Minimalistische Ideen 

Theater im OP: Der "35. Mai" von Erich Kästner überrascht das Publikum

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Das Göttinger Theater im OP inszenierte „Der 35. Mai“ von Erich Kästner: (von links) Martin Liebetruth als „Onkel Ringelhuth“, Michel Kramer als „Konrad“, Naomi Elbing als „Obstbaum“ und Mark Tsiolis als „Herr Kaballo“.

Einen Sack mit Ideen hat das Göttinger Theater im OP seinem Publikum für Erich Kästners Reise in die Südsee mitgebracht. Allein der Titel "Der 35. Mai" deutet auf verrückte Dinge hin.

Mit Einfallsreichtum für die Umsetzung auf der Bühne (Inszenierung: Carola Croll, Textarbeit mit Helle Körner) hat das Team die Aufgabe gemeistert.

Jeden Donnerstag besucht Konrad (Michel Kramer) seinen Onkel, Apotheker Ringelhuth (Martin Liebetruth). Dass die beiden so verrückte Sachen wie gekochten Schinken mit Schlagsahne oder Kirschkuchen mit englischem Senf verzehren, erfahren die Zuschauer aus Konrads Treffen mit den Freunden. 

Da der Junge in der Schule gut in Mathe ist, soll er – zur Anregung seiner Phantasie – einen Aufsatz über die Südsee schreiben.

Minimalistisches Geschick auf der Bühne im OP

Dass diese Rechnung aufgeht, beweist gleich zu Beginn das Treffen mit Herrn Kaballo (Mark Tsiolis) – das Zirkuspferd ohne Job weist den Weg. Durch den Dielenschrank bei Onkel Ringelhuth zu Hause gelangen die drei in wundersame Welten. 

Mit der Wahl des Kostüms für das arbeitslose Pferd hat der für die Ausstattung zuständige ThOP-Kurs „Kostüm und Requisite für die Bühne“ minimalistisches Geschick bewiesen. Herr Kaballo trägt zu Anzughose und Weste die Haare zum Pferdeschwanz gebunden. Schwarze, schicke Schuhe mit weißem Rand werden mit Phantasie schnell zu Hufen.

Die Reise führt Konrad und den Onkel ins Schlaraffenland, zu einer Burg, in der die Großen der Geschichte zu olympischen Spielen zusammenkommen und in die verkehrte Welt, in der Kinder die Aufgaben der Erwachsenen übernehmen und die Großen die Schulbank drücken müssen, um zu lernen, wie sie ihre Kinder besser behandeln. 

Erich Kästner hat in die Zukunft gesehen

Mit der vollautomatischen Stadt Elektropolis hat Kästner in die Zukunft gesehen. Das ThOP-Team nutzt die Gelegenheit, um mit einem schnurlosen Telefon, selbstfahrenden Autos und natürlich dem Klimawandel die Verbindung in die heutige Zeit zu finden.

Dabei bleibt die Inszenierung minimalistisch. Wenn Konrad den Onkel in einen Zwerg verwandelt, tut ein schwarzes Tuch mit einer Mini-Figur über den Schauspieler gestülpt das seine. 

Für den Gegenzauber des Onkels für Konrad müssen ein Wasserkopf aus Pappmaché und Handschuhe mit Wurstfingern – einfach auf der Bühne angezogen – herhalten. Um das wogende Meer zu zeigen, hocken sich die Akteure untere blaue Gaze. Das Bild beleben sie mit Meeres-Kuscheltieren.

Ausgiebiger Applaus zum Abschluss

Die Aufführung mit Szenen, in denen zu viele Darsteller aktiv sind, um alle einzeln zu benennen, mag die Zuschauer an eigene Erfahrungen in Schultheatergruppen erinnert haben. Nach etwa eindreiviertel familientauglichen Stunden (inklusive Pause) spendeten sie ausgiebigen Applaus.

Die Vorstellungen am 13.12. um 20.15 Uhr sowie am 14.12. und 15.12. um 16 Uhr sind ausverkauft. Für die Aufführungen am 17.12., 18.12. und 20.12. jeweils um 20.15 Uhr und am 21.12. um 16 Uhr sind noch Reservierungen möglich unter Telefon 0551/397077, per Mail an karten@theater-im-op.de möglich.

theater-im-op.de

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