Ermittler tappen im Dunkeln

Fall Kitty aus Göttingen: Wurde der Teddy gestohlen?

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Polizeisprecherin Jasmin Kaatz zeigt den Kinderwagen, in dem Kitty aufgefunden wurde.

Göttingen. Kein Mord, kein sonstiger Kriminalfall, keine der vielen Demonstrationen in Göttingen haben jemals ein so großes Echo ausgelöst wie der Fall „Kitty“, den die Göttinger Polizei am vergangenen Montag bekanntmachte.

Wurde vermessen: Kitty ist 88 Zentimeter groß. Nur die Gewichtsbestimmung klappte nicht. Die Polizeiwaage ist eher für schwere Jungs ausgelegt und nicht für leichte Teddybären. 

„Das ist echt Wahnsinn.“ Seit zwölf Jahren ist Jasmin Kaatz Sprecherin der Polizeiinspektion Göttingen, in dieser Zeit hat sie unzählige Pressemeldungen verfasst. Aber der Fall „Kitty“ übertraf alle bisherigen Reaktionen.

Ein Passant hatte im Westen der Stadt einen herrenlosen Teddybären in einem Kinderwagen entdeckt und die Polizei informiert. Um die Eigentümer des Stofftieres zu finden, schrieb Kaatz statt der üblichen Pressemitteilung einen Brief, in dem der verwaiste Teddy seine Lage schildert. Der Aufruf „Hier spricht ´Kitty‘ – Bin bei der Polizei, bitte hol mich ab!“ verbreitete sich binnen kürzester Zeit in den sozialen Medien und löste eine bundesweite Welle der Anteilnahme aus. „Selbst aus dem Ausland haben wir Rückmeldungen bekommen“, sagt Kaatz.

Hit im Internet

Erkennungsdienstlich erfasst: Kitty gibt ihre Fingerabdrücke ab. 

Der Brief des Teddybären beziehungsweise der Teddybärin - aufgrund der rosafarbenen Bekleidung mit der Aufschrift „Kitty“ gehen die Ermittler von einer weiblichen Geschlechtszugehörigkeit aus - hat offenbar die Herzen vieler Menschen gerührt. Bis zum Freitag hatten mehr als 50.000 Internet-Nutzer den Facebook-Eintrag gesehen. Auch auf Twitter war der Hilferuf der kindsgroßen Bärin mit den schwarzen Knopfaugen ein Renner. 280 Nutzer teilten die Geschichte von Kitty, die so gerne nach Hause zurück möchte.

Die Online-Ausgabe der „Welt“ nannte den Brief aus der Perspektive eines Teddys „die vielleicht charmanteste Pressemitteilung des Jahres.“ In den folgenden Tagen meldeten sich zahlreiche Menschen bei der Göttinger Polizei, die Kitty gerne adoptieren und ihr ein neues Zuhause geben würden. Ein Absender aus Tübingen wollte in dem Fall auch die Reisekosten übernehmen. Da Tübingen wie Göttingen eine Uni-Stadt sei, würde die Bärin sich dort sicher wohl fühlen. Auch Kinderheime, eine Teddybär-Auffangstation und private Teddy-Sammler würden Kitty gerne in ihre Obhut nehmen.

Ein Bär in Frankreich, der auch ein Foto mitsandte, schrieb verzückt: „Tu es si mignonne!“ („Du bist so süß!“) Leider könne er sie nicht besuchen, da er zu weit weg wohne.

Inzwischen haben sich auch diverse Artgenossen gemeldet und Kitty auf Facebook, über Twitter und per Email Mut gemacht und Unterstützung versprochen: „Wir helfen dir, Schwester!“
Auch Bär Anton, der als Kommissar bei der Braunschweiger Polizei stationiert ist und seit vielen Jahren beim Karnevalszug Schoduvel auf einem Polizeiwagen mitfährt, schrieb ihr und wünschte „viel Erfolg bei der Fahndung“.

Kein Besitzer gemeldet

Bislang tappen die Ermittler allerdings im Dunkeln. Sie wissen weder, wer Kitty in dem Kinderwagen auf dem Osterfeuerplatz abgestellt noch wo sie mal gewohnt hat. „Wir können bisher nur spekulieren“, meint Kaatz. Da der Kinderwagen kein ganz billiges Modell sei, komme sie vermutlich nicht aus prekären Verhältnissen.

„Wir können nicht ausschließen, dass sie irgendwo gestohlen wurde“, sagt die Polizeisprecherin. Da sich bislang kein Besitzer gemeldet hat, können die Ermittler auch Herzlosigkeit als möglichen Hintergrund nicht ausschließen: Ähnlich wie manche verantwortungslosen Tierhalter ihren Hund irgendwo an einer Tankstelle aussetzen, weil sie ihn nicht mit in den Urlaub nehmen wollen, könnte sich auch jemand der Teddybärin entledigt haben. Einer der vielen Schreiber meinte, dass Kitty möglicherweise als „O-Bär-Kommissar“ im Innendienst der Polizei Göttingen besser aufgehoben sei als bei ihren ursprünglichen Besitzern.

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