Termine ohne Gewähr

Corona-Regeln zeigen Wirkung in der Region Göttingen – aber Unmut über Impfstofflieferungen

 Impfzentrum Siekhöhe
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Priorität bei den Impfungen haben gemäß Vorgabe des Landes zunächst die Impfungen in den Alten- und Pflegeheimen. Deshalb muss das Impfzentrum Siekhöhe weiter warten auf den Impfstart.

Der Corona-Lockdown zeigt auch in der Region Göttingen Wirkung: Der Inzidenzwert, der die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen abbildet, sank in einer Woche von 86,5 auf 50,0.

Landkreis Göttingen – Die positive Entwicklung hält mit zwei deutlichen Rückschlägen seit gut vier Wochen an. Der höchste Inzidenzwert in der Region wurde am 25. Dezember mit 127,9 gemeldet.

Angespannt ist weiter die Lage um die stationären Covid-19-Patienten in der Universitätsmedizin Göttingen (UMG): 27 Patientinnen und Patienten lagen am Mittwoch dort, 16 wurden intensivmedizinisch versorgt, acht beatmet, zwei an externen Maschinen. Elf Patienten lagen auf Normalstation. „Es war schon besser“, kommentierte UMG-Sprecher Stefan Weller.

Nicht abgekoppelt vom bundesdeutschen Geschehen sind Stadt und Landkreis Göttingen, was die zögerlichen Impfstofflieferungen angeht. Zu wenig kommt in den Impfzentren an. Der Landkreis hat in 44 von 57 Alteneinrichtungen Impfungen für Bewohner und Mitarbeiter angeboten. „In 13 Einrichtungen stehen Impfungen noch aus, dafür wird die nächste Impfstofflieferung benötigt“, sagt Kreis-Sprecher Ulrich Lottmann. Die Zweitimpfungen, 21 Tage nach Erstimpfung, sind angelaufen. „Damit steht aktuell kein Impfstoff für den Betrieb in den Impfzentren zur Verfügung.“ Deshalb können in Stadt und Kreis die drei stationären Impfzentren – zwei in Göttingen, eines in Herzberg – nicht wie vom Land geplant zum 1. Februar starten. Die Kreisverwaltung geht frühestens von einem Start in seinen Zentren in der Woche ab 8. Februar aus, wie Lottmann sagt. „Aber nur, wenn tatsächlich Impfstoff da ist.“ Ähnliches gilt für das Impfzentrum der Stadt an der Siekhöhe nahe der A 7.

Dass das Land ab heute telefonisch und via Online-Portal die Impfterminvergabe für über 80-Jährige beginnt, stoßt auf Kritik. Christian Schmetz, Dezernent für Ordnung in Göttingen: „Wir können ja gar keine festen Termine vergeben.“ Die Anrufer würden so verunsichert, das sei nicht hilfreich in dieser Situation. Foto: Per SChröter

Christian Schmetz

Impftermine per Telefon und online

Trotz des knappen Impfstoffs hält die Landesregierung am heutigen Start für die Vergabe von Impf-Terminen an Senioren, die mindestens 80 Jahre alt sind, fest. Die Reservierung erfolgt unter der Gratis-Rufnummer 0800/99 88 665 oder über die Seite impfportal-niedersachsen.de im Internet. Bei der Anmeldung gibt es gleich zwei Termine – für die Erst- und die Zweitimpfung. Für einen umfassenden Corona-Schutz sind zwei Spritzen notwendig.

Stadt und Kreis warten auf die Fläschchen

„Entscheidend ist, dass Impfstoff für den Betrieb in den Impfzentren vorhanden ist. Priorität bei den Impfungen haben gemäß Vorgabe des Landes zunächst die Impfungen in den Alten- und Pflegeheimen“, erläutert Landkreis-Pressesprecher Ulrich Lottmann das Vorgehen bei den Impfungen. Drei Viertel der Einrichtungen seien mit Erstimpfungen versorgt worden, 13 fehlen noch. Die nächste Impfstofflieferung werde deshalb dafür verwendet. Auch hätten die Zweitimpfungen über die mobilen Teams begonnen, die termingenau nach 21 Tagen vorgenommen werden muss.

Das gilt auch für Stadt Göttingen, wo nur noch ein Pflegeheim unversorgt ist. Mehr als 2300 Menschen sind erstgeimpft worden. Den Impfstoff für die Zweitimpfungen bekommt die Stadt gesondert – so wie am Dienstag. Diese Lieferungen werden zurzeit ausschließlich für die Zweitimpfungen in den Altenheimen verwendet. Das Land hat diese Mengen Impfstoff zurückgehalten, damit die Erstversorgten exakt am 21. Tag erneut geimpft werden können. Für neue Erstimpfungen wird die Stadt laut Ordnungsdezernent Christian Schmetz bis zum 5. Februar keine weiteren Impfdosen bekommen.

„Wir können diesbezüglich nicht eingreifen, haben keine Zuständigkeit, hängen am langen Arm des Landes und in der Kette der Schimpfenden: Wir Kommunen schimpfen auf das Land, das Land schimpft auf den Bund, der für die Zuteilung an die Länder zuständig ist“, schildert Schmetz, der auch deutlich sagt: „Das ist ein Kompetenzgerangel, dass man in so einer Zeit überhaupt nicht gebrauchen kann.“ Fehlanzeige heißt es deshalb aktuell, was die Lieferungen und Impfdosen für die stationären Impfzentren sowohl der Stadt (Siekhöhe in Göttingen), als auch Landkreis (BBS II, Godehardstraße, Göttingen) und OWS Herzberg angeht.

Konkrete Daten zu den nächsten Lieferungen machen Stadt und Kreis nicht, auch aus Sicherheitsgründen, wie Lottmann sagt. Eine Teillieferung erwarte der Kreis in der kommenden Woche. Die Impffläschchen gehen in die Alten- und Pflegeeinrichtungen. Die Impfzentren und somit die Menschen über 80 Jahre, die zu Hause leben, müssen weiter abwarten, geduldig sein, wie auch Christian Schmetz sagt. Die Stadtverwaltung will deshalb alle in Frage kommenden Bürgerinnen und Bürger noch einmal anschreiben, gezieltere Infos geben, als sie der Brief vom Land vermittelt hat.

Fazit Schmetz: „Wir Kommunen sind in einer echt blöden Situation. Die Über-80-Jährigen haben vom Land eine Information bekommen, dass es morgen die Terminvergabe des Landes startet, aber wir können gar keine Termine anbieten, wissen nur, dass wir bis zum 5. Februar gar keinen Impfstoff haben werden.“

(Thomas Kopietz und Bernd Schlegel)

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