Wirtschaftliche Gründe und alte Technik

Tageblatt-Druckhaus mit 46 Mitarbeitern schließt im Sommer

+
In Turbulenzen: Das Druck- und Verlagshaus Göttinger Tageblatt an der Autobahn A 7 im Stadtteil Groß Ellershausen. Die SPD meldet, dass die Druckerei geschlossen werden soll. Luftbild: Rampfel

Göttingen. Die Maschinen im Druckhaus des Göttinger Tageblatts an der Dransfelder Straße werden Ende Juni stillstehen: Die Madsack-Mediengruppe schließt das Druckhaus.

Das geht aus einer am Donnerstagnachmittag verbreiteten Pressemitteilung des SPD-Stadtverbandes Göttingen hervor, die Tageblatt-Geschäftsführer Uwe Graells auf Anfrage bestätigte.

Es sei eine wirtschaftliche Entscheidung gewesen. Die betagte Druckmaschine hätte für mehrere Millionen Euro erneuert werden müssen. Das rechne sich in einem generell rückläufigen Markt für Druckprodukte und Zeitungen nicht, sagte Graells. 

Zudem musste das Druckhaus Auftragskündigungen verkraften, die Aufträge laufen Mitte des Jahres aus. Die Maschinen sollen dann im Juni stillstehen. Die Zeitungen Göttinger Tageblatt (GT) und Eichsfelder Tageblatt (ET) sowie Anzeigenblätter werden dann in Rodenberg bei Bad Nenndorf gedruckt.

Die SPD fordert nun die Madsack-Mediengruppe auf, ihrer unternehmerischen und sozialen Verantwortung gegenüber den 46 gewerblichen Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen gerecht zu werden. Das bedeute: „Keine Schließung vor einer sicheren sozialverantwortlichen Regelung für die betroffenen Mitarbeiter.“

Tageblatt-Geschäftsführer Uwe Graells sagte, es sei keine leichte Entscheidung gewesen, die Gespräche mit dem Betriebsrat über einen Sozialplan würden unverzüglich aufgenommen. Eventuell könnten auch einige Mitarbeiter in anderen Bereichen des Unternehmens weiterbeschäftigt werden.

Die SPD bedauere die Schließung. Die Partei hält über die Medienbeteiligungsgesellschaft DDVG einen Anteil von rund 23 Prozent am Madsack-Konzern.

Bereits 2015 hatte die Madsack-Mediengruppe im Rahmen der Strategie „Madsack 2018“ angekündigt, das Hauptdruckhaus in Hannover zu schließen. Grund dafür waren ebenfalls wirtschaftliche Gründe. Damals war Madsack vor Ablauf des Vertrages bereits ein Großauftrag verloren gegangen: Regionale Ausgaben der Bild-Zeitung gingen nach Intervention des Axel-Springer-Verlages an zwei Druckhäuser der Ippen-Mediengruppe, auch nach Kassel.

Mit einer Schließung des Göttinger Druckhauses müssen auch die Lokalzeitungen Göttinger und Eichsfelder Tageblatt mit einer verkauften Auflage von zusammen etwa 39.000 Exemplaren am Wochenende und 33.000 an Werktagen bei Oppermann Druck in Rodenberg (Nähe Bad Nenndorf an der A 2) gedruckt werden, ebenso wie Zeitungen der Gruppe, darunter das Flaggschiff Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ), die Neue Presse (NP) und die Hildesheimer Allgemeine Zeitung. Oppermann Druck erweitert in Rodenberg in diesem Jahr mit einem Neubau seine Kapazitäten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.