Produktion wirft Fragen auf

Theaterstück über ehemaliges IWF feiert Premiere im Göttinger Werkraum

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Versuchsanordnung im Göttinger Werkraum: Das boat people projekt und die Firma für Zwischenbereiche haben ein Stück zum ehemaligen IWF erarbeitet.

Aus der Geschichte des Göttinger Instituts für den wissenschaftlichen Film (IWF) ist ein Theaterstück geworden. „Blackbox IWF“ heißt die Performance, die das Göttinger boat people projekt mit der Schweizer Firma für Zwischenbereiche erarbeitet haben.

Nun hat das Projekt vor rund 50 Zuschauern im Werkraum seine Göttinger Premiere gefeiert.

Vier Menschen bewegen sich im Raum. An den Wänden weiße Platten unterschiedlicher Größe. Ein Scheinwerfer und ein Regiepult sind Fixpunkte in der „Versuchsanordnung“. Eine hellhäutige Frau und ein Mann mit dunkler Hautfarbe nehmen Masken, werden Wolf und Fuchs, tanzen. In einem neuen Versuch holen sie zwei Platten, stellen sie in den Raum und nutzen sie als Projektionsfläche für ihre Körper. Der dritte Mann filmt ihre Schatten, die Schattenrisse erscheinen zeitgleich auf Wänden am Rand der Anordnung.

„Wie gehen wir heute mit Bildern um? Wie behandeln wir Archive? Wie viele Kameras sind nötig, um die Realität abzubilden?“ – Das sind nur einige der vielen Fragen, denen sich Ute Sengebusch (Firma für Zwischenbereiche), Pakkiyanathan Vijayashanthan (Experi Theater), Michael Westrich (ethnographischer Filmemacher) und Reimar de la Chevallerie (boat people projekt) stellen.

„Die IWF Wissen und Medien gGmbH, bis 2001 Institut für den Wissenschaftlichen Film, war ein in Göttingen ansässiges Institut für Medien in der Wissenschaft. Es wurde 1956 gegründet und war bis Ende 2007 Teil der bundesweiten Leibniz-Gemeinschaft. 2008 bis 2010 wurde es abgewickelt“ ist bei Wikipedia zu lesen. Das Gebäude sollte abgerissen werden. Eine Bürgerinitiative wehrte sich. Es wurde Flüchtlingsunterkunft. Das boat people projekt fand dort Raum für seine Arbeit. Doch jüngst fiel die Herberge Planierraupen zum Opfer. Mit den Filmrollen hat die Technische Informationsbibliothek (TIB) Hannover das kulturelle Erbe übernommen. In dem Essayfilm „Unlearning Flow“, entstanden an der Zürcher Hochschule für Künste, wird die Geschichte mit vielen Fragen auch zu ethnographischen Filmen aufgegriffen. Mit ihm wird die Performance eröffnet.

Erst seien die Filme über Menschen aus fernen Ländern im IWF aufbewahrt worden. Als Flüchtlinge seien diese Menschen gekommen, beschreiben Sengebusch und Westrich, die das Konzept für die Performance erarbeitet haben. Von der Auseinandersetzung mit „Postkolonialismus“ und „strukturellen Rassismus“, der sich in den ethnographischen Filmen zeige, war eine Zuschauerin wie geflashed. Zwei ehemalige Mitarbeiter des IWF empfanden, dass nicht alle Fakten dem Institut angemessen dargestellt worden seien. Über das Publikumsgespräch hinaus ging ihre Auseinandersetzung mit den Akteuren. Dass die Produktion viele Fragen aufwirft, darüber waren sich wohl alle einig.

Eine weitere Vorstellungen in Göttingen gibt es am Sonntag, 26. Januar, um 20 Uhr im Werkraum, Stresemannstr. 24c.

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