"Science and Fiction" in Göttingen

Theater trifft Wissenschaft: Spannendes Projekt von Uni und Deutschem Theater

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Mephisto und der Professor. DT-Schauspieler Nikolaus Kühn als Mephisto und Uni-Professor Sascha Münnich im Hörsaal 011, wo das Stück „Science and Fiction“ läuft. 

Theater trifft Wissenschaft - in einem Projekt mit Uni und Deutschem Theater in Göttingen: In "Science and Fiction" wird Faust II zu einem Kommentar zur Finanzkrise verwandelt. 

In „Science and Fiction (Faust II)“ hat Sascha Münnich, Professor für Soziologie von der Georg-August-Universität und Sänger, sich Faust II angenähert und mit dem DT-Schauspieler Nikolaus Kühn in einen Kommentar zur Finanzkrise der Gegenwart verwandelt.

Auftritt Nikolaus Kühn in dem riesigen Hörsaal 011. Im roten Mephisto-Outfit tritt er vor den recht sparsam gefüllten, doch ausverkauften Hörsaal – nur 100 Karten gibt es für den Abend. Kühn wartet gleich auf mit einer Enttäuschung. 

Es hatte ein riesiges Projekt werden sollen mit Bäumen und einem Bachlauf im Hörsaal. Sieben Fakultäten waren beteiligt, der Zuschauerraum hätte wie mit einem Fahrstuhl acht Meter in die Tiefe sausen sollen, sogar einen neuen Menschen wollten sie erschaffen.

Goethes Faust im gesellschaftlichen Zusammenhang 

Doch weil von insgesamt 900 Karten zunächst nur 64 verkauft worden seien, sei das gigantische Projekt baden gegangen. Keiner versprach sich ausreichend Profit. Nur er, Nikolaus Kühn, sei übrig geblieben. Als festangestellter Familienvater sei er auf sein Gehalt angewiesen.

Das Thema ist gesetzt: Geld bestimmt die Welt. Doch mit diesen vier Worten wollte sich das Projektteam nicht begnügen. Unter der Regie des in Projekttheater erfahrenen Geisteswissenschaftlers Jan Philipp Stange füllt Nikolaus Kühn viele Passagen aus Goethes Faust mit Leben, Sascha Münnich setzt sie originär in gesamtgesellschaftliche Zusammenhänge.

Unzählige Nuancen glitzern auf – wie in dem Bachlauf der durch den Hörsaal fließen sollte. Bühnen- und Kostümbildner Jakob Engel hat nicht allein für Nikolaus Kühn ein Mephisto-Kostüm in der Dominanzfarbe Rot erfunden. 

Auch mit den dort gängigen Tools wie einer Dokumentenkamera gelingt es ihm, den ach so nüchternen Hörsaal mit so etwas Theateratmosphäre zu füllen.

Rocky Horror Picture Show im Hörsaal

Fast schon sphärisch wirken Chorklänge in der Inszenierung. Anfangs leise, dann immer klarer mischen sie sich ins bis dahin doch sehr wortbestimmte Geschehen, bis die Sängerinnen und Sänger, bisher unbemerkt im Publikum, mit Fred Kerkmann an der Gitarre zum Chor für Sascha Münnichs Song aus der Rocky Horror Picture Show „Science Fiction Double Feature“ werden.

Sie lief übrigens ein Jahr nach der Watergate-Affäre um den US-amerikanischen Präsidenten Richard Nixon an und gilt als Appell an das Publikum, sich zu allen Themen eine eigene Meinung zu bilden. 

Wie es sich für die Show gehört, schreiten die Chormitglieder auch in „Science and Fiction“ kerzenschwenkend auf die Bühne und bilden so den Rahmen für ein stimmungsvolles Finale.

Der größte Hörsaal, HS 11 mit 900 Plätzen, verwandelt sich an diesem Abend in einen Spielort. Ob Vorlesung oder Theater, wo er für sich den Schwerpunkt setzt, muss jeder Zuschauer selbst entscheiden. Sicher ist: „Science and Fiction“ mit Faust II ist ein Projekt zum zweimal Hören. 

Weitere Vorstellungen am 8. 24., 25. und 26. Mai, jeweils ab 20 Uhr. Theaterkasse: 0551/4969-300.

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