Forderungen an die Polizei

Thema Bildung: Experte nagelte Thesen an die Tür des Alten Rathauses

Thesenanschlag: Initiator Peter Brammer nagelte die Forderungen zum Thema Bildung an der Tür des Alten Rathauses an.
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Thesenanschlag: Initiator Peter Brammer nagelte die Forderungen zum Thema Bildung an der Tür des Alten Rathauses an.

Zahlreiche Göttinger Experten sind entsetzt. Im Vorfeld der Wahlen im September wird aus ihrer Sicht das Thema Bildung vergessen. Deshalb griff einer von ihnen zu einem ungewöhnlichen Mittel.

Göttingen – Peter Brammer, früherer Leiter der Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule und Macher der Kinder-Uni, brachte am Montag ähnlich wie Martin Luther vor mehr als 500 Jahren Thesen – in diesem Fall zum Thema Bildung – an einer Tür an. Gewählt hatte er die Eingangstür des Alten Rathauses in Göttingen, um auf das Anliegen aufmerksam zu machen.

„Die Pandemie hat die seit Jahrzehnten aufgelaufenen Defizite unseres gesamten Bildungs- und Ausbildungssystems für jeden sichtbar ans Tageslicht befördert“, macht Brammer deutlich. Bildung und auch Kulturförderung tauchen aus seiner Sicht gegenwärtig nur noch in Nebensätzen oder als Reparaturmaßnahmen auf. „Zentrale Fragen bleiben unbeantwortet“, sagt er.

Unterstützer: Sie setzen sich für die Thesen zum Thema Bildung ein und waren am Montag bei der Aktion dabei.

Hier die wichtigsten Forderungen, die als Thesen formuliert wurden:

Ausbau und eine gute Ausstattung der Kitas ohne Verzug. Soziale Ungleichheit manifestiert sich vor allem in der vorschulischen Lebenszeit bis zum Eintritt in die Grundschule.

Verkleinerung der Gruppen- und Klassenfrequenzen um wenigstens 30 Prozent. Keine Schulklasse sollte mehr als 20 Schülerinnen und Schüler haben;

Aufstockung der Lehrerstundenzuweisungen pro Schülerin und Schüler um wenigstens 30 Prozent, beginnend für Schulen mit erhöhtem Förderbedarf;

Beseitigung der unsozialen und asymmetrischen Verteilung der Lasten innerhalb des Bildungssystems;

Beseitigung der diskriminierenden Benachteiligung hinsichtlich der Bezahlung und der Arbeitszeit bei Grund-, Haupt- und Realschullehrern;

Kein Schüler verlässt ohne Abschluss die Schule;

Aufwertung der beruflichen Ausbildung sowohl gesellschaftspolitisch, rechtlich als auch institutionell;

Reform der Lehrerausbildung vor allem in den ersten sechs Semestern durch einen erheblich höheren Praxisanteil;

Etats der Hochschulen, der Universitäten und Forschungsinstitute um wenigstens 30 Prozent erhöhen.

BAföG-Sätze sowie die Berechtigungsgrenzen deutlich angehoben;

Bessere staatliche finanzielle Ausstattung außerschulischer Bildungseinrichtungen wie Volkshochschulen oder Sportvereine;

Anerkennung der Kultur als bedeutsamer Aspekt von Bildung.

Thesenpapier: Peter Brammer brachte die Forderungen am Montag an der Statue des Gelehrten Georg Christoph Lichtenberg an.

Damit die Thesen auch für alle gut sichtbar sind, wurde ein Exemplar dem Gelehrten Georg Christoph Lichtenberg um den Hals gehängt. Er ist als Statue neben dem Alten Rathaus zu finden. (Bernd Schlegel)

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