March for Science

Tausende demonstrierten in Göttingen für freie Wissenschaft

+
Die Sorge vor einer zunehmenden Einschränkung der Wissenschaft hat weltweit Zehntausende Menschen zum „March for Science“ auf die Straße getrieben: Auch in Göttinge.

Göttingen. Einer der größten Demonstrationszüge der vergangenen Jahre ist am Samstag durch die Göttinger Innenstadt gezogen.

Nach Polizeiangaben beteiligten sich rund 1500 Menschen am „March for Science“ und setzten sich so für die Freiheit der Wissenschaft ein.

Die Veranstalter hatten laut ihrer Facebook-Seite sogar 2500 Teilnehmer gezählt. „Die Idee ist nach dem Women’s March in den USA entstanden“, sagte Mitorganisatorin Sarah Weishaupt bei der Kundgebung auf dem Universitäts-Campus, wo der Tross vom Gänseliesel aus hingezogen war. Dass die Wissenschaft in den USA durch Einreiseverbote und die Kürzung von Forschungsmitteln behindert werde, habe die Amerikanerin motiviert, gemeinsam mit Landsleuten und Deutschen in Göttingen einen „March for Science“ auf die Beine zu stellen. Genauso, wie er am Samstag weltweit in 600 Städten (darunter 22 in Deutschland) stattfand.

„Dies ist ein starkes Signal für die freie Wissenschaft“, lobte Niedersachsens Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajić, die sich genau wie Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel und der Grünen-Bundestagsabgeordnete Jürgen Trittin an dem Marsch beteiligten. Mit dem Anwachsen populistischer Strömungen und dem Erstarken autoritärer Regime gerate die Wissenschaft zurzeit weltweit unter Druck. „Wer die Wissenschaftsfreiheit einschränken will, der rüttelt an den Grundfesten der Demokratie“, so Heinen-Kljajić. Deshalb sei der March for Science nicht nur ein Tag, an dem Wissenschaftler für die Wissenschaft auf die Straße gehen, sondern ist ein Tag, „an dem Demokratinnen und Demokraten weltweit für ihre Grundrechte demonstrieren“.

Demonstranten

Auch Unipräsidentin Prof. Ulrike Beisiegel, für die es „keinen passenderen Ort als Göttingen“ für diese Demonstration gab, betonte, wie wichtig Forschung für die Gesellschaft ist. „Die Freiheit der Wissenschaft und der Lehre sind ein entscheidender Bestandteil der Demokratie“, sagte sie. Erst durch Forschung und die wiederholte Überprüfung von Ergebnissen durch andere Forscher würden Erkenntnisse zu Fakten. Genau darin liege der Unterschied zu den von US-Präsident Trump geprägten „alternativen Fakten“ und seiner Idee, wonach der „gesunde Menschenverstand“ anstelle der Wissenschaften Grundlage für politische Entscheidungen sein solle.

„Viele Menschen glauben tatsächlich eher ihren Gefühlen als der Forschung“, sagte Geologe Christian Groß und sprach von einer „Bedrohung der Aufklärung“. Dass sich so viele Menschen am March for Science beteiligten zeigt jedoch, dass für die Wissenschaft längst nicht alles verloren ist.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.