätten Sie normalerweise das Osterfest verbracht?

Normalerweise hätte ich von Gründonnerstag bis Ostermontag ein halbes Dutzend Gottesdienste gefeiert. Am Ostersonntag wollte ich eigentlich nach dem Gottesdienst in der Göttinger St. Johannis-Gemeinde am Osterfrühstück teilnehmen. Aber alles musste abgesagt werden – und es ist ja auch vernünftig so. An den beiden Osterfesttagen habe ich zuhause Andachten gefeiert. 

Gottesdienste in Kirchen sind tabu. Wie kann man in den eigenen vier Wänden Gottesdienst feiern?

Dazu gibt es mehrere Möglichkeiten: Man kann lokale Internet-Angebote nutzen. Das ist vor allen interessant, wenn man einen Bezug zum eigenen Pastor sucht. Darüber hinaus gibt es sehr festlich gestaltete Fernsehgottesdienste, die eine Hochkonjunktur erleben. Und schließlich verteilen viele Gemeinden an alle Haushalte liebevoll gestaltete Osterbriefe mit Texten und Gebeten, teilweise auch vollständigen Andachten an ihre Mitglieder.

Gibt es Rituale der Kirche, die man in den Alltag mit Homeoffice einbauen kann?

Die Landeskirche hat im Internet und den Hashtag #kirchezuhause Ideen und Angebote zusammengestellt, wie man in den eigenen vier Wänden einen Gottesdienst oder eine Andacht gestalten kann. Außerdem kann sich ein Blick in das Gesangbuch lohnen. Auch dort sind komplette Andachten und Gottesdienst zu finden – zum Beispiel eine Taizé-Andacht. Übrigens hat unser Gesangbuch vor einigen Jahren seinen Namen gewechselt: Es heißt nicht mehr Evangelisches Kirchengesangbuch, sondern einfach Evangelisches Gesangbuch, weil es auch Zuhause benutzt werden kann und soll.

Welche Möglichkeiten gibt es noch?

Es lohnt sich auch, auf die Kirchenglocken zu hören. Sie läuten von vielen Gotteshäusern um 8 Uhr, um 12 Uhr und um 18 Uhr. Die Glocken laden mitten im Alltag zum Innehalten und zum Gebet ein.

Wird die Corona-Krise die Kirche dauerhaft verändern?

Ich glaube, dass die digitalen Angebote, die wir in den vergangenen Wochen in ganz kurzer Zeit entwickelt haben, noch weiterentwickelt werden. Wir haben als Kirche in diesem Bereich noch Nachholbedarf, aber sind durch die aktuellen Erfahrungen auf einem guten Weg. Wir werden auf unseren neuen Social Media-Kanälen mit Facebook und Instagram deutlich stärker als bisher wahrgenommen – auch von neuen Zielgruppen. Seitdem die Kirchengebäude geschlossen sind, ist Kirche in gewisser Weise öffentlicher geworden. Trotzdem freuen wir uns auf die Zeit, wenn wir wieder mit der Gemeinde Gottesdienst feiern können. Wir merken in diesen Tagen auch, wie viele danach fragen, wann das endlich wieder möglich ist.

Zur Person: Friedrich Selter

Friedrich Selter (57) ist seit 2009 Superintendent des 70 000 Mitglieder zählenden Kirchenkreises Göttingen, der von Friedland bis nach Nörten-Hardenberg und von Seeburg bis nach Adelebsen reicht.

Nach dem Theologiestudium in Wuppertal und Göttingen war Selter 17 Jahre lang Pastor in Wuppertal-Elberfeld. Er ist verheiratet und hat drei erwachsene Töchter.

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