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Teresa Bergman: Männer stehen auf weibliche Jazz-Stimmen

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Von: Thomas Kopietz

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Starke Sängerin: Die in Berlin lebende Neuseeländerin Teresa Bergman kommt zum KWP Open-Air am Samstag in Göttingen und warb dafür bei der Pressekonferenz. © Kopietz

Göttingen. Das KWP-Open-Air bietet Freitag und Samstag eine einzigartige Atmosphäre und tolle Künstler: Mit dabei ist am Samstagabend die Neuseeländerin Teresa Bergman.

Sie hat eine fantastische Stimme, die mit Adele und Zez verglichen wird, sie gilt als Riesentalent, sie liebt den engen Kontakt zum Publikum, sie ist vielseitig und eine Sängerin, die mit 22 Jahren ein Traumland verließ, um nach Deutschland zu kommen: Teresa Bergman (30). Wir sprachen mit ihr, die am Samstag beim KWP-Open-Air auftreten wird.

Warum haben Sie mein Traumland – Neuseeland – verlassen, um ausgerechnet nach Deutschland zu gehen?

Teresa Bergman: Das fragen mich alle hier. Ich wollte etwas erleben, herumkommen, die Welt sehen, wie es junge Menschen aus Deutschland tun, wenn sie nach Neuseeland gehen. Und ich habe mich für Masterstudiengänge beworben, dafür gehen wir Neuseeländer gerne nach Europa, meist nach England. Das fand ich aber langweilig. Ich wollte auch eine Fremdsprache lernen, hatte ein bisschen Deutsch und Französisch in der Schule. Studiert habe ich dann in Breslau und Leipzig.

Das war vor acht Jahren, Sie sind geblieben und machen nun etwas ganz anderes als Politikwissenschaften..

Bergman: Ein politischer Mensch bin ich immer noch und habe ja auch für eine Menschenrechtsorganisation gearbeitet. Aber ich bin Musikerin aus Leidenschaft und arbeite hart damit es vorangeht. Nach dem experimentellen Debütalbum wird bald mein zweites Album erscheinen. Das wird mehr in der Linie Pop und Funk laufen.

Funk ist momentan auch bei jungen Menschen angesagt..

Bergman: Ja! Und das freut mich. Sie tanzen sogar zu Disco-Hits aus der Disco-Ära. Und ich glaube, dass die heutigen Hits aus der Maschine den Kids zu langweilig werden. Sie brauchen Grooves. Und sie werden von großartigen Bruno-Mars-Songs funkmäßig beeinflusst. Das passt: Ich wollte sowieso mehr Funk machen.

Sie haben ein großes Spektrum was Musikstile und Stimme angeht. Wie kam es dazu?

Bergman: Das weiß ich auch nicht genau. Ich habe immer viel gesungen und das laut. Ich war immer die Lauteste (lacht). Als die Finger lang genug waren, begann ich Gitarre zu spielen. Auch mein Vater ist Hobbymusiker. So bin ich – zwangsweise – mit 60er- und 70er-Jahre Rock groß geworden, habe Led Zeppelin rauf und runter gehört. Das hat mich geprägt. Der Chor- und A-Cappella-Gesang und die Berliner Jazz-Club-Szene hatten auch Einfluss. Und ich habe immer viel von anderen gelernt. Ich liebe einfach unterschiedliche Musik-Stile.

Woher kommt Ihre starke Präsenz auf der Bühne?

Bergman: Gute Frage. Ich versuche, mich auf das Publikum einzustellen, schaue mit die Leute an und beobachte die Reaktionen. Manchmal ändere ich dann spontan das Programm. Eine Set-List gibt es manchmal nicht. Am Samstag aber schon, denn dann komme mit meinen Jungs (die Band mit Frank Schulze, Florian Schack und Doron Segal). Die haben Angst vor meinen Ideen, aber gelernt, damit umzugehen. Ich habe durch viele hunderte Auftritte gelernt, was funktioniert und was nicht. Mittlerweile glaube ich, dass ich ein Publikum gut lesen kann. Wichtig ist als Künstler, dass du authentisch bleibst und keine Tricks machst. Ich lasse meine Persönlichkeit raus, versuche nicht, jemand anderes zu sein.

Worauf fahren denn Männer Ü 40 musikalisch besonders ab?

Bergman: (lacht): Sie stehen so auf weibliche Jazz-Vocals und etwas Grooviges. Damit es nicht so steif bleibt.

Sind Sie auch ein so offener, spontaner Mensch, das ist ja den freundlichen Neuseeländern, den Kiwis, nicht fremd?

Bergman: Hmm. Eigentlich schon. Aber nicht immer, denn oft zielorientiert und konzentriert. Dazu gehört auch Disziplin. Ja, wir Neuseeländer sind nicht ganz so verbissen.

Spielen Sie lieber in Clubs oder vor großem Publikum?

Bergman: Beides. Im Moment spiele ich gern vor vielen Leuten. Grundsätzlich bin ich aber gern nah am Publikum. Meine Lieblingsauftritte sind Wohnzimmerkonzerte. Da gibt es keine Grenzen zum Publikum und mir. Toll!

Ihre Wurzeln sind die Straßenmusik. Sind Sie dort noch immer zu sehen und zu hören?

Bergman: Ja, aber eher auf Straßenmusikfestivals. Dort mache ich auch spontan mit, und das total gerne, wie kürzlich in Rom, wo ich Straßenmusiker aus Berlin traf und mitmachte.

Straßenmusiker haben Probleme mit dem Ordungsamt..

Bergman: Gut ist, dass man bei Straßenmusik-Festivals keinen Stress mit unseren besten Freunden hat – der Polizei oder den Ordnungsbeamten.

Haben Sie auf der Straße viel gelernt?

Bergman: Definitiv. Es kommt drauf an, wenn Du erfolgreich sein willst, auch finanziell, eine kritische Masse vor Dir zu halten, dann bleiben noch mehr Menschen stehen und geben Geld. Da probiert man Sachen aus. Bei mir sind auch mal alle weggelaufen, da hab ich gedacht: O.K., alles klar, so nicht (lacht)!

Samstag wird es aber eine Set-List geben, oder nicht?

Bergman: Sicher! Und nach unserem Auftritt werden wir zu Earth, Wind & Fire wild tanzen.

Zur Person

Teresa Bergman (30) stammt aus Wellington, Neuseeland. Die Sängerin studierte an der Victoria-University in Neuseelands Hauptstadt. Nach dem Bachelor machte sie den Master in Sozial- und Politikwissenschaften – auch in Breslau und Leipzig. Sie lebt in Berlin, mittlerweile von der Musik. 

Bergman schaffte den Sprung von der Straßenmusikerin zur Konzertsängerin. Herausragend ist ihre variantenreiche Stimme, die an Adele und Zez erinnert. Die musikalische Bandbreite reicht von „Singer- Songwriter, Pop, Folk, Funk bis Jazz. Deutschlandradio betitelte sie 2016 sogar als „Größtes Talent“. Ihr Debüt-Album heißt „Bird of Feather“. Aktuell arbeitet sie auch am Nachfolgealbum. 

Karten 

Das KWP-Open-Air am 19./20. August in Göttingen ist am Freitag aussverkauft. Für Samstag gibt es noch Karten im Vorverkauf unter www.reservix.de und an bekannten Vorverkaufsstellen, auch der HNA, sowie in der Prinzenstraße und in der Tourist-Info. Altes Rathaus. Preise: Tageskarte 25 Euro; Abendkasse: 30 Euro. Kinder bis 14 Jahre in Begleitung der Eltern haben freien Eintritt.

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