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Theaterstück in Göttinger Johanneskirche: Gegen Klimakatastrophe und Krieg

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Von: Ute Lawrenz

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Szene aus „Johannes über dem Jordan“
Kavod (Andreas Schönenberger) und Ônna (Mareike Bremer) und Éla (Laura Störmer) am Jordan, mit kleinen Gesten treten die Zuschauer ins Geschehen. © Ute Lawrenz

„Johannes über dem Jordan“ lautet das interaktive Theaterstück, dass nun in der Göttinger St. Johanniskirche zu sehen war.

Göttingen – Ein interaktives Theaterstück „Johannes über dem Jordan“ ist in der St. Johanniskirche uraufgeführt worden. Alexander Cern hat es für diese Kirche geschrieben und inszeniert, in Begleitung der Göttinger Stadtkantorei unter Leitung von Johanniskantor Bernd Eberhardt ging es in dieser Kirche über die Bühne

Drei Menschen hausen am Ufer des beinahe ausgetrockneten und verschmutzten Jordans. Auf dem Steg in der Johanniskirche liegen Plastikfetzen, alte Plastikflaschen. Von ständigem Durst gequält leben Éla (Laura Störmer), Kavod (Andreas Schönenberger) und Ônna (Mareike Bremer) am Fluss, begegnen sich - nicht immer konfliktfrei - und erzählen aus ihrem Leben.

„Johannes über dem Jordan“: Theaterstück handelt von Umweltproblematik und Krieg

Mitten durch die sanierte Johanniskirche verläuft der Spielsteg. Links und rechts davon sitzt das Publikum. Schauspielerinnen, Musiker und Chor erzählen von Johannes dem Täufer. Der erscheint nicht selbst, doch Éla, Kavod und Ônna sind ihm am Ufer des Jordans begegnet. Er hat ihr Leben umgekrempelt.

Laut Autor und Regisseur Alexander Cern handelt sein Text von der Umweltproblematik und davon, dass sich Menschen immer wieder gegeneinander aufhetzen und in Kriege wie derzeit in der Ukraine hineinziehen lassen.

In der Sicht von Laura Störmer ist Éla eine emanzipierte Frau mit eigenen Ideen, wie die Welt sein könnte. Im Laufe des Stückes lerne sie, sich auf andere einzulassen und freunde sich immer mehr mit Kavod an.

Wie sein Darsteller Andreas Schönenberger ist Kavod in Schönenbergers Worten ein „Vertreter der Institution“ und damit auch ein Vertreter der Kirche. Im Stück durchlaufe der Mann die schmerzhafte Entwicklung vom Besserwisser zum Verständnisvollen.

Ônna wird von Mareike Bremer verkörpert, die die vielen berührenden Momente in dem Stück besonders mag und in kurzen Passagen das Drama mit ihrem Gesang bereichert.

Quasi kommentierend singt die Göttinger Stadtkantorei Lieder aus der Zeit von Johann Sebastian Bach bis in die Neuzeit, von einem jüdischen Gebetsanfang bis zur Internationale. Doch die Chormitglieder sind nicht nur singend gefragt.

Manche Situation bereichern sie durch Einrufe in die Szene. Schade nur, dass ihre Worte unverstärkt teils auch unverstanden bleiben. Interaktiv wird das Theater durch kurze Einschübe, in denen die Zuschauer Kontakt zu den Menschen an der anderen „Fluss“-Seite aufnehmen, mal zur Vorstellung ihren Namen sagen, mal mit vorgegebenen Worten klar Stellung zum Geschehen beziehen.

„Jetzt sind Sie selbst zu Mitspielern im großen Welttheater geworden“, zeigt sich Autor Cern am Schluss von den bereitwillig agierenden Zuschauern begeistert. Nach knapp zweieinhalb Stunden geht das Stück mit viel Applaus von leider nicht so vielen Zuschauern zu Ende. Ihrem neuen Konzept als Kultur- und Bürgerkirche ist die St. Johanniskirche mit dem Projekt gerecht geworden. Weitere Aufführungen von „Johannes über dem Jordan“ werden vom 12. bis 15. Oktober präsentiert. (Ute Lawrenz)

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