Nachwuchsförderung nun Teil der Satzung

Tafeln in Niedersachsen brauchen mehr junge Mitarbeiter

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Bei der Mitgliederversammlung der Tafeln aus Niedersachsen und Bremen stellte Monika Jüttner, die stellvertretende Vorsitzende der Tafel Göttingen (links), den Teilnehmern und dem Landesvorstand die Arbeit ihres Vereins vor. 

Den Tafeln in Niedersachsen und Bremen fehlen Mitarbeiter, vor allem junge, um die Nachfrage bei der Lebensmittelversorgung von Bedürftigen befriedigen zu können.

Das ist ein Ergebnis der Gespräch bei der Mitgliederversammlung von 30 Tafeln in Göttingen.

In der Uni-Stadt sind etwa 650 Haushalte mit 950 Personen Kunden der Tafel – Tendenz leicht fallend, sagte Moritz Wiethaup von der Geschäftsleitung der Einrichtung. Damit die Arbeit läuft, engagieren sich 120 Ehrenamtliche für die Göttinger Tafel. Hinzu kommen sechs Personen, die hauptberuflich beschäftigt sind.

„Ich habe Hochachtung vor ihrer Arbeit, denn sie sorgen jeden Tag aufs Neue dafür, dass Menschen, die am Existenzminimum leben, etwas zu essen auf dem Tisch haben“, lobte Göttingens Sozialdezernentin Petra Broistedt das Engagement der 60 Versammlungsteilnehmer und der Tafeln in Göttingen und im ganzen Land.

Tafel ist für viele Menschen überlebenswichtig

Jeder wisse, dass Menschen unverschuldet in Not geraten können und dann das Sozialsystem greifen müsse. „Wir wissen aber auch, dass der Regelsatz im Transferleistungsbezug knapp bemessen ist und in der Regel soziale Teilhabe eher verhindert“, so Broistedt.

„Und dass insbesondere Alleinerziehende, kinderreiche Familien und Familien mit Migrationshintergrund besonders häufig von einem Leben am Existenzminimum betroffen sind und sich gerade Kinder nicht selbst aus einem Leben in Armut befreien können.“ Für viele Menschen sei die Arbeit der Tafeln daher nicht nur wichtig, sondern sogar überlebenswichtig.

Für Göttingen nannte Broistedt zwei Zahlen: Zehn Prozent der Einwohner leben in Transferleistungsbezug und jedes siebte Kind ist von Armut betroffen – insgesamt knapp 3000. „Tatsächlich ist jedes Kind, das in Armut aufwächst, eines zu viel“, betonte die Sozialdezernentin und sprach damit den Anwesenden aus der Seele.

Nachwuchsförderung in Satzung aufgenommen

Diese hatten bei ihrer Mitgliederversammlung mehrere wichtige Themen zu besprechen. Im Mittelpunkt stand dabei die Nachwuchsförderung. „Das ist generell bei allen Tafeln ein großes Problem“, betonte Manfred Jabs, Vorsitzender des Landesverbandes der Tafeln in Niedersachsen und Bremen. Die Göttinger Tafel gehe da mit einer Tafel-Jugend von 35 Aktiven, die mit Aktionen weiter werben, besonders stark und erfolgreich voran.

Um dieses und ähnliche Modelle landesweit zu forcieren, wurde bei der Mitgliederversammlung die Satzung geändert und Jugendförderung als Ziel darin aufgenommen. Darüber hinaus soll künftig ein Jugendvertreter in den Landesvorstand gewählt werden.

Beschlossen wurde ebenfalls die gemeinsame Forderung nach besseren Strukturen bei der Spendensammlung und -verteilung mit Unterstützung durch die Politik - auch in Form von Gesetzen, wie es sie in Frankreich bereits gibt, und mit Verteilzentren.

„Das Problem ist, dass es immer mehr üppige Spenden von Großproduzenten gibt, die aber nicht angenommen werden können, weil zum Beispiel Lager und Kühlhäuser fehlen“, so Jabs. 

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