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Drehort-Initiative arbeitet weiter an der Filmlandschaft Göttingen

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Von: Thomas Kopietz

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Drehorte Filmstadt Göttingen, Atelier: Häufig wurde am Bahnhof in Göttingen gedreht. Hier bei den Arbeiten zum Film „Ohne Mutter geht es nicht“. Regie führte der spätere „Kommissar“-Darsteller Erik Ode – er ist unterhalb des Scheinwerfers zu sehen.
Drehorte Filmstadt Göttingen, Atelier: Häufig wurde am Bahnhof in Göttingen gedreht. Hier bei den Arbeiten zum Film „Ohne Mutter geht es nicht“. Regie führte der spätere „Kommissar“-Darsteller Erik Ode – er ist unterhalb des Scheinwerfers zu sehen. © Städtisches Museum Göttingen/nh

Das Filmbüro Göttingen und seine Drehort-Initiative arbeiten seit drei Jahren intensiv daran, Stadt und Region wieder als Filmzentrum zu etablieren. Interview mit Sven Schreivogel.

Göttingen – Wie Sven Schreivogel sagt, gehe es aber nicht darum, dass hier künftig ein Dutzend Kinofilme pro Jahr gedreht werden, sondern um eine professionelle Vermarktung als Drehort fürs Fernsehen. Gespräche mit Produzenten, Regisseuren und Autoren sind vielversprechend verlaufen. Die Zukunft liege in TV-Produktionen, sagt Schreivogel im Interview.

Drehort Bad Sooden-Allendorf: Dort drehte das Filmatelier Göttingen „Es kommt ein Tag“.
Drehort Bad Sooden-Allendorf: Dort drehte das Filmatelier Göttingen „Es kommt ein Tag“. © Archiv Schreivogel/nh

Herr Schreivogel, was macht die Region als Drehort interessant?

Architektonisch bietet die Stadt viele markante Drehorte. Alle sind auf kurzen Wegen erreichbar. Vorteilhaft ist auch die Lage mitten in Deutschland.

Was spricht dagegen?

Natürlich gibt es auch das Argument, dass Göttingen zu weit weg von größeren Filmzentren liege. Lüneburg mit „Rote Rosen“ oder Lübeck mit „Morden im Norden“ sind näher dran an der Filmmetropole Hamburg. Ähnliches gilt für Heidelberg durch die Nähe zur Filmregion Rhein-Main. Nicht wenige TV-Serien werden aber auch an Schauplätzen gedreht, die genau so weit oder noch weiter weg liegen als Göttingen. Kurzum: Es geht also, wenn ein Sender will.

Was zeichnet denn generell eine Filmstadt aus?

Wer Filmstadt schreibt, meint oft Orte, an denen gedreht wird. Zu einer Filmstadt im eigentlichen Sinn gehört aber die passende Infrastruktur. In Göttingen gab es das Atelier inklusive Kopierwerk, ein Gästehaus, Produktions- und Verleihfirmen, Spielfilm-, Dokumentarfilm- und Trickfilmproduktion, nicht zuletzt das Institut für den Wissenschaftlichen Film und das renommierte Deutsche Theater unter Intendant Heinz Hilpert. Das waren wichtige Standort-Faktoren.

Als Göttingen noch das „Hollywood an der Leine“ war, wurde in der ganzen Region gedreht. Welche Orte kommen in Ihr Drehort-Kataster?

Der in Arbeit befindliche Location Guide umfasst auch Drehorte im Göttinger Umland. Die Region bietet eine Fülle an geeigneten Motiven - viele kleinere Städte mit „Filmerfahrung“ wie Einbeck oder Hann. Münden, Gutshöfe, Burgen und Schlösser. Nicht weit entfernt liegt der Solling, der „kleine Bruder des Harzes“, wo bereits Aufnahmen für „Königliche Hoheit“ und Dieter Wedels TV-Mehrteiler „Der große Bellheim“ entstanden sind. Nicht zu vergessen das Eichsfeld, die „Toskana des Nordens“. Mitunter ist die Umgebung Göttingens sogar manch englischer Landschaft nicht unähnlich. Eine Krimiserie im ländlichen Raum wie „Inspector Barnaby“ wäre hier denkbar. Die Aktivitäten unserer Drehort-Initiative machen nicht an der Stadtgrenze Göttingens Halt, nicht einmal an der Kreisgrenze. Ganz Südniedersachsen ist eine historische Filmregion, die wir wieder wachküssen wollen. Das gilt auch für die Landkreise Northeim und Holzminden. Und auch für den benachbarten Werra-Meißner-Kreis in Nordhessen, beispielsweise mit Bad Sooden-Allendorf als einstiger Drehort für die Spielfilme „Es kommt ein Tag“ und „Der Willi-Busch-Report“.

Um welche Inhalte geht es bei der Stoffentwicklung?

Bei den Projekten handelt es sich insbesondere um Göttingen-Typisches, Stoffe, die hiesige Geschichte und Geschichten miteinbeziehen, die nur hier umsetzbar sind, zwei Liebeskomödien und eine Krimiserie.

Wird die Drehort-Initiative beachtet? Gibt es bereits Reaktionen aus der „Film- und Fernsehindustrie“?

Tatsächlich werden wir schon jetzt von Filmemachern und Location Scouts angefragt. Diese Anfragen kommen weitestgehend von außerhalb. Wir werden wie eine Agentur für Drehort-Vermittlung und als Ansprechpartner vor Ort wahrgenommen.

Nennen Sie ein Beispiel …

Für ein Biopic über Hans Albers sollte in Göttingen eine Straßenszene im Berlin der 1930er Jahre gedreht werden. Letztlich fiel die Wahl aber auf Bremen. Oder der im Harzvorland angesiedelte Kurzspielfilm „Janine zieht aufs Land“ des Regisseurs Jan Eilhardt. Wiederholt wird gefragt, ob wir ein Studio anbieten könnten, was wir derzeit verneinen müssen.

Sie sagen derzeit. Göttingen hat eine große Atelier-Vergangenheit von Ende der 40er- bis Anfang der 60er-Jahre. Ist so etwas wieder absehbar?

Noch nicht. Umso dankbarer sind wir, dass die Zufall Logistics Group uns unterstützt, gegebenenfalls schnell und unbürokratisch eine ihrer Speditionshallen als Ersatzatelier bereitstellen würde. Infrastrukturell hätte sich auch das einstige IWF in unser Konzept einbinden lassen. Dort war alles vorhanden: Kamera-, Licht- und Tontechnik, Postproduktion, eine kleine Atelierhalle und erfahrenes Personal. All diese Dinge müssen jetzt mühevoll wieder aufgebaut werden!

Zur Person

Sven Schreivogel, Jahrgang 1972, machte das Abitur in Göttingen, absolviert dann neben seiner Arbeit als Journalist und Schriftsteller auch eine Schauspielausbildung beil Gilles Tschudi in Göttingen und eine Ausbildung zum Filmemacher an der Kaskeline-Film-Akademie in Berlin. Er ist Gründer des Filmbüro Göttingen, arbeitet an einer Dauerausstellung zur Filmstadt Göttingen und versucht intensiv, die Region wieder als Drehort zu etablieren. Schreivogel wohnt in Neu-Eichenberg, ist ledig und hat einen Sohn.

(Thomas Kopietz)

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