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Talsperren laufen nicht leer: Normale Füllstände bei Trinkwasserreservoiren

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Von: Thomas Kopietz

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Im September 2020 war der Füllstand der Okertalsperre bei Schulenberg im Oberharz deutlich geringer als zurzeit. Sie ist der zweitgrößte Stausee und Trinkwasserreservoirs im Harz und kann 46,85 Millionen Kubikmeter Wasser einspeichern.
Im September 2020 war der Füllstand der Okertalsperre bei Schulenberg im Oberharz deutlich geringer als zurzeit. Sie ist der zweitgrößte Stausee und Trinkwasserreservoirs im Harz und kann 46,85 Millionen Kubikmeter Wasser einspeichern. © Swen Pförtner/dpa

Die Talsperren im Harz, die maßgeblich die Trinkwasserversorgung in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sichern, sind trotz der Hitzetagen gut gefüllt.

Göttingen – Trotz Bodentrockenheit und der zuletzt heißen Tage sind die Talsperren gut gefüllt. Das melden sowohl die Harzwasserwerke mit Sitz in Hildesheim, die sechs Talsperren im Westharz betreiben, als auch der Talsperrenbetrieb Sachsen-Anhalt in Blankenburg. So ist die Rappbodetalsperre, einer der größten Trinkwasserspeicher im Harz, zu fast 80 Prozent gefüllt.

Die Trinkwassertalsperren im Westharz sind trotz geringer Niederschläge seit März 2022 zu rund 74 Prozent gefüllt. Dieser Wert liegt nur drei Prozentpunkte unter dem langjährigen Mittel, wie die Harzwasserwerke auf Anfrage melden.

Füllstände fallen beständig

Auf diese Füllungsgrade kommen die sechs großen Talsperren im Westharz nicht, aber die Füllstände von gut 50 Prozent wie bei Innerste- (50,39 Prozent) und Oker-Talsperre (50,71 Prozent) bis hin zu 77,88 Prozent bei der Grane- und 74,93 Prozent bei der Eckertalsperre.

„Das sind normale Füllstände für diese Zeit im Sommer“, sagt Harzwasserwerke-Sprecher Norman Droste. Was für Außenstehende angesichts der regenarmen Wochen und heißen Tage zuletzt erstaunlich klingen mag, erklärt Droste wie folgt: Massive Regenmengen und zwei kleinere Hochwasser im Februar haben die Stauseen der Harzwasserwerke gefüllt.

Autos fahren über die Rappbodetalsperre im Ostharz. Im Vordergrund befindet sich Wasser und ein Schiff.
Stattlich gefüllt: Die Rappbodetalsperre im Ostharz ist das größte Trinkwasserreservoir im Harz, fasst 109 Millionen Kubikmeter. Füllmenge zurzeit: 88 Millionen Kubikmeter, gut 80 Prozent – ein normaler Stand im Juli. © Matthias Bein/dpa

Davon zehre man auch jetzt noch. Aber: Durch die anhaltende Trockenheit im Harz, die warmen Temperaturen und die Verdunstung durch Sonneneinstrahlung, fallen die Füllstände der Talsperren seit dem Frühling beständig, da durch die Niedrigwassererhöhung und die Trinkwasserproduktion beständig Wasser aus den Talsperren abgegeben wird.

Keine Trinkwasserarmut befürchtet

Die Trinkwasser-Situation sei für das Versorgungsgebiet der Harzwasserwerke – auch den Raum Göttingen samt Vorharzgebiet – entspannt, also keinesfalls kritisch. Dennoch schade es nicht, den privaten Wasserbrauch im Blick zu behalten und sparsam zu sein.

„Als Vorversorger rufen wir in Trockenzeiten generell zu einem achtsamen und nachhaltigen Umgang mit der Ressource Trinkwasser auf – erst recht im Sommer, wenn es wie jetzt sehr heiß ist, und der Verbrauch ohnehin höher ist“, sagt Norman Droste.

Ein konkreter Aufruf zum Wassersparen sei aufgrund der aktuell guten Situation an den Talsperren nicht notwendig, da die Trinkwasserversorgung gesichert ist.

