„Ohne Zahni“ muss zum Doc

Teddybärklinik: Medizinstudenten verarzten angeschlagene Kuscheltiere

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Noah beim Teddydoc: Lena Oswald (21) im 6. Semester hört „Ohne Zahni“ im Behandlungszimmer ab. Noah durfte seinen plüschigen Freund auch selbst abhören.

Göttingen. Jedes Jahr verarzten Medizin- und Zahnmedizinstudenten aus allen Semestern in der Universitätsmedizin Kuscheltiere und Puppen von Kindern.

Dem schwarzen Dino mit den grünen Augen geht es schlecht. „Ohne Zahni“ hat Fieber, sagt der vierjährige Noah. Deshalb hat er ihn ins Teddybärkrankenhaus in die Universitätsmedizin Göttingen gebracht.

Lena Oswald nimmt „Ohne Zahni“ und seinen Besitzer mit in ein durch Trennwände definiertes Behandlungszimmer und schaut sich den Rezeptzettel an. Seit gestern soll es dem Plüschsaurier schlecht gehen. Die Teddydoktorin schnappt sich ein Stethoskop vom Kollegen und hört „Ohne Zahni“ ab. „Willst du mal hören?“, fragt sie den besorgten Noah. Wie ein Stethoskop funktioniert, weiß er schon. Seine Schwester hat auch so eins, sagt Noah.

„Es macht Spaß, das spielerisch zu vermitteln“, sagt Lena Oswald. Sie ist zum dritten Mal mit dabei und auch im Orga-Team. „Als Student ist das eine schöne Abwechslung“. Außerdem kann sich Lena Oswald vorstellen, selbst mal als Kinderärztin zu arbeiten.

Jetzt geht es mit Noah und „Ohne Zahni“ erst mal zum Zahnarzt. Noah darf selbst auf den Sessel klettern und hinterher bekommt er eine Zahnbürste geschenkt.

„Man lernt Empathie“, sagt die Teddyärztin. Kindern die Angst vor dem Doktor im weißen Kittel zu nehmen, sei eine positive Erfahrung.

Bei „Ohne Zahni“ diagnostiziert sie schließlich eine Mandelentzündung. Das ergab der Blick in den Dino-Rachen mit einem Holzstäbchen. Der Doc verordnet einen Schal, Tee, Bonbons und Kuscheln.  „Kuscheln hilft immer!“ Mit dem Rezept gehts zur Teddyapotheke, in der die Teddyapotheker die Medikamente ausgeben. Zuhause muss „Ohne Zahni“ ins Bett, sagt Noah, sich auskurieren.

Im OP-Saal muss Julius Förster ran: Ferdis grüner Dino „Theo“ hat einen Arm verloren – „den hat der Hund abgebissen“. Und seinem Teddy fehlt das Bein, Ferdi hat es aber dabei. Für den Medizinstudenten im ersten Semester ist es der erste Teddy im OP. Ferdi darf mitmachen. Aber nur mit einer grünen Haube, einem OP-Kittel und den Handschuhen, die er nicht mag, weil sie an seinen schwitzigen Händen kleben. Doktor Christoph bereitet derweil die Prothese für Theo vor: Eine Kompresse mit grüner Mullbinde umwickelt. „Das würde dann so dran passen“, sagt er, „und wäre sogar grün“ – wie der Dino.

Julius findet es interessant, wie die Kinder reagieren. Wenn sie selbst einmal in Behandlung müssen, dann wissen sie vielleicht schon, ah, das ist auch mit meinem Teddy passiert.

Die Prothese für den Arm von Ferdis Dino muss seine Mama fertig annähen, denn Ferdi muss die Teddybärklinik nun verlassen – sein Bus wartet.

Die Teddybärklinik in der Robert-Koch-Straße 40 ist am Donnerstag, 27. Mai, von 8 bis 17 Uhr geöffnet.

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