Performance im Deutschen Theater: Etwas oder jemanden loswerden

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Totenkopf: Kristina van de Sand (links) malte Lisa Stepf mit Lebensmittelfarben einen Totenkopf ins Gesicht während der Performance „Die beste Beerdigung der Welt“ im Deutschen Theater, während Katharina Hülsmann (rechts) das Gesicht von Katharina Pfänder gestaltete.

Göttingen. Mit dem Thema Tod setzt sich die neue Performance "Die beste Beerdigung der Welt" im Deutschen Theater auseinander. Jetzt war Premiere im Studio.

Zunächst wurden die Besucher aufgefordert, Schuhe, Überzeug und Taschen im Vorraum abzulegen. „Keine Sorge, wir nehmen alles mit hinein, es kommt nichts weg“, beruhigten die vier jungen Damen des Streichquartetts Plus 1 das Premierenpublikum ihrer Performance „Die beste Beerdigung der Welt“ im Deutschen Theater in Göttingen.

Jeder sollte aufschreiben, was oder wen er beerdigen möchte und den Zettel hautnah tragen. Drinnen setzten sich alle im Kreis auf den Boden der Studiobühne. Wer wollte, bekam einen Hocker.

Auf diese Weise hatten die Besucher sich - manche eher zögerlich - freigemacht und waren gleich Mitglied einer Gruppe. Beim anfänglich befremdlichen Schweigen kam erstaunlicherweise keine Unruhe auf. Die Teilnehmer verstanden schnell, dass sie die Aktionen der Darstellerinnen nachahmen sollten und machten aufmerksam und konzentriert mit, zunächst beim Schmücken eines Tischtuchs auf dem Boden.

Nach dem langsamen Aufbau einer starken Spannung zerrissen alle symbolisch und wie befreit ihre Zettel, tanzten im Reigen und stießen Jubelschreie aus, als sie die Schnipsel fliegen ließen. Man stieß mit Wasser auf den Tod - oder das Leben - an und nutzte dann die Flaschen als Flöten.

Das konnte die Streicherinnen am besten, denn sie hatten vorab gestimmte Flaschen dabei. Diese Sequenz war eine der wenigen mit melodiöser Musik. Ansonsten wurden die Instrumente - wenn überhaupt - eher als Perkussionselemente genutzt.

Am Ende, als die Streicherinnen Mäntel, Taschen, Schuhe wieder in der Vorraum gebracht hatten, dauerte es eine Weile, bevor sich die Premierengäste aus der Performance, deren Teil sie waren, lösen konnten, um begeistert zu applaudieren.

Das Quartett Plus 1, bestehend aus Katharina Pfänder und Kristina van de Sand (Violine), Kathrina Hülsmann (Viola) und Lisa Stepf (Violoncello), hat die „kollektive Komposition im Raum“ selbst geschrieben. Regie führte Verena Ries, für die Kostüme war Ann-Kathrin Blohmer verantwortlich.

Die Frage der Reporterin „Was nehmen Sie mit nach Hause?“ wollte eine ältere Dame nicht beantworten, äußerte sich aber gerne zum Stück. Es sei beeindruckend, wie schnell es das Quartett geschafft habe, alle einzubinden, obwohl nicht gesprochen wurde. „Auch ohne Sprache entstand Kommunikation, eben wie in der Musik.“

Alle Altersgruppen waren vertreten und funktionierten erstaunlich problemlos als Gruppe. „Wenn sie sich gelangweilt hätte, hätten Sie es gehört“, sagte lächelnd der Vater eines dreijährigen Mädchens. Und wenn man am Ende den Tod essen kann und er auch noch lecker schmeckt, wo ist dann sein Stachel?

Das Stück dauert etwa eine Stunde. Es gibt keine Pause. Die einzigen weiteren Aufführungen sind am 10. und 11. Dezember um 20 Uhr und am 13. Dezember um 18 Uhr. Karten gibt es unter der Rufnummer 05 51/49 69 11.

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