Tatort-Kommissare auf den Spuren von Charles Dickens

Auf den Spuren von Charles Dickens: Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl. Foto: Lawrenz

Göttingen. Die zwei Tatort-Kommissare Ivo Batic und Franz Leitmayr sind am Samstagabend im Deutschen Theater im Einsatz gewesen. Dort waren sie aber nicht auf Verbrecherjagd.

Mit der Weihnachtsgeschichte nach Charles Dickens stimmten sie das Publikum auf ein frohes Fest ein. Schon die Ausstattung passt zum festlichen Rahmen. Mit Engelsflügeln treten die Musiker vom sagas-Streichquartett auf. Graue Gehröcke bringen die Kommissare zu Charles Dickens. Sie widmen sich mit vollem Einsatz der Erzählung über den alten Geizhals Ebenezer Scrooge. Am Vorabend des Weihnachtsfests wird der von vier Geistern heimgesucht. Mit den Episoden aus seinem Leben und entsprechenden Zukunftsvisionen findet er zurück zu menschlichen Gefühlen.

In der Bühnenbearbeitungen von Regisseur Martin Mühleis, der gleichzeitig auch Produzent ist, schlüpft Miroslav Nemec alias Ivo Batic in die Rolle des verbitterten Scrooge. Sein Tatort-Partner Udo Wachtveitl gibt allen anderen Figuren eine passende Stimme.

Dass die Verwandlungen gelingen, zeigen viele Reaktionen aus dem Publikum bei der stimmungsvollen Lesung. Zum Running Gag wird die lose Kinnlade eines Geistes. Mit routiniertem Griff „schiebt“ Wachtveitl seinen Kiefer immer wieder in die richtige Stellung. Da kann auch schon mal eine Backpfeife treffen. Die Reiswaffel, an der er als Geist gerne knabbert, nimmt er als Markenzeichen mit zum Applaus.

Nemec gelingt ein überzeugendes Bild von dem vereinsamten Ebenezer Scrooge. Er macht dessen Gefühle sichtbar bei dem Spaziergang in vergangene Zeiten, zu seinen glücklichen Lehrjahren bei Mr. Fezziwig, der jedes Jahr eine rauschende Weihnachtsfeier für seine Angestellten mit Familie gab, zu der schönen Zeit mit seiner Verlobten, die die Verlobung aber löste, weil für Scrooge nur noch Geld eine Rolle spielte.

Im schwarzen Aushang mit sparsamen Projektionen wird die Stimmung in der Lichtführung aufgenommen. Allein die weißen Engelsflügel der Musiker sorgen im immer wieder für schöne Lichteffekte.

Lang anhaltender Applaus mit begeisterten Rufen und zustimmendem Getrampel hat bewiesen: Wie vorangegangene Produktionen des Regisseurs ist auch die Weihnachtsgeschichte ein Erfolg geworden.

Für die sprechende Inszenierung ist es schade, dass die Tage bis Weihnachten bald gezählt sind.

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