Schülertagung zu Terrorismus

Terrorgeisel Marc Wallert spricht im Kloster Loccum vor Schülern

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Das Kloster Loccum: Hier spricht Marc Wallert über das Thema „Überleben und weiterleben“.

140 Tage lebte er nach seiner Entführung als Geisel. Der  Göttinger Marc Wallert spricht bei einer Schülertagung nun vor Jugendlichen über seine Erlebnisse.

Der als Terrorgeisel bekannte Göttinger Marc Wallert ist Ende August zu Gast bei einer Tagung der Evangelischen Akademie Loccum bei Nienburg. Vor Schülerinnen und Schülern spricht er dort über das Thema „Überleben und weiterleben“, wie die Akademie mitteilte.

Wallert wurde im Jahr 2000 gemeinsam mit seinen Eltern und anderen Touristen während eines Tauchurlaubs in Ostasien von einer islamistischen Terrorgruppe entführt. 

140 Tage lang lebte er als Geisel im philippinischen Dschungel. Die Schülertagung „Grenzenlose Gewalt. Ursachen und Folgen des internationalen Terrorismus“ läuft vom 26. bis 28. August.

Heute leitet er Menschen an, psychische Widerstandskraft zu entwickeln

Heute arbeitet Wallert als Experte und Vortragsredner zum Thema Resilienz. Dabei leitet er Menschen an, wie sie psychische Widerstandskraft entwickeln und schwierige Lebenssituationen ohne dauerhafte Beeinträchtigung überstehen können. 

Während der Krisenzeit der Entführung habe es ihm geholfen, einen kühlen Kopf zu bewahren, sagte er laut einer Ankündigung der Akademie: „Dasselbe würde ich auch der Politik empfehlen, wenn sie auf Terror reagieren muss.“ 

Ihm persönlich habe in der Krise auch sein Humor geholfen.

Hass auf die Täter habe er damals wie heute nicht empfunden. „Terroristen sind nicht alle auf die gleiche Weise von Hass und Gewalt geprägt“, sagte Wallert, der zur Zeit der Entführung 27 Jahre alt war. 

Die Terrorgruppe Abu Sajaf habe sich aus sehr verschiedenen Charakteren zusammengesetzt: „Da gab es vom hassverzerrten Gewalttäter bis zum beinahe hilfsbereiten Mitmenschen große Unterschiede. Jeder einzelne sollte nach seinen Tagen beurteilt werden.“

Glaube und Gebete können helfen

Obwohl er sich nicht als kirchennahen Christen bezeichne, sei er fest davon überzeugt, dass Glaube und Gebet in Krisen helfen könnten.

„Ich bin ein spiritueller Mensch, der erfahren hat, dass der Glaube Menschen in Krisensituationen Kraft gibt“, sagte Wallert. „Und ich glaube auch, dass uns die Gebete vieler Menschen damals geholfen haben. Dafür bin ich bis heute dankbar!“

Die Terroristen von Abu Sajaf ließen zunächst seine Mutter, dann seinen Vater und schließlich ihn selbst frei. In die Verhandlungen hatte sich neben dem deutschen Außenministerium auch der damalige libysche Staatschef Muammar al-Gaddafi eingeschaltet. Es soll Lösegeld geflossen sein. 

marcwallert.com

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