Fragen und Antworten

Teures Software-Schnäppchen: Ärger nach dem Kauf via Amazon

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Einkäufe über den Marketplace der Online-Plattform Amazon sind bei vielen Verbrauchern beliebt. Doch es kann auch unangenehme Überraschungen geben. 

Immer mehr Computernutzer suchen günstige Software beim Online-Händler Amazon. Doch die Schnäppchen-Jagd kann Risiken bergen – dazu Fragen und Antworten.

Worum geht es bei der aktuellen Masche?

Über den Marktplatz (Marketplace) bei Amazon werden beispielsweise Office-Pakete zu sensationell günstigen Preisen (zum Teil unter zehn Euro) angeboten. „Doch es gibt Probleme beim Bezahlprozess, der Kaufpreis plus Rechtsanwaltsgebühren werden schließlich von einem Rechtsanwalt eingefordert“, sagt Kathrin Körber, Juristin bei der Verbraucherzentrale Niedersachsen in Göttingen. 

Dabei spielen Gutschriften, die plötzlich auf Giro- oder Kreditkartenkonto auftauchen, eine wichtige Rolle. Diese Rückbuchungen werden von Verbrauchern leicht übersehen.

Wie läuft die Masche genau ab?

Den Verbraucherschützern liegen mehrere Beschwerden vor: Bei einem Verbraucher funktionierte der ihm mitgeteilte Freischaltcode für die Software nicht. Er wandte sich an Amazon, die ihm das Geld erstatteten. 

Einem anderen war zuvor ein geringer Betrag erstattet worden. Auf eine weitere Zahlungsaufforderung hin überwies er das Geld an den Händler, vergaß jedoch die vollständige Rechnungsnummer anzugeben. Da der Verwendungszweck nicht stimmte, kam das Geld nicht an. Amazon schrieb einem weiteren Verbraucher alle gezahlten Beträge gut. Er las die Mails, in denen von den Gutschriften Amazons die Rede war, fand jedoch keine weitere Zahlungsaufforderung. 

Allen Fällen gemein ist, dass ein Anwalt sich einschaltete und neben dem ursprünglichem Kaufpreis auch Rechtsanwaltsgebühren geltend machte. Aus wenigen Euro wurden 83,54 Euro.

Um welchen Anbieter geht es konkret?

Es handelt sich um „JP Trading Enterprises UG“ mit Sitz im bayerischen Vaterstetten. Die Mahnschreiben kamen von der Rechtsanwaltskanzlei „Juslegal“, ebenfalls mit Sitz in Vaterstetten.

Wie viele Verbraucher sind von der Masche betroffen?

Das ist nicht genau zu beziffern. Die Verbraucherzentrale rechnet mit zahlreichen Fällen allein in Norddeutschland. „Das Besondere an diesen Fällen ist, dass die Verbraucher die Gutschriften übersehen haben und nun das Anwaltsschreiben nur schwer nachvollziehen können“, so Körber.

Wie kann man sich dagegen schützen?

Bei jedem Kauf sollten die Bank- und Kreditkartenkontobewegungen aufmerksam beobachtet werden. Bei Zweifeln über die Richtigkeit einer Gutschrift sollte die Plattform, in diesem Fall Amazon, direkt kontaktiert werden.

Ist Amazon die aktuelle Masche bekannt?

Die Ratsuchenden berichteten der Verbraucherzentrale Niedersachsen zum Teil, dass sie Amazon informiert haben und genau das sollte jeder Betroffene auch tun. Körber macht deutlich, dass die Zahlungsabwicklung grundsätzlich über Amazon erfolgt. Das Unternehmen übermittelt die Zahlungen automatisch an den Händler. Der Verbraucher muss nie direkt an den Händler bezahlen. Das Problem: Die Post vom Anwalt, wie in all diesen Fällen, irritiert die Verbraucher.

Was sollte man als Verbraucher tun, wenn man ein solches Anwaltsschreiben bekommt?

Man sollte auf jeden Fall reagieren und zunächst prüfen, ob der bezahlte Betrag zurückgebucht wurde, raten die Verbraucherschützer. Wenn das passiert ist, sollte das E-Mail-Postfach daraufhin gecheckt werden, ob die Mitteilung über die Gutschrift und eine erneute Zahlungsaufforderung in den Posteingängen sind. 

Haben Verbraucher keine erneute Zahlungsaufforderung erhalten, so sollte dies dem Rechtsanwalt mitgeteilt werden, weil der Verbraucher nicht im Zahlungsverzug ist und damit auch nicht die überhöhten Rechtsanwaltskosten zu zahlen hat. 

Klar ist jedoch: Wenn der Verkauf abgeschlossen wurde, steht dem Händler der Kaufpreis zu. Dennoch sollten sich Verbraucher wegen der Zahlungsabwicklung umgehend an Amazon wenden und darüber den Anwalt in Kenntnis setzen.

Was ist zu tun, wenn Verbraucher eine Zahlungsaufforderung im Posteingang finden?

Sollte die Zahlungsaufforderung vorhanden sein, sollten man sich an Amazon wenden, den Sachverhalt schildern und die Online-Plattform um Klärung des Anliegens bitten. 

Der Hintergrund: Der Anbieter Amazon verspricht, dass die Zahlungen automatisch über die Plattform an die Händler abgewickelt werden. Auch die erneute Zahlungsabwicklung muss darüber erfolgen, damit die Verbraucher nie direkt an Händler zahlen müssen. Das spezielle Problem: In diesem Fall umgeht der Anbieter dieses Versprechen von Amazon.

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