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Täter sprengen immer mehr Geldautomaten: Justiz bündelt Ermittlungen

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Von: Bernd Schlegel

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Ein zerstörter Geldautomat in der Göttinger Südstadt, der im März 2021 gesprengt worden war. Das Sprengen von Geldautomaten gehört nicht dem Feld Organisierte Kriminalität an. (Archivfoto)
Ein zerstörter Geldautomat in der Göttinger Südstadt, der im März 2021 gesprengt worden war. (Archivfoto) © Stefan Rampfel

Hochspezialisierte Täter sind auf die Scheine in Geldautomaten scharf und sprengen die Geräte. Die Justiz hat deshalb nun eine Zentralstelle zur Bekämpfung der Straftaten gegründet.

Göttingen/Osnabrück – Diese spektakulären Taten sorgen häufig für Schlagzeilen. Die Zahl der Sprengungen von Geldautomaten hat sich in Niedersachsen innerhalb weniger Jahre praktisch verdoppelt – von 30 im Jahr 2015 auf 55 im vergangenen Jahr. In diesem Jahr wurden bereits noch mehr Fälle registriert.

Neue Zentralstelle bearbeitet alle Geldautomaten-Sprengungen in Niedersachsen

Nun nimmt eine Zentralstelle bei der Staatsanwaltschaft in Osnabrück die Täter für das gesamte Bundesland ins Visier. Erst in der Nacht zum Donnerstag, 1. Dezember, wurde auf einem Supermarkt-Parkplatz in Hameln ein Automat gesprengt.

Der Ablauf ist fast immer gleich: Die Täter kommen in der Regel weit nach Mitternacht. Dann dauert es nur wenige Minuten bis es knallt. Anschließend rasen die Verbrecher mit schnellen Wagen, die weit über Tempo 200 erreichen können, in die Nacht und sind spurlos verschwunden, wie Zeugen berichten. Fälle dieser Art gab es in den vergangenen Jahren auch in Südniedersachsen, darunter auch in Göttingen.

Sechsstellige Bargeldsumme in den Geldautomaten

Die Beute lohnt sich. Nach Angaben von Experten steckt in der Regel eine sechsstellige Summe in den Geräten. Die Spur der Täter führt nach Medienveröffentlichungen oftmals in die Niederlande.

Täter von dort kommen für Sprengungen nach Deutschland, denn im Nachbarland wird es den Verbrechern inzwischen schwerer gemacht. Dort ist es üblich, dass Farbpatronen in den Automaten verbaut sind, die die Geldscheine bei einer Sprengung einfärben und somit wertlos machen sollen. In Deutschland ist das bislang noch nicht so weit verbreitet. Es gibt außerdem bereits Automaten, die Gas, das die Täter zum Sprengen in die Geräte einleiten, unbrauchbar machen können.

Hoher Schaden bei Beutezügen

Die Schäden, den die Unbekannten bei ihren Beutezügen in Niedersachsen hinterlassen, sind zum Teil immens. Die Wucht der Detonationen hat in den vergangenen Jahren zugenommen, um eine stärkere Panzerung der Automaten überwinden zu können. Dazu kommen nach Angaben von hessischen Ermittlern auch Festsprengstoffe zum Einsatz.

Die Folge: An Gebäuden und Einrichtungen, an denen die Geldautomaten zu finden sind, gibt es zum Teil Schäden in Millionenhöhe. Und: Die Automaten, von denen nach einer Explosion in der Regel nicht mehr viel übrig bleibt, kosten einen fünfstelligen Betrag.

Justiz reagiert auf gefährlichen Trend

Die neue Ermittler-Einheit in Osnabrück ist ab sofort zuständig für alle Fälle von Geldautomaten-Sprengungen in ganz Niedersachsen. Damit reagiert die Justiz auf die immer häufiger vorkommenden und immer gefährlicher werdenden Sprengungen.

„Die Sprengungen von Geldautomaten gehören zu den gemeingefährlichsten Taten unserer Zeit“, sagte dazu die frühere Justizministerin Barbara Havliza (CDU) bei der Vorstellung der Zentralstelle Anfang November. Aus ihrer Sicht grenzt es an ein Wunder, dass die immer wuchtigeren Explosionen noch zu keinem Unglück geführt haben. „Um die Täter zu fassen, müssen unsere Strafverfolger jetzt ihre Kräfte bündeln. Wir brauchen kompetente, gut vernetzte und hoch motivierte Ermittlungseinheiten, die ohne Weiteres in der Lage sind große Verfahren aus dem Bereich der Bandenkriminalität zu bearbeiten“, sagte Barbara Havliza.

Täter reisen häufig aus den Niederlanden ein

Da die Täter nach Angaben der früheren Ministerin häufig aus den Niederlanden einreisen, liege es deshalb auf der Hand, die Ermittlungen wegen der räumlichen Nähe in Osnabrück zu bündeln. Havliza: „Die Staatsanwaltschaft Osnabrück hat zudem in jüngerer Vergangenheit in der Strafverfolgung von Automatensprengern bereits gute Erfolge erzielt.“ (Bernd Schlegel)

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