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Tag des Baumes: Prof. Ammer über die Bedeutung und Beliebtheit der Buche

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Von: Thomas Kopietz

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Wertvoll, häufig und Baum des Jahres 2022: Die Buche ist ein beliebter Baum. Diese Rotbuche fotografierte HNA-Leser Stefan Diederich in Fritzlar. (Schwalm-Eder-Kreis)
Wertvoll, häufig und Baum des Jahres 2022: Die Buche ist ein beliebter Baum. Diese Rotbuche fotografierte HNA-Leser Stefan Diederich in Fritzlar (Schwalm-Eder-Kreis) © Stefan Diederich

Vor 70 Jahren wurde erstmal der Tag des Baumes gefeiert. In diesem Jahr ist es die Buche. Die Buche sei besonders „konkurrenzstark“ und „die Mutter des Waldes“, sagt Prof. Christian Ammer, von der Universität Göttingen.

Göttingen – Die Forstwissenschaften haben in Göttingen eine Tradition – und herausragende Experten und Forscher hervorgebracht. Ein aktueller ist Professor Christian Ammer aus der Abteilung Waldbau und Waldökologie der gemäßigten Zonen der Universität Göttingen. Eine gesteuerte Waldentwicklung zwischen ökonomischer Forstwirtschaft, funktionierenden Ökosystemen, Biodiversität und Herausforderungen in einer Zeit des Klimawandels kennzeichnen heute die Arbeit.

Im Vorfeld des „Tag des Baumes“ in dieser Woche hat sich Christian Ammer zum Thema geäußert – auch über die zum Baum des Jahres 2022 auserkorene Rotbuche. Sie ist die häufigste Laubbaumart in Deutschland.

Die Buche ist für Christian Ammer letztlich die „Mutter des Waldes“, wie er sagt. „Die Buche  ist verantwortlich für vieles von dem, was wir am Wald mögen. Wegen ihrer dichten Kronen ist es in Buchenwäldern im Sommer merklich kühler als in der Umgebung“, sagt der Forstwissenschaftler.

Buchen sind besonders „konkurrenzstark“

Die bis zu 300 Jahre alt werdende Buche sei „konkurrenzstark“, weil sie mit ihrem Kronendach Bäumen anderer Arten das zum Wachsen nötige Licht nehme. Junge Buchen füllten entstehende Waldlücken schnell aus, da sie weniger Licht als andere Bäume zum Gedeihen benötigen.

Doch wie konnte sich die Buche überhaupt in Deutschland und Mitteleuropa durchsetzen? Ammer schildert die Erfolgsgeschichte der Buche: Nach dem Ende der Eiszeit vor etwa 12 000 Jahren habe die Buche zwar lange Zeit Mühe gehabt, sich in den eisfreien Gebieten auszubreiten.

Ein Grund dafür seien ihre schweren Früchte, die Bucheckern, welche der Wind kaum forttrage.

Möbel, Dielenböden und Spielzeuge werden aus Buche gemacht

Vor etwa 4000 Jahren sei es ihr aber dennoch gelungen, die bis dahin vorherrschenden lichten Wälder zu erobern – ja zu dominieren. Denn als Regulativ griff der Mensch ein: Ohne den Menschen wären heute noch 70 bis 80 Prozent der deutschen Landfläche mit Buchen bedeckt, sagt der Göttinger Waldexperte.

Doch auf die Buche trifft der Mensch – auch in Deutschland – nicht nur beim Spaziergang und der Wanderung im Wald, sondern auch bei Möbeln, Dielenböden und selbst bei Spielzeug.

Dafür verantwortlich ist das dichte, schwere und stabile Holz der Baumart. „Wegen seiner kurzen Fasern ist die Splittergefahr gering. Deswegen werden häufig Bauklötzen daraus hergestellt“, erläuterte Ammer.

Prof. Christian Ammer
Prof. Christian Ammer © Privat

Durch Klimaveränderung droht auch den Buchen Unheil

Für die Möbelherstellung sei das rötliche und gut zu biegende Holz etwa auch in China begehrt. Aber auch zu Zellstoff und Textilien würden die Fasern verarbeitet.

Zudem ist Buchenholz ist dank des Heizwertes auch bestens für den Kaminofen geeignet und dementsprechend beliebt.

Doch durch die Klimaveränderung droht auch den Buchen Unheil. Der Baum braucht verhältnismäßig viel Wasser. Und die Trockenperioden von 2018 bis 2020 haben den Buchen zugesetzt – „vielen haben stark gelitten“, berichtet Christian Ammer und macht außerdem deutlich: „Derzeit ist schwer zu sagen, wie sich die Buchenbestände entwickeln, wenn sich solche Trockenereignisse häufen.“

Die Buche ist die Mutter des Waldes.

Prof. Christian Ammer, Universität Göttingen

„Bucheckern enthalten viele gesunde Fette“

Letztlich aber ist Waldexperte Ammer doch optimistisch, auch, weil die Buche durchsetzungsfähig ist. So glaubt er, „dass die Buche eine relevante Art bleiben wird, wenn auch vielleicht nicht überall“. Wohl aber im niederschlagsreichen Harz, der derzeit auch mit Buchen aufgeforstet werde, sei die Prognose günstig.

Und die Buche hält noch etwas Wertvolles für die Menschen nach Wanderungen bereit, es sei denn, sie sammeln sie: „Bucheckern enthalten viel gesundes Fett.“ Wegen ihrer leichten Giftigkeit empfehle es sich, die Frucht zunächst zu erhitzen.

Man könne sie etwa in der Pfanne rösten oder auch gemahlene Bucheckern im Brotteig verarbeiten, rät Christian Ammer, der übrigens seit Oktober vergangenen Jahres auch gewählter Vize-Präsident der Georg-August-Universität Göttingen ist. (Thomas Kopietz)

Tag des Baumes – Bundespräsident Heuss pflanzte vor 70 Jahren erstmals

Die Idee stammt aus den USA und ist dort bereits 150 Jahre alt. „Andere Festtage dienen der Erinnerung, der Tag des Baumes weist in die Zukunft“, hatte der amerikanische Journalist und Farmer Julius Sterling Morton in einer Resolution geschrieben und einen jährlichen „Arbor Day“ in seinem baumarmen Heimatstaat Nebraska gefordert.

In Deutschland wurde der Tag des Baumes erstmals vor 70 Jahren begangen: Am 25. April 1952 pflanzte Bundespräsident Theodor Heuss einen Ahornbaum im Bonner Hofgarten – gemeinsam mit der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald.

Wenige Monate zuvor, am 27. November 1951, hatten die Vereinten Nationen den Tag des Baumes ausgerufen. Er soll die Bedeutung des Waldes für den Menschen und die Wirtschaft im Bewusstsein halten. Anfang der 50er Jahre ging es in Deutschland vor allem darum, gegen den Verlust von zehn Prozent des Waldes vorzugehen. In den ersten Nachkriegsjahren wurde neun bis 15-mal mehr Holz eingeschlagen als nachwachsen konnte.

Schwerpunktthemen sind heute, wie Bäume und Wälder vor dem Klimawandel und den Folgen sowie häufigeren Dürreperioden geschützt werden können.

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