Talsperren im Harz und Füllstände

Füllstände Donnerstag, 11 Uhr: Eckertalsperre (13,27 Mio. Kubikmeter), aktuell 9,8 Mio., Füllungsgrad 73,83 Prozent; Grane-Talsperre (46,4) aktuell 36,12, Füllungsgrad 77,88 Prozent; Innerste-Talsperre (19.26) aktuell 9,69, 50,29 Prozent; Oder-Talsperre (30,61) aktuell 17,49; 57,14 Prozent; Oker-Talsperre (46,85), aktuell 23,65, 50,49 Prozent; Söse-Talsperre (25,6) aktuell 14,89, 58,23 Prozent. Die aktuellen Pegelstände gibt es online: zu.hna.de/harzwasser

Talsperren sind noch normal gefüllt

Die Harzwasserwerke selbst können als Vorversorger selbst keine Verbote zur Wassernutzung erlassen, diese werden von Wasserbehörden beziehungsweise den Landkreisen erlassen.

Der ist laut Harzwasserwerke-Sprecher Norman Droste allerdings momentan nicht von Nöten, weil die Talsperren in Gänze einen für diesen Zeitpunkt im Sommer normalen Füllstand aufweisen.

Mit Blick auf die generelle Entwicklung im Klimawandel sowie der Hitzewelle, gebe es aber für jeden persönlich Möglichkeiten, sorgsamer mit der Ressource Wasser umzugehen, sagt der Harzwasserwerke-Sprecher. So bieten sich jetzt sicherlich auch Freibäder an und vielleicht nicht unbedingt extra ein eigener Pool im Garten.

Talsperrenneubau wird geprüft

Der zurzeit kontinuierliche langsame Rückgang der Füllmengen in den Harztalsperren sei an sich ein „normaler Vorgang“, wie Droste erklärt: „Denn genau für diese Schwankungen sind Talsperren gebaut worden.“ Besonders sei aber die Dauer der Trockenheit sowie die hohen Verdunstungsmengen in den Talsperren in den vergangenen Jahren, bedingt durch die hohen Temperaturen und die steigende Abnahmemenge der Verbraucher bei Trockenheit.

„Langfristig aber müssen wir uns aufgrund des Klimawandels darauf einstellen, dass die Trockenheit noch zunehmen wird. Bisher haben unsere Talsperren dem Stresstest standgehalten und gezeigt, dass Talsperren sehr gut geeignet sind, um Auswirkungen des Klimawandels abzumildern“, sagt Droste.

Kurzum: Für die Zukunft rechnen die Harzwasserwerker mit Sitz in Hildesheim damit, dass das jetzige Versorgungssystem nicht ausreichen wird.

Darum forschen die Versorger in dem Projekt „Energie- und Wasserspeicher Harz“, wie die Anlagen dort verändert werden können, um langfristig diese Aufgabe erfüllen zu können. „Vom Talsperrenneubau bis zum Bau von Stollen wird dabei alles geprüft“, schildert Droste.

Anstrengungen für eine dauerhafte Versorgung laufen auf Hochtouren

Letztlich gehe es aber nicht nur um die Trinkwasserversorgung aus dem Harz bis nach Göttingen, Hannover und Braunschweig sowie aus den Ostharz-Talsperren bis in den Raum Halle/Saale.

Wichtig sei auch der ökologische Effekt der Talsperren: Das Wasser aus den Talsperren speist teilweise – so in den Trockenjahren 2018 und 2019 – bis zu 80 Prozent des Flusswassers von Oker, Innerste und Ecker. „Ohne die Talsperren würden Ökosysteme trocken fallen, das Wasser könnte von der Industrie nicht zur Kühlung genutzt werden und für Kläranlagen nicht zum Einleiten“, schildert Norman Droste.

Die Bedeutung für die Versorgung der Menschen verdeutlicht eine weitere Zahl: Zusammen mit den Grundwasserwerken liefern die Harztalsperren in Niedersachsen und Bremen etwa zwei Millionen Menschen das lebensnotwendige Gut Wasser. Wertvoll deshalb, dass die Anstrengungen für eine dauerhafte Versorgung auf Hochtouren laufen. (Thomas Kopietz)

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