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Theaterfestival „DT-Am Puls“ in Göttingen: Mit Konfetti-Kanone zum „Höhe.Punkt“

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Von: Ute Lawrenz

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Fünf junge Menschen sitzen auf einer Matratze auf einer Theaterbühne.
Das ah!-Kollektiv auf der Bühne des dt.2 bei der Premiere von „Höhe.Punkt“: (von links) Alma Nossek, Paul Häußer, Lillian Jöster, Nele Sennekamp und Moritz Kahl. © Ute Lawrenz

„Höhe.Punkt“: Der Titel der Produktion von ah!-Kollektiv am Eröffnungstag des Theaterfestivals „DT-Am Puls“ ist Programm. Es geht um Sex.

Göttingen - Groß ist der Zustrom, als sich die Türen vom dt.2 am Eröffnungstag des Festivals „DT-Am Puls“ endlich öffnen. Nach zwei Premieren tritt zum „Höhe.Punkt“ am Abend das fünfköpfige ah!-Kollektiv auf. Beim Jugendkulturpreis Niedersachsen 2022 hat dieses Stück einen Sonderpreis erhalten.

Wie im Wartezimmer einer Arztpraxis sind auf der Spielfläche acht Stühle aufgestellt. Darauf haben drei junge Frauen und zwei ebenso junge Männer in Trainingsanzügen Platz genommen. Einer der Männer legt die Beine hoch, streckt sich. Zwei von den Frauen ist das zu viel und sie beginnen das Gespräch miteinander.

Tag 1 des Theaterfestivals „DT-Am Puls“ des Deutschen Theater in Göttingen endet mit Premiere

Es geht um Sex - darum, dass Sex überall ist. Bei allem, was sie tut, muss die eine daran denken. Sogar beim Sex denke sie an das nächste Mal. Dabei hätten gar nicht alle immer nur Sex, wird die Omnipräsenz doch in Frage gestellt. So beginnt der gut einstündige Abend, an dem sich tatsächlich alles nur um Sex dreht.

Da versucht ein Junge einer Freundin begreiflich zu machen, was man fühlt, wenn man sich verliebt hat. Schnell liegen sie nebeneinander und knutschen. „Hast du schon mal geküsst“, ist eine weitere Frage.

Die fünf Akteure Alma Nossek, Lillian Jöster, Nele Sennekamp, Moritz Kahl und Paul Häußer, die bereits seit vielen Jahren in den Spielclubs und Produktionen des Deutschen Theaters unterwegs sind, haben für die Auseinandersetzung mit Liebe und Sexualität Interviews mit Menschen unterschiedlicher Herkunft im Alter von drei bis 83 Jahren geführt.

Zwei Menschen sitzen auf einer Matratze, vor ihnen eine aufgeschnittene Pampelmuse.
Die Schauspieler Alma Nossek und Moritz Kahl sitzen vor einer aufgeschnittenen Pampelmuse. © Ute Lawrenz

Die Gespräche haben sie als Grundlage für die künstlerische Zusammenstellung genommen, in der auch kleine Filme integriert sind. In einem Spotlight holen die Akteure Zettel aus einem großen (Bonbon?)glas und lesen Zitate - manchmal grenzwertig - wie „Mach die keine Sorgen über die steigenden Gaspreise. Volltanken kann ich dich.“

Ein starkes Bild fürs Masturbieren hat die Gruppe mit einer aufgeschnittenen Pampelmuse gefunden, durch die die Finger suchend streifen. Genauso stark ist beim Höhepunkt die Konfetti-Kanone mit goldenen Streifen.

„DT-Am Puls“: Theaterfestival läuft noch bis Sonntag, 18. September

Viele Lacher erntet Moritz für sein Bilderraten von Synonymen für „miteinander schlafen“. Bei dem Bild von einer Hand an der Zahl Fünf kommt die Lösung „eine Nummer schieben“, kaum länger brauchen die die Zuschauer, um die Wörter „reiten“ und „aufsatteln“ für ein gesatteltes Pferd zu erraten. Doch warum sind die Begriffe so negativ, wenn doch Sex - egal mit welchem Geschlecht - eigentlich schön ist, sind die Akteure ratlos.

Die Stühle und zwei Matratzen reichen dem Team, um die Bühne immer wieder neu zu gestalten. Für Abwechslung sorgen auch die kurzen Filmsequenzen. So gelingt es dem „ah!-Kollektiv“ mit wenigen Mitteln das Tabuthema Sex eindrücklich zu durchleuchten. Das Publikum spendete begeisterten Applaus.

Weitere Vorstellungen im Rahmen des Festivals DT-Am Puls am 17.9. um 20 Uhr und um 22 Uhr im dt.2. Das Festival läuft noch bis zum 18.9. Spielplan unter dt-goettingen.de

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