Von der Absteige zum Absturz

Theater im OP feiert gelungene Premiere mit "Suburban Motel II"

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Einblicke in die dunklen Seiten der Gesellschaft: Für die Inszenierung „Suburban Motel II“ gab es viel Applaus.

Mit „Suburban Motel II“ von George F. Walker in der Regie von Peter Schubert hat das Universitätstheater im OP (ThOP) eine gelungene Premiere gefeiert.

Die Zuschauer spendeten begeisterten Applaus für spannende Einblicke in dunkle Seiten der Gesellschaft.

Wie die Wilden fallen Jayne (Laura Apel) und Max (Mark Tsiolis) in dem Vorstadtmotel übereinander her, zerren sich die Kleider vom Leib. Es scheint, als könnten sie es kaum erwarten, es endlich ordentlich miteinander zu treiben. Er hat eine kleine Familie zu Hause. Sie beherbergt gerade Frau und Tochter seines Partners; auch Pam (Julia Ruge) und Donny (Thomas Rühling) haben Beziehungsprobleme.

Das Telefon klingelt. Max geht ran. Damit ist bei Jayne die Lust erledigt. Sie sinniert über ihr Dasein: „Wir sind mit allem durch“, ist ihr frustriertes Fazit. Als Verteidigerin des Rechts hat sie längst aufgehört zu kämpfen. Auch für den bedeutungslosen Vorstadt-Cop Max dreht sich alles nur noch um den Abschaum der Gesellschaft.

Und doch, einer Klientin will Jayne helfen. Dazu fädelt sie in der Absteige mit Max einen fragwürdigen Deal ein. Ist das ein Neuanfang oder der Anfang vom Ende? In derselben Nacht träumt Jayne davon, dass sich Pam und Donny die Kugel geben.

In den sechs Stücken unter dem Titel „Suburban Motel“ stellt George F. Walker immer wieder die Frage: Was ist fair? Wo hört Gerechtigkeit auf? Gibt es im Dschungel der Gewalt ein „richtig“? Mit Problemkind hat das ThOP 2018 den Anfang gemacht. Nun hat Peter Schubert die zweite Folge „Nur für Erwachsene“ inszeniert. Gerade wegen der desolaten Grundstimmung des Stücks gibt er den Zuschauern immer wieder Gelegenheit für ein kurzes, befreiendes Lachen.

Ein Bett, ein Tisch und ein Fernseher bestimmen das Geschehen auf der sonst leeren Bühne. Die Darsteller wirken wie ausgestellt. Kühl und berechnend präsentiert Laura Apel ihre Jayne am Anfang, Mark Tsiolis‘ Max ist mehr am Sex interessiert als an Gedanken über sein Leben. Doch schon die kühlen Überlegungen von Jayne lassen die Fassade bröckeln.

Thomas Rühling gibt einen auf den ersten Blick nicht aus der Ruhe zu bringenden Donny. Dass er seine Verzweiflung mit Alkohol ertränkt, zeigt er, wenn er seine Taschen ausleert. Man kann die Flachmänner kaum zählen. Zwar trinkt Julia Ruges Pam keinesfalls, dafür ertrinkt sie fast in ihrer Verzweiflung. Findet sie einen Ausweg nur noch im Freitod? Von der Absteige zum Absturz scheint es nur ein kurzer Weg. Verdienter Applaus für den gelungenen Abend.

Weitere Vorstellungen am 14., 16. und 17. 8. Es gilt das Kulturticket für Studierende der Universität Göttingen. Karten unter Tel. 0551/39707.

thop.uni-goettingen.de

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