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NDR-„Tatort“-Preview in Göttingen: Mordet der „Wikinger“ am Kiessee?

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Von: Raphael Digiacomo, Thomas Kopietz

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Der Göttingen-„Tatort“ kehrt zurück: Am 9. Oktober ist „Mord am Kiessee“ im ARD zu sehen. Bei der Vorpremiere im Cinemaxx ist das Schauspielerinnenduo Florence Kasumba und Maria Furtwängler dabei.

Göttingen – Da stehen sie vor der blauen Wand mit dem „Tatort“-Fadenkreuz-Logo: die athletische Florence Kasumba in hochgeschlossener weiter Bluse mit kecken Farbtupfern und elegant-lockerer beigefarbener Hose, daneben die zarte Kollegin Maria Furtwängler in ausgeschnittenem hellgrauen Pulli und dunklem Rock. Für Furtwängler ist das Posen und Lächeln für die Fotografen längst Routine.

Kein Wunder: 30 Mal in 20 Jahren hat sie eine Folge der legendären Krimi-Reihe im „Ersten“ gedreht und präsentiert. Die Preview für den jüngsten Göttingen-„Tatort“, der am Sonntag, 9. Oktober, in der ARD laufen wird, gab es am Mittwoch (28.09.2022) im Cinemaxx. Das Publikum quittierte den Film mit Beifall.

Florence Kasumba und Maria Furtwängler bei „Tatort“-Preview in Göttingen dabei

Florence Kasumba (links) und Maria Furtwängler präsentierten am Mittwoch im Cinemaxx vorab den neuen NDR-Göttingen-Tatort „Die Rache an der Welt“.
Starkes Ermittlerinnenduo: Florence Kasumba (links) und Maria Furtwängler präsentierten am Mittwoch im Cinemaxx vorab den neuen NDR-Göttingen-Tatort „Die Rache an der Welt“. © Swen Pförtner/dpa

1400 wollten Karten für die NDR-Vorabpremiere gewinnen, gut 350 waren die Glücklichen. Sie kennen nun schon den Mörder, den die Kommissarinnen Charlotte Lindholm und Anais Schmitz im neuen Göttingen-„Tatort“ ermittelt haben. Es ist der fünfte, seit die aufmüpfige Lindholm vom LKA-Hannover in die Polizeidirektion Göttingen strafversetzt wurde.

Klar ist, dass über die Rückkehr von Charlotte Lindholm nach Hannover noch nicht entschieden ist.

NDR-Intendant Joachim Knuth

Ob es für sie und ihre starke Partnerin Anais Schmitz in der Uni-Stadt weitergehen wird, wollte NDR-Intendant Joachim Knuth noch nicht unterschreiben. „Klar ist, dass über die Rückkehr von Charlotte Lindholm nach Hannover noch nicht entschieden ist“, sagte Knuth, für den die Filmvorstellung einer der angenehmeren Termine in zuletzt kritischen Zeiten gewesen sein dürfte.

Locker und gut gelaunt zeigten sich Florence Kasumba und Maria Furtwängler in der flotten Talk-Runde mit NDR-Moderator Jan Starkebaum. Mit dabei war auch Schauspieler Sascha Gersak, der einen Fußballtrainer verkörpert.

30. Fall in 20 Jahren für Kommissarin Lindholm: NDR präsentierte „Mord am Kiessee“ im Göttinger Cinemaxx

„Die Rache an der Welt“ fasst heiße Eisen an: Die Menschen in Göttingen sind verunsichert, ein Sexualstraftäter – „Der Wikinger“ – schlägt zu. Am Kiessee wird die Leiche einer zuvor misshandelten jungen Frau gefunden. Ein Zeuge will einen Mann mit Migrationshintergrund erkannt haben.

Zeitgleich läuft ein Dauer-Fußball-Weltrekord einer Flüchtlingsinitiative auf einem Sportplatz – die Szenen wurden in Hamburg gedreht. Charlotte Lindholm geht der scheinbar heißen Spur nach. Anais Schmitz ist damit nicht einverstanden. Der Film, der Wendungen bietet, basiert auf einem wahren Fall – geschehen in Freiburg – den Autor Daniel Nocke auf NDR-Wunsch verarbeitet hat.

