Göttingen: JT hat Theatersaal corona-gerecht umgebaut

Ein Theaterbesuch in Göttingen wird zum „Lounge Act“

Viel Platz und ein Hauch von „Bielefelder Orient“: Der umgestaltete Zuschauersaal des Jungen Theaters in den (von links) Jost Lessmann, Nadia Dapp und Daniel Chiller Kronhardt jede Menge Arbeit reingesteckt haben.
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Viel Platz und ein Hauch von „Bielefelder Orient“: Der umgestaltete Zuschauersaal des Jungen Theaters in den (von links) Jost Lessmann, Nadia Dapp und Daniel Chiller Kronhardt jede Menge Arbeit reingesteckt haben.

Kreativität ist in dieser Branche ohnehin gefragt. Doch in der Corona-Pandemie sind Kulturschaffende ganz besonders herausgefordert, neue Wege zu beschreiten – oder alte wiederzuentdecken.

Göttingen – Nicht nur das „Was“ und das „Wie“ müssen neu gedacht werden, auch das „Wo“. Das Junge Theater (JT) in Göttingen begegnet dem nun mit einem neu gestalteten Theatersaal.

„Lounge Act“, so heißt nicht nur Titel 9 auf Nirvanas legendärem Album Nevermind, es könnte auch das neue Motto des JT werden. Denn seit Kurzem verfolgen die Zuschauer im Theatersaal das Geschehen auf der Bühne aus einer Art Lounge.

Kleine Tischgruppen mit insgesamt etwa 40 Plätzen – die genaue Zahl hängt davon ab, wie viele geschlossene Gruppen die jeweilige Vorstellung besuchen – sind im Saal verteilt, das Ambiente gleicht einem Wohnzimmer.

Einem Wohnzimmer, wie man es noch von früher kennt: „Bielefelder Orient“, so nenen JT-Intendant Nico Dietrich und Geschäftsführer Tobias Sosinka die Teppiche, die nun den Boden zieren; dunkel und in grün-beige Tönen sind die Wände gehalten; von der Decke hängen Kronleuchter.

Verantwortlich für die Umgestaltung waren Nadia Dapp, Hannah Landes und Tobias Sosinka. Die Umsetzung – also das Handwerk – übernhamen Daniel Chiller Kronhardt, Jost Lessmann und ihr Team. Intendant Nico Dietrich hob die unermüdliche Arbeit der Mitarbeiter der Technik und der Schneiderei heraus, die den Theatersaal innerhalb kürzester Zeit in eine Lounge verwandelten.

Zur richtigen Lounge-Atmosphäre gehört natürlich auch das richtige Getränk. Und das kann man eben jetzt mit an den Platz nehmen. Dort – auf dem eigenen Sitzplatz – darf auch erst der Mund-Nasenschutz abgenommen werden, der ansonsten im gesamten Haus Pflicht ist.

Das Konzept kommt an, sagen Dietrich und Sosinka. Die ersten Zuschauer-Rückmeldungen waren positiv: eine entspannte Atmosphäre, die man aber trotzdem mit einem sicheren Gefühl genießen kann. „Die Gäste sagen, sie kommen gerne hier her“, erklärt Sosinka.

Der Geschäftsführer nennt auch die Kosten des Umbaus: 25 000 Euro musste das JT investieren, „Geld, das wir eigentlich nicht haben“, sagt Sosinka. Aber das wieder reingeholt werden soll, auch mit anderen kreativen Ideen zu neuen Spielstätten. „Wir sehen die Umstände nicht als Problem, sondern als Herausforderung, mit der wir kreativ umgehen“, sagt Dietrich.

Die Open-Air-Bühne im Innenhof steht ja schon, auch die Waldbühne Bremke und das Freibad am Brauweg standen dem JT – wie bereits in der Vergangenheit – zur Verfügung. Mit Erfolg: Zu den neun Aufführungen seit Saisonstart kamen insgesamt 1300 Zuschauer.

Und das könnten demnächst noch deutlich mehr werden. Denn konkrete Pläne für neue, größere Spielstätten gibt es schon. Offiziell dürfen sie aber noch nicht gemacht werden ... (Andreas Arens)

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