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Tagung in Göttingen mit Ministerin Birgit Honé: Fachkräftemangel kreativ begegnen

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Von: Michael Caspar

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Ein „Mitarbeiter gesucht“-Aufsteller vor einem Café
Mitarbeiter gesucht: Ob Gastronomie, Handwerk oder auch in der Pflege – Fachkräfte fehlen in allen Bereichen. Wie man sich diesem Problem in der Daseinsvorsorge stellen kann, wurde nun diskutiert. © Jens Büttner/dpa

Mit Strategien gegen den Fachkräftemangel in der Daseinsvorsorge hat sich eine Tagung in Göttingen befasst. Mit dabei: Ministerin Birgit Honé.

Göttingen – Das im November 2019 angelaufene Forschungsprojekt „Gesellschaftlich notwendige Dienstleistungen sicherstellen – Ist Arbeit am Gemeinwohl attraktiv?“ präsentierte erste Ergebnisse im Rahmen einer Tagung in Göttingen, die sich mit dem Fachkräftemangel in der Daseinsvorsorge befasste.

In den kommenden Jahren werden in Deutschland viel mehr Menschen in Ruhestand gehen, als junge Menschen auf den Arbeitsmarkt nachrücken, erklärte Birgit Honé (SPD), Niedersachsens Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten und Regionale Entwicklung.

Ministerin Birgit Honé bei Tagung in Göttingen zum Thema Fachkräftemangel dabei

Der Wettbewerb um Fachkräfte verschärft sich damit. Das fordert die öffentliche Hand, aber auch die Wohlfahrtsverbände und private Anbieter besonders heraus, die im Bereich von Gesundheit und Bildung, Sicherheit und Verwaltung Dienstleistungen erbringen.

Wollen die Arbeit in der Daseinsvorsorge attraktiver machen: Marcel Riethig, Marc Ingo Wolter, Birgit Honé, Berthold Vogel, René Lehweß-Litzmann (v. l.).
Wollen die Arbeit in der Daseinsvorsorge attraktiver machen: Marcel Riethig, Marc Ingo Wolter, Birgit Honé, Berthold Vogel, René Lehweß-Litzmann (v. l.). © Michael Caspar

Maßnahmen, wie sich die Arbeit attraktiver machen lässt, will das Projekt benennen, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird, erläuterte Prof. Berthold Vogel, der Direktor des Soziologischen Forschungsinstituts Göttingen (Sofi). Er leitet das Projekt gemeinsam mit seinem Mitarbeiter, Dr. René Lehweß-Litzmann.

Eine bessere Bezahlung ist ein wichtiger Punkt. Es könne doch nicht sein, so Göttingens Landrat Marcel Riethig (SPD), dass es für das Zusammenschrauben eines Autos mehr Geld gebe als für die Erziehung der Kinder.

In Interviews mit Beschäftigten haben die Forschenden Punkte ausgemacht, die Arbeitnehmern ihre Tätigkeit verleiden, berichtete Projektleiter Lehweß-Litzmann. So beklagen Notfallsanitäter, dass Menschen sie ständig zu Bagatellefällen rufen. Hebammen bekommen von den Krankenkassen kaum Zeit am Wochenbett bezahlt.

Honé: Verbindliche Arbeitszeite für Ärzte oder Einführung einer Vier-Tage-Woche

Stattdessen sitzen sie lange am Schreibtisch, um ihren Dokumentationspflichten nachzukommen. Polizisten leiden unter dem mangelnden Respekt, der ihnen entgegengebracht wird. Für „kreative Lösungen“ machte sich Ministerin Honé stark. Sie regte etwa verbindliche Arbeitszeiten für angestellte Ärzte oder die Einführung der Vier-Tage-Woche an.

Viele Routinetätigkeiten, etwa das Bearbeiten von Bescheiden im Jobcenter, ließen sich durch Einsatz künstlicher Intelligenz erledigen, schlug Landrat Riethig vor.

Dadurch hätten die Kollegen dann Zeit, um sich mit schwierigen Einzelfällen zu beschäftigen. Der Sozialdemokrat sprach sich zudem für Zuwanderung aus.

Er mahnte, eigene Ansprüche herunterzuschrauben. So müsse doch bei gesundheitlichen Problemen nicht in jedem Fall der Arzt kommen. Es könne doch auch wie früher eine Gemeindeschwester sein. Viele weibliche Teilzeitkräfte würden eine volle Stelle annehmen, wenn es eine bessere Kinderbetreuung gebe.

Mehr tun müssten Arbeitgeber, um Menschen mit Beeinträchtigungen in den Arbeitsmarkt zu integrieren, so Riethig. Im ländlichen Raum scheitert die Besetzung von Stellen zum Teil daran, dass Arbeitnehmer aufgrund eines schlechten Öffentlichen Personennahverkehrs ihren Arbeitsplatz nicht erreichen könnten, gab Projektmitarbeiter Dr. Marc Ingo Wolter von der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung zu bedenken.

Zu den Projektpartnern gehören außerdem das Bundesinstitut für Berufsbildung, das Amt für Regionale Landesentwicklung Braunschweig, die Gesundheitsregion Göttingen/Südniedersachsen sowie der Deutsche Caritasverband. (Michael Caspar)

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