Szenenbild aus dem neuen Göttingen-Tatort „Die Rache an der Welt“
Szenenbild aus dem neuen Göttingen-Tatort „Die Rache an der Welt“: Der Krimi wurde im Cinemaxx uraufgeführt. Im Fernsehen ist der Tatort am 9. Oktober nach der Tagesschau um 20.15 Uhr im Ersten zu sehen. © NDR/Christine Schroeder

Maria Furtwängler ist sich der Brisanz der Thematik Flüchtlinge als verdächtige Straftäter bewusst. Auch im ersten Göttinger Fall „Das verschwundene Kind“ stand bereits ein Flüchtlingsjunge unter Verdacht. Es sei eine „Gratwanderung“, sagt Furtwängler. Für sie als Charlotte Lindholm sei es interessant gewesen, mit Vorurteilen umzugehen.

Rassismus, Vorurteile und Vertrauen: Göttingen-„Tatort“ behandelt heikle Themen

Nach einer Bedrohung durch mehrere Männer mit Migrationshintergrund in einem Friseursalon später als Ermittlerin unvoreingenommen auf diese Männer zugehen zu können. Die Kommissarin musste so mit den bei vielen Menschen vorhandenen „rassistischen Reflexen“ umgehen.

Ich glaube, wir können alle rassistische Reflexe in uns finden, wenn wir wachsam sind.

Maria Furtwängler

„Ich glaube, den können wir alle in uns finden, wenn wir wachsam sind“. Dieses Thema in einem Kontext im Film einzuordnen sei wichtig, das sei dem Autor Daniel Nocke gut gelungen. Die Männer im echten Friseursalon in Göttingen übrigens waren eigentlich „total nett“ zu Furtwängler, wie sie sagt.

Zitate zur Vorpremiere im Göttinger Cinemaxx

„Zwei so begabte und erfolgreiche Schauspielerinnen persönlich in unserer kleinen Uni-Stadt zu erleben, ist schon etwas ganz Besonderes“, zeigte sich eine der glücklichen Zuschauerinnen begeistert. „Ich bin Tatort-Fan seitdem ich denken kann“, so die 65-jährige Göttingerin. Ihre Freundin und Begleitung an dem Abend äußerte sich verhaltener: „Furtwängler und Kasumba sind schon ein klasse Ermittlerinnenpaar, ein bisschen wie Feuer und Wasser.“ Allerdings wirke die Geschichte etwas zu konstruiert, bisweilen wenig schlüssig. Spaß habe der Abend den beiden Frauen jedoch trotzdem bereitet. (rdg)

Göttingen taucht in diesem „Tatort“ weniger intensiv auf. Viel wurde am Drehort Hamburg eingespielt. Mit der Stadt und den Menschen haben Florence Kasumba und Furtwängler übrigens wenig Kontakt, zu wenig, wie sie beide sagten.

„Ich bekomme leider zu wenig von der Stadt mit, bin immer nur blockweise da, ab Montag, die Tage sind vollgepackt, dann geht es Freitagabend schnell zurück zur Familie nach Berlin.“ Kasumba wünscht sich deshalb als Figur Anais Schmitz „den Ort Göttingen mehr mitspielen zu lassen“.

NDR widmet Schauspielerin Maria Furtwängler zum Jubiläum Zusammenschnitt mit Lindenberg-Soundtrack

Maria Furtwängler jedenfalls wurde am Mittwoch im Kinosaal gefeiert: Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums als Charlotte Lindholm zeigte der NDR einen gelungenen Zusammenschnitt aus 30 Tatorten – mit der knisternden Szene im von Furtwängler produzierten „Alles kehrt zurück“, als Lindenberg der fasziniert lauschenden Furtwängler das wunderbare Stück „Wieder genau so“ sang.

Den Ball nahm Furtwängler nach dem „Geburtstagsfilm auf: „Ja, ich würde es wieder genau so machen.“ Sie fügte humorvoll hinzu: „Mann war ich mal jung! Und meine Tochter war 10, jetzt ist sie 30.“

An ein Ende als Tatort-Kommissarin mag Furtwängler jedenfalls nicht denken. Sie möchte weitermachen, wünscht sich aber gleichwohl, dass sie weitere Folgen selbst produzieren darf, wie besagte mit Kumpel Udo in Hamburg. (Thomas Kopietz, Raphael Digiacomo)

Die Stadt Göttingen ist von den German Film Commissions (GFC) und der Nordmedia Film Commission zur „Filmlocation des Monats“ September gekürt worden.

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