Teststrecken in Niedersachsen: Ab 2018 fahren Autos selbst

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Auch hier werden die autonomen Autos kurven: Die Autobahn 2 bei Hannover ist Teil der Teststrecke für die neue Technik

Hannover/Göttingen. Das Labor hat eine Länge von 280 Kilometern. Auf den Autobahnen A 2, A 7, A 39 und A 319 testet Niedersachsen selbstfahrende Autos.

Neben den Autobahnen sind auch einige Bundesstraßen zwischen Hannover, Braunschweig, Wolfsburg und Salzgitter  beim Test von selbstfahrenden Autos im Echtbetrieb dabei – Schlaglöcher, Baustellen, Ferienstaus, Unfälle und fremde Verkehrssünden inklusive. Professor Karsten Lemmer vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) unterzeichneten in Hannover ein „Memorandum of Understanding“, eine Absichtserklärung über ihre Zusammenarbeit beim „Testfeld automatisiertes Fahren“. Dessen Aufbau soll in diesem Jahr beginnen, der erste Pilotbetrieb rund um Braunschweig Anfang 2018 starten.

Minister Olaf Lies

Bis Ende 2019 sollen dann in allen sieben Modulbereichen autonome Autos in einer dreistelligen Anzahl unterwegs sein. Allerdings nicht völlig allein. „Es ist immer ein Fahrer an Bord, der eingreifen kann und letztlich für die Sicherheit verantwortlich ist“, betonte Lies. Für normale Verkehrsteilnehmer soll das Projekt risikolos sein. Auch deren Datenschutz sei gewährleistet, versicherte Lemmer.

Signale aus Testautos

Mehr Sicherheit und Bequemlichkeit, höhere Effizienz im Verkehrsfluss und weniger Schadstoffausstoß versprechen sich die Befürworter. Wie sich solche Autos unter realen Bedingungen schlagen, wollen Forscher und Industrie gemeinsam auf dem niedersächsischen Testfeld herausfinden. Dieses umfasst auch Teile des Braunschweiger Stadtgebiets. Kameras und Aufzeichnungsgeräte erfassen dort entlang der Pilotstrecken jede Bewegung des Verkehrs sowie die Signale aus den Testwagen.

Großbaustellen wie die Neugestaltung des Autobahndreiecks Salzgitter, schlechte Straßenzustände, fehlende Markierungen, unvorhersehbare Ereignisse, Fahrfehler oder auch Raserei normaler Verkehrsteilnehmer sind durchaus als echte Belastungsproben willkommen. „Auch mit nicht normativen Verhaltensweisen der anderen muss ein autonomes Fahrzeug schließlich umgehen können“, erklärte DLR-Experte Professor Frank Köster.

Die auf fünf Millionen Euro kalkulierten Kosten für Aufbau und Betrieb des Testfelds teilen sich das Land Niedersachsen und das DLR. Industriepartner des Projekts sind bisher Volkswagen, Continental, Siemens, Nordsys, OECON und IAV.

Positiv begleitet wird das Testfeld vom ADAC Niedersachsen. Man hoffe, den Mitgliedern eventuelle Berührungsängste nehmen zu können, sagte Clubdienst-Chef Sven Stieger gestern. „Vernetzte Mobilität wird einen wesentlichen Beitrag leisten, um künftig sicherer, effizienter und nachhaltiger unterwegs zu sein.“

Von Peter Mlodoch

Fragen und Antworten: Fahrer stets an Bord

Niedersachsen testet künftig selbstfahrende Autos auf langfristig bis zu 280 Kilometern Strecke. Fragen und Antworten:

Was bedeutet autonomes Fahren?

Die Technologie selbstfahrender, autonomer Autos basiert auf Sensoren und Kameras, die die Umgebung erfassen und deren Daten von Rechnern verarbeitet werden. Einparkhilfen oder Stauassistenten funktionieren bereits auf diese Weise. Beim „teilautomatisierten Fahren“ muss der Fahrer die Assistenzsysteme ständig überwachen. Beim „hochautomatisierten Fahren“ warnt das System den Fahrer, wenn er eingreifen muss. Das „vollautomatisierte Fahren“ entspricht einem Autopiloten. Erst bei „fahrerlos“ ist kein Fahrer mehr an Bord, das wird erst in ferner Zukunft der Fall sein.

Werden die übrigen Autofahrer den Test bemerken?

!Nein. Davon ist das Ministerium überzeugt. Wichtigster Punkt: Auch wenn es um Automatisierung geht, sollen Fahrer in den Testwagen sein, was auf der unfallträchtigen A 2 wichtig sein dürfte.

Gibt es weitere Teststrecken?

Ja, in Bayern. Dort wurde an der A 9 eine Teststrecke mit einer Technik ausgerüstet, die die Kommunikation zwischen Strecke und selbstfahrenden Autos ermöglicht.

Was bedeutet der Test für die Logistikbranche?

Logistik ist einer wichtigsten Wirtschaftszweige im Land, betont die Geschäftsführerin der IHK Niedersachsen, Susanne Schmitt. „Niedersachsen ist eine Mobilitätsdrehscheibe.“ Der Ausbau der Teststrecken sei folgerichtig, die Digitalisierung biete große Chancen, den Warenverkehr zu verbessern und sicherer zu machen. (dpa)

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