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Für mehr Schiri-Nachwuchs in Göttingen: Teenager sollen E- und F-Jugend-Spiele pfeifen

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Von: Michael Caspar

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Gruppenfoto zum Schiri-Projekt des RSV Göttingen 05
Wollen Jugendliche fürs Pfeifen auf dem Fußballplatz begeistern: Schiedsrichter des RSV Göttingen 05 mit Sponsoren und Unterstützern, links vorne Landrat Marcel Riethig. © Michael Caspar

Der RSV Göttingen 05 startet Projekt, um Nachwuchs-Schiris zu gewinnen. Unterstützung bekommen die Initiatoren von Sponsoren und Landrat Marcel Riethig.

Göttingen – Der RSV Göttingen 05 möchte junge Fußballer ab zwölf Jahren als Schiedsrichter gewinnen. Nach einem Crash-Kurs dürfen sie gleich bei Spielen der F- und E-Jugend pfeifen.

„Als Schiri auf dem Platz zu stehen macht Spaß, man agiert im Team und kann das eigene Taschengeld aufbessern“, wirbt der Initiator der Aktion, Torsten Baehnisch. Zusammen mit Torsten Steinbach übernimmt er die Kurzausbildung der Nachwuchskräfte. Bei den ersten Spielen auf dem Platz in Geismar an der Ottostraße 14 oder im Sportpark Jahnstadion unterstützen sie die Nachwuchskräfte.

Wer sich gut macht, den nimmt Norman Möhle in seine Whats-App-Gruppe auf. Dort stellt er die jeweils am Samstag zu pfeifenden drei bis fünf Heimspiele des Vereins ein.

Die Schiedsrichterei fördert die Persönlichkeitsentwicklung

„Das Amt des Schiedsrichters fördert die Persönlichkeitsentwicklung“, erklärt Ausbilder Steinbach. Der Schiri muss ständig präsent sein, den Platz und die Spieler im Blick haben, genau hinsehen, gerechte, nachvollziehbare Entscheidungen fällen und lernen, mit Kritik umzugehen. „Den jungen Spielern sollte er einfühlend gegenübertreten, die persönliche Ansprache pflegen, viel loben und motivieren“, ergänzt Baehnisch.

Eine wichtige Aufgabe des Schiris ist es zudem, Ruhe ins Spiel zu bringen. „Bei den Kleinen zieht es die Eltern oft bis an den Rand des Spielfelds“, kritisiert der Projektinitiator. Von dort aus setzen sie die Kinder mit Ratschlägen und Zwischenrufen unter Druck.

Viele Eltern setzen ihre Kinder durch Kommentare und Ratschläge unter Druck

„Ich will doch nur spielen“, sagte einer der Jungen weinend zu Baehnisch. Der meint: „Die Kinder bekommen heute in der Schule schon genug Druck, dass muss nicht auf dem Fußballfeld weitergehen.“ Nach zwei Corona-Jahren sollten Eltern froh sein, wenn ihre Kinder sich vom Computer losreißen und kicken wollen, findet er.

Teenager, die Gefallen am Pfeifen finden, können beim Schiedsrichterausschuss des Fußballkreises Göttingen-Osterode den Anwärterlehrgang machen. Er umfasst sechs Tage theoretischen Unterricht. Dann folgt eine Prüfung.

Der Hintergrund des RSV-Projekts: Die Zahl der Schiedsrichter nimmt ab. Der Göttinger Verein mit seinen mehr als 30 Jugendmannschaften hat zunehmend Probleme, die Termine am Wochenende zu besetzen. Das bedeutet Mehrarbeit für die neun offiziellen Schiris des Vereins, denen vier externe zur Seite stehen. Die Offiziellen sind auch am Sonntag im Einsatz.

Typisches Problem an den Wochenenden: Es fehlt an Schiris, um Spiele zu besetzen

„Damit unser Projekt den Verein nicht finanziell belastet, haben wir Sponsoren gesucht“, erzählt Baehnisch. Landrat Marcel Riethig (SPD), der bis 2003/04 in Bovenden selbst bei Handball-Spielen gepfiffen hat, vermittelte den Kontakt zum Hauptgeldgeber, der VR-Bank Mitte. Wenn das Projekt gelingt, könnte es auch von Vereinen im Landkreis durchgeführt werden, hofft Riethig.

Geld steuern zudem der Schuh- und Schlüsseldienst Bernd Schutte sowie die Stadion-Bar an der Göttinger Speckstraße bei. 1.300 Euro hat der RSV bereits zusammen. Mit dem Geld sollen die Schiedsrichter unter anderem mit Hosen, Jacken und Stutzen ausgestattet werden. (Michael Caspar)

Informationen: rsv05.de

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