Ein-Frau-Show

Theaterstück Malala: Verwandlungskunst mit rosa Kopftuch

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Malala - Mädchen mit Buch: Gaby Dey steht im Mittelpunkt der Ein-Frau-Show im DT-X des Deutschen Theaters.

Göttingen. „Malala – Mädchen mit Buch“ lautet der sprechende Titel eines Theaterstücks, das die dramatische Geschichte der jüngsten Friedensnobelpreisträgerin überhaupt erzählt.

Im X-Keller des deutschen Theaters ist die Premiere der Ein-Frau-Show mit begeistertem Applaus aufgenommen worden.

Malala Yousafzai ist heute 20 Jahre alt. Dass sie noch lebt ist fast ein Wunder: Am 9. Oktober 2012 wurde die Schülerin aus Pakistan im Schulbus in den Kopf getroffen. In einem Blog hatte sie – zwar unter Pseudonym – über die Greueltaten der Taliban in ihrer Heimat geschrieben. Weil sie für Schulbildung für Mädchen kämpfte, wurde ein Kopfgeld für sie ausgesetzt. Mit einem Kopfschuss sollte es eingelöst werden.

Doch die junge Frau überlebte. Für ihren Einsatz wurde sie schließlich mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Der englische Bühnen-Autor Nick Wood hat das Theaterstück über Malala geschrieben. In der Inszenierung von Elias Perrig spielt Gabi Dey die Geschichte des Mädchens.

Es ist ein Kraftakt für die Schauspielerin. Gabi Dey meistert ihn mit Bravour, viel Wasser und Einfühlungsvermögen. Immer wieder geht sie an den Wasserhahn an der Theke des Theaterkellers und lässt sich ein neues Glas Wasser volllaufen. Selbst diese kleine, pragmatische Aktion nutzt die erfahrene Schauspielerin. um in ihren Rollen hin- und herzuspringen. Mit rosa Kopftuch, das sie locker um den Hals schwingt, ist sie die junge Nobelpreisträgerin, wenn sie es abstreift wird sie zur Moderatorin; mal übernimmt sie die Rolle des Vaters, mal wird sie die einsame Frau von nebenan, die Zwieback kauend platte Lebensweisheiten verbreitet.

Als vermutlich die jüngste Menschenrechtsaktivistin wird Malala gern beschrieben. Die jüngste Friedensnobelpreisträgerin ist sie sicher. Anrührend spielt Dey die Unsicherheit des Mädchens vor ihrer großen Rede und ihre vielleicht erste Schwärmerei für den Mann am Wasserautomaten. Für ihr Spiel kann sie sie in der Ausstattung von Ilka Kops fast den gesamten Kellerraum nutzen.

Ein Mikrofon markiert den Saal für die Preisverleihung, an der Theke ist die einsame Frau zu Hause. Fast scheint es, als würde Deys Gesicht jünger, wenn sie den Teenager Malala – ganz in grau, nur mit dem rosa Kopftuch – spielt.

Spannender Abend

Ein spannender Abend, der von Idealismus erzählt, von dem unbedingten Willen, sich für eine gute Sache einzusetzen. Ein spannender Abend auch insofern, dass er einer Schauspielerin Gelegenheit gibt, die große Bandbreite ihrer Möglichkeiten zu offenbaren. Gabi Dey lässt kaum eine Modulation aus. Weiterer Termin: 7.11., jeweils 20 Uhr, DT-Keller.

www.dt-goettingen.de